Prozess um Blutbad auf Campingplatz beginnt

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Die Messer mit der die Bluttat auf dem Campingplatz verübt wurde.

Münster - Der 34-Jährige, der auf einem Campingplatz seine Ex-Freundin und deren Eltern mit 90 Stichen tötete, steht vor Gericht und schweigt zu den Vorwürfen. Das Motiv könnte Streit ums Sorgerecht sein.

Grausige Details im Mordprozess um das Blutbad auf einem Campingplatz: In Gegenwart seiner zehn Monate alten Tochter soll ein Auto-Lackierer im Münsterland drei Menschen mit einem Samurai-Schwert und Messern massakriert haben. Die Mutter und die Großeltern des Babys starben unter fast 90 Stichen. Seit Dienstag steht der 34-jährige Kölner vor dem Landgericht Münster. Der Angeklagte schweigt zur Tat. Der stämmige Mann mit Stirnglatze, rundem Gesicht und auffällig großen Händen verfolgt seinen Prozess wie unbeteiligt. Er spricht nur wenige, leise Sätze, die Personalien. Als Tatmotiv vermutet die Staatsanwaltschaft einen Streit mit der getöteten Ex-Freundin um das Sorgerecht für die Tochter.

Der Mord hatte sich im August 2009 in einer Holzhütte in Coesfeld ereignet, wo die 29-Jährige mit Kind und ihren Eltern aus Gelsenkirchen Urlaub machte. Es war das letzte warme Sommerwochenende des Jahres. Mit Sturmhaube und Tarnjacke maskiert, soll der Angeklagte mitten in der Nacht in die Hütte eingedrungen sein, um die nichts ahnenden Opfer zu töten. 48 Mal trafen die Klingen die Ex-Freundin, 27 Mal ihre Mutter, 11 Mal ihren Vater. Kurz nach den Morden nahm eine Funkstreife den Mann, der im Auto fliehen wollte, an einer Landstraße fest.

Autokennzeichen machte Polizei aufmerksam

Das Kölner Kennzeichen des Angeklagten mitten in der westfälischen Provinz war einem Polizeioberkommissar ins Auge gefallen. “Ich komme von meiner Freundin“, soll der Angeklagte bei der Kontrolle gesagt haben. Den Polizisten fielen zuerst sein kurzer Atem und eine frische Wunde am Auge auf. Als sie blutverschmierte Kleidung im Kofferraum entdeckten, nahmen die Polizisten den kräftigen Mann sofort fest. Ihren Kollegen bot sich am Tatort derweil ein schrecklicher Anblick. Eine Frau lag auf der Veranda des Nachbarhauses, wohin sie sich sterbend noch geschleppt hatte. “Wir sind von einem Opfer ausgegangen“, erinnert sich eine 26-jährige Polizistin im Zeugenstand. Doch dann entdeckten die Beamten im Licht der Taschenlampen immer mehr Blutspuren und Tote.

Blutige Abdrücke an der Hauswand, dunkle Lachen auf dem Boden: Ein stumm laufender Fernseher erhellte die gespenstische Szene der Hütte. “Alles lag auf dem Boden, es war sehr chaotisch“, sagt ein 23- jähriger Sanitäter. Zwei Tote lagen am Boden, die Besteckschublade war aufgerissen. Ein 25 Jahre alter Rettungsassistent wollte den Opfern den Puls fühlen. “Doch es gab nichts mehr zu tasten.“ Auf einem Bett saß das verstörte Baby mit Schnuffeltuch und Schnuller. Eine Polizistin trug das unversehrte kleine Mädchen behutsam zu einem Krankenwagen. “Das Kind sagte zweimal: “Aua“.“ Bis heute wisse sie nicht, ob das augenscheinlich unverletzte Baby damit das Erlebte nachgeplappert habe, sagte die 37 Jahre alte Beamtin. Das Urteil des Landgerichts wird am 21. April erwartet.

dpa

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