Prozess: Ärztin sagt unter Tränen aus

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Krebsärztin weist Totschlag-Vorwurf zurück.

Hannover - Eine Internistin soll 13 Patienten mit hochdosiertem Morphium und Valium getötet haben. Doch zum Prozessauftakt sagte sie unter Tränen aus, sie habe niemanden getötet.

Mit hoch dosiertem Morphium und Valium soll sie 13 Patienten getötet haben. Das glaubt die Staatsanwaltschaft. Doch die 59 Jahre alte Ärztin einer Klinik in Langenhagen bei Hannover beteuert, sie habe nur das Leiden schwer kranker Menschen lindern und ihnen ihre letzte Lebenszeit schmerzfrei gestalten wollen. Seit Dienstag steht sie erneut vor Gericht, nachdem der erste Prozess geplatzt war. Unter Tränen brach die Medizinerin ihr Schweigen.

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Krebsärztin weist Totschlag-Vorwurf zurück

Es ist einer der größten Mediziner-Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Bislang hatte die Frau stets ihre Anwälte reden lassen. Jetzt sagte sie selbst aus. Aufgewühlt wies sie den Verdacht zurück, ihre Patienten mit zu hohen Schmerzmittel-Dosen umgebracht zu haben. “Der Vorwurf einer bewussten oder gewollten Tötung entbehrt jeder Grundlage“, sagte sie. “Der Todeseintritt wurde durch keine meiner Maßnahmen verursacht oder beschleunigt.“

Patienten zeigen sich solidarisch

Im Gerichtssaal verfolgten zahlreiche ehemalige Patienten die Verhandlung und demonstrierten ihre Solidarität mit der Ärztin. Die Todesfälle passierten zwischen 2001 und 2003. Die Ermittlungen hatten begonnen, nachdem einer Krankenkasse der ungewöhnlich hohe Morphium-Verbrauch in der Klinik aufgefallen war. Als die Ärztin Anfang vergangenen Jahres zum ersten Mal vor Gericht stand, platzte der Prozess, weil ein Richter erkrankte.

Inzwischen hat die Frau keine ärztliche Zulassung mehr, sie hatte zunächst auch in Untersuchungshaft gesessen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Medizinerin Totschlag an 13 Patienten im Alter zwischen 52 und 96 Jahren vor. Insgesamt ließ die Staatsanwaltschaft 87 Fälle überprüfen, auch Leichen ehemaliger Patienten wurden exhumiert und untersucht.

Gegen die Regeln

Staatsanwältin Regina Dietzel-Gropp sagte in ihrer Anklage: “Ihr war bewusst, dass es nicht den Regeln der ärztlichen Kunst entsprach, was sie tat.“ Unter den gestorbenen Patienten seien nicht nur schwer kranke Menschen gewesen, sondern beispielsweise auch ein Mann, der nur an Husten, Austrocknung und anhaltender Schwäche litt. Bei diesem habe sie keine weitere Diagnostik veranlasst, sondern lediglich Morphium verordnet. Der Mann starb kurze Zeit später.

Die Ärztin sagte dagegen: “Die Therapie war in jedem der 13 Fälle medizinisch indiziert. In keinem der 13 Fälle habe ich die letzte Lebenszeit meiner Patienten durch Morphium verkürzt.“ Sie räumte aber ein, dass sie ihr Handeln nicht immer ausreichend schriftlich dokumentiert habe. Ihre Aufmerksamkeit habe mehr der Gesundheit der Patienten als der ärztlichen Dokumentation gegolten. Verteidiger Matthias Waldraff rügte zu Prozessbeginn die lange Verfahrensdauer.

Nach der geplatzten ersten Verhandlung hat die Kammer diesmal 26 Termine festgelegt. Mit dem Urteil wird erst in ein bis zwei Jahren gerechnet. Im ersten Prozess hatten sich Gutachter einen erbitterten Streit darüber geliefert, ob die Kranken durch die Schmerzmittel starben oder an ihren Ursprungsleiden. Viele Patienten hatten Krebs im Endstadium. Bei anderen Kranken soll für Angehörige nicht klar erkennbar gewesen sein, dass sie todkrank waren. Die Anwälte der Medizinerin forderten am Dienstag, mehrere Gutachter wegen Befangenheit abzulehnen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

dpa

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