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Preise sinken erstmals seit 2020 wieder: das Ende der hohen Inflation?

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Von: Johannes Nuß

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Im Oktober 2022 sind erstmals seit zweieinhalb Jahren die Erzeugerpreise gesunken. Das Ende der hohen Inflation in Deutschland? Ökonomen äußern sich verhalten optimistisch.

Wiesbaden – Erstmals seit rund zweieinhalb Jahren sinken in Deutschland wieder die Erzeugerpreise. In Anbetracht der immer noch hohen Inflation nährt das derzeit die Hoffnung darauf, dass dies bereits das Ende der hohen Inflation ankündigen könnte, wenngleich sich Ökonomen vorsichtig in dieser Hinsicht äußern. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das Statistische Bundesamt (StBA) in Wiesbaden berichtet, sanken die Preise im Oktober 2022 im Monatsvergleich um 4,2 Prozent.

Die Gründe in der steigenden Inflation waren zunächst in der Corona-Pandemie zu suchen, inzwischen bestimmt aber auch immer mehr der Ukraine-Krieg die internationalen Märkte.

Ist dies das Ende der hohen Inflation in Deutschland? Erzeugerpreise sinken im Oktober um 4,2 Prozent

Im Jahresvergleich stiegen die Produzentenpreise zwar weiter, allerdings nicht mehr so stark, was die Hoffnung auf ein Ende der hohen Inflation in Deutschland ebenfalls schürt. Im Oktober stiegen die Produzentenpreise demnach im Jahresvergleich um 34,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag, 21. November, in Wiesbaden mitteilte. Zuvor hatte die Rate im September mit 45,8 Prozent noch wesentlich höher gelegen. Trotzdem steigen die Preise bei Kaufland, Aldi, Lidl & Co. weiter. Ein Ausgleich könnte die Inflationsprämie über 3000 Euro sein, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern netto auszahlen dürfen.

EIne Kassenkraft scannt Produkte an einer Kasse ein, während eine Kundin ihren Einkauf in eine Einkaufstasche packt.
Erstmals seit Mai 2020 sind die Erzeugerpreise gesunken. Das nährt die Hoffnung darauf, dass dies das Ende der hohen Inflation in Deutschland sein könnte. Ökonomen reagieren verhalten und vorsichtig. © Rolf Poss/imago/Symbolbild

Auch bei der Energie lassen die Preise langsam wieder nach, wie aus der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Zwar verteuerte sich Energie im Jahresvergleich nach wie vor stark, im Vergleich zum September gibt es aber eine spürbare Entlastung. So lagen die Energiepreise im Oktober zwar 85,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, gegenüber dem Vormonat September sanken sie aber um 10,4 Prozent.

Laut Statistikamt waren auf Monatssicht vor allem Strom und Erdgas günstiger, nachdem es in den Monaten zuvor teils starke Preissteigerungen gegeben hatte. Aufgrund der niedrigen Preise für Flüssiggas stauen sich inzwischen die LNG-Tanker vor der Küste, weil die Händler auf steigende Preise hoffen. Weiterhin deutliche Preisanstiege gibt es auf Jahressicht bei Nahrungsmitteln und Vorleistungsgütern.

Sinkende Preise in Deutschland: Experten äußern sich verhalten zum Ende der hohen Inflation

Über das Ausmaß der sinkenden Preise sind selbst Experten überrascht, die eigentlich mit einem viel schwächerem Nachgeben der Preise gerechnet hatten. So war man ursprünglich von einem Nachgeben der Produzentenpreise auf Jahressicht von 42,1 Prozent ausgegangen, die mit 34,5 Prozent aber nun wesentlich niedriger ausgefallen ist. Im Monatsvergleich hatten Analysten im Schnitt sogar mit einem weiteren Preisanstieg gerechnet.

Gerade mit Blick auf die in der Vergangenheit enorm gestiegenen Energiekosten, die teilweise Menschen in ihrer Existenz bedroht hatten, gibt die Entwicklung durchaus Hoffnung, dass sich die Preise ganz allmählich wieder anpassen könnten. „Ein spektakulärer Preisrückgang nach all den Monaten mit deutlichen Preisanstiegen“, kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.

Vielleicht sei dies das erste Signal eines gewissen, konjunkturbedingten Nachlassens des Preisdrucks, so Niklasch. Allerdings: Bis jetzt sind die Preisnachlässe nur bei den Großverbrauchern angekommen, der Endverbraucher schaut derzeit noch in die Röhre. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt da die geplante Strompreisbremse der Bundesregierung, genauso wie die Gaspreisbremse, die allerdings versteuert werden muss.

Trotz sinkender Erzeugerpreise: Inflation in Deutschland liegt im Oktober bei 10,4 Prozent

Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Oktober 10,4 Prozent über dem Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg seit 1951. Auch im deutschen Großhandel hatte sich der starke Preisauftrieb zuletzt deutlich abgeschwächt – die tendenziell zu beobachtende Entspannung könnte auch bei Verbrauchern ankommen.

Die Erzeugerpreise erfassen den Preisdruck auf Herstellerebene, indem sie die Verkaufspreise der Produzenten abbilden. Die Entwicklung wirkt sich normalerweise auf die Verbraucherpreise aus, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. Angesichts der hohen Teuerung hat die EZB ihre Leitzinsen nach einigem Zögern deutlich angehoben. Es werden weitere Zinserhöhungen erwartet.

Trotz der schwächeren Dynamik bei den Erzeugerpreisen sehen Experten kein schnelles Ende der hohen Teuerung in Deutschland. Eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts zeigt, dass die Inflationsgefahr nicht gebannt ist. Die deutschen Unternehmen geben ihre gestiegenen Einkaufspreise demnach nur langsam und unvollständig an ihre Kunden weiter. „Die Firmen haben in den vergangenen Monaten ihre Einkaufspreise erst zu 34 Prozent durchgereicht“, wie das Forschungsinstitut am Montag in München mitteilte. Erst in den kommenden Monaten wollen die Firmen die hohen Kosten beispielsweise beim Einkauf von Rohstoffen stärker durchreichen, heißt es.

Trotz sinkender Erzeugerpreise: Ende der hohen Inflation laut Experten noch lange nicht in Sicht

Eine schwache Nachfrage, Wettbewerbsdruck und langfristige Vertragslaufzeiten hemmen die Firmen bei Preiserhöhungen, wie aus der Ifo-Umfrage unter 6500 Unternehmen hervorgeht. Die verzögerte Weitergabe der Einkaufspreise wird nach Einschätzung des Ifo Einfluss auf die künftige Preisdynamik haben. „Dies führt voraussichtlich zu weiterem Inflationsdruck bei den Verbraucherpreisen in den nächsten Monaten“, sagte Ifo-Forscher Manuel Menkhoff.

Ökonom Ralph Solveen von der Commerzbank sprach dennoch von einem Hoffnungszeichen. Allerdings sei der rückläufige Preisauftrieb zum überwiegenden Teil auf die Energiepreise zurückzuführen. Bei anderen Gütern habe sich die Vorjahresrate nur leicht verringert. „Damit machen die heutigen Zahlen Hoffnung, dass auch bei den Verbraucherpreisen bald der Hochpunkt der Inflationsrate erreicht wird.“ Überwunden sei das Inflationsproblem damit aber noch lange nicht. (mit Material der dpa)

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