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Morde von Kusel: Jagdverbands-Chef über Tatverdächtigen - „kriminelle Energie“ schon früher

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Von: Jennifer Lanzinger

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Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in Kusel herrscht noch immer Fassungslosigkeit. Auch das mögliche Wilderer-Motiv irritiert. Die Ermittlungen gehen währenddessen weiter. Der News-Ticker.

Update vom 4. Februar, 20.30 Uhr: Das Entsetzen nach dem Doppelmord an zwei Polizisten, die am Anfang der Woche erschossen wurden, nachdem sie zwei mutmaßliche Wilderer kontrolliert hatten, ist in Deutschland weiterhin groß. Auch der Chef des Landesjagdverbands Dieter Mahr blickte wenige Tage nach der Tat mit Schock auf die mutmaßlichen Täter aus der Jäger-Gemeinde.

„Sie sind keine Jäger, sie sind Kriminelle“, sagte Mahr gegenüber Focus Online mit Blick auf die Wilderei-Tätigkeiten der zwei Tatverdächtigen. Dem Hauptverdächtigen im Polizisten-Doppelmord unterstellt der Chef des Jagdverbands anhand seines Verhaltens bereits vor der Tat eine „Art von krimineller Energie“. Der 38-Jährige soll nach aktuellen Erkenntnissen Jagdeinladungen in fremde Reviere ausgesprochen haben, in denen nicht einmal er zur Jagd berechtigt gewesen war.

„Er agiert nicht als Waidmann, sondern als Krimineller. Das hat wirklich überhaupt nichts mehr mit der Jagd zu tun“, so das Urteil von Mahr. „Ihm geht es schlicht und einfach darum, soviel Wild wie irgend möglich zu töten.“

Polizisten-Mord von Kusel: Schweigeminute und Glockengeläut für die Opfer

Update vom 4. Februar, 15.30 Uhr: Mit einer Schweigeminute und teils bei Glockengeläut haben viele Polizeibeamte und Bürger in Rheinland-Pfalz und in ganz Deutschland am Freitag der beiden in der Westpfalz erschossenen Polizisten gedacht. Zeitgleich mit dem Beginn einer internen Trauerfeier der Polizei im pfälzischen Kusel um 10.00 Uhr gab es auch bundesweit eine Schweigeminute. In Kusel, nicht weit vom Tatort entfernt, fand eine nicht-öffentliche Trauerfeier statt, an der auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) teilnahmen.

Die nicht-öffentliche Trauerfeier hatte am Freitag um 10.00 Uhr in der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel begonnen. Erwartet wurden etwa 200 Gäste, darunter Angehörige und Kolleginnen und Kollegen der Opfer. Auch vor der Polizeidirektion in Kusel gedachten zahlreiche Menschen der beiden Opfer. Vor dem Gebäude hing die Fahne auf Halbmast, Trauernde stellten Kerzen auf und legten Blumen nieder.

In Rheinland-Pfalz hatten alle Polizeipräsidien ihre Beamtinnen und Beamten zur Teilnahme an der Schweigeminute aufgerufen. In Mainz beteiligten sich die Mitglieder des Landtags-Untersuchungsausschusses zur Ahr-Flutkatastrophe an dem stillen Gedenken .Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nahm in Frankfurt an einer Gedenkminute der Bundespolizei am Hauptbahnhof teil. Faeser dankte den Polizistinnen und Polizisten, die „Tag für Tag unter Einsatz ihres Lebens“ für die Sicherheit der Gesellschaft einstünden.

Morde von Kusel: „Widerwärtige Dinge“ zu Polizisten kursieren im Netz

Update vom 4. Februar, 10.50 Uhr: Die unfassbare Tat in Kusel in Rheinland-Pfalz sorgt auch Tage nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten für Fassungslosigkeit. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat nun hämische Kommentare im Internet scharf verurteilt. „Wir erleben im Netz gerade widerwärtige Dinge, dass diese Tat von manchen bejubelt wird“, sagte die SPD-Politikerin am Freitag in Kusel . Dort nahm sie gemeinsam mit Innenminister Roger Lewentz an einer nicht-öffentlichen Trauerfeier teil.

Die zwei Polizisten - ein 29 Jahre alter Oberkommissar und seine 24 Jahre alte Kollegin, eine Polizeianwärterin - waren am frühen Montagmorgen nur wenige Kilometer von Kusel entfernt bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht stehen zwei 32 und 38 Jahre alte Männer, die noch am selben Tag festgenommen wurden und nun in Untersuchungshaft sitzen.

Dreyer sagte am Freitag mit Blick auf Kommentare im Netz weiter: „Das ist einfach nur menschenverachtend und schlimm.“ Die Behörden würden weder Beleidigungen noch Drohungen dulden - und nicht nur löschen, sondern verfolgen und bestrafen. Innenminister Lewentz sagte, in der Nacht auf Freitag habe es im Raum Idar-Oberstein bereits einen Zugriff gegeben. „Dort hatte eine Person im Netz aufgerufen, Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte auf Feldwege zu locken und dort zu beschießen“, sagte er. Man habe die Wohnung geöffnet und die Person überwältigt. Der Staat akzeptiere solche Aufrufe nicht. „Das Verfahren läuft“, sagte Lewentz.

Update vom 3. Februar, 17.50 Uhr: Immer mehr Details zu der Tötung zweier Polizisten im rheinland-pfälzischen Kusel* sickern durch. Der Tatverdächtige stand schon zuvor mit dem Gesetz im Konflikt. Und nicht nur das.

Polizisten-Tötung in Kusel: Saarländische Justiz ermittelte bereits gegen Tatverdächtigen

Update vom 3. Februar, 16.20 Uhr: Gegen die Tatverdächtigen im Fall der beiden getöteten Polizisten in Rheinland-Pfalz hat die saarländische Justiz in der Vergangenheit mehrfach ermittelt. So sei einer der beiden Männer 2006 vom Landgericht Saarbrücken wegen fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit einem Jagdunfall zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken am Donnerstag mit.

Der heute 38-Jährige hatte demnach damals einen Jagdkollegen mit einem Schuss im Hals- und Brustbereich sowie insbesondere im Bereich eines Auges erheblich verletzt. Zudem soll der Mann 2017 in einem fremden Jagdrevier ein Reh geschossen haben und danach mit dem Auto gefährlich auf einen Mann zugefahren sein. Das Verfahren sei eingestellt worden, weil er ein Alibi hatte.

Gegen den 38-Jährigen laufen der Staatsanwaltschaft zufolge weitere Ermittlungen - unter anderem wegen einer möglichen vorgetäuschten Straftat, um an Geld aus einer Versicherung zu kommen. Der Mann habe die Tat nicht eingeräumt, hieß es. Zudem hat die Anklagebehörde im Saarland wegen des Verdachts der Wilderei gegen ihn Ermittlungen eingeleitet - „infolge der aktuellen Vorkommnisse“.

Der zweite festgenommene Tatverdächtige, ein 32-Jähriger, sei seit 2018 dreimal verurteilt worden, unter anderem wegen Verkehrsdelikten. Zuvor hatten darüber mehrere Medien berichtet .Wegen Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei sitzen die Männer in Untersuchungshaft. Sie sollen am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle bei Kusel in der Pfalz eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahre alten Oberkommissar erschossen haben. Die Ermittler vermuten, dass die mutmaßlichen Täter Jagdwilderei vertuschen wollten. Der Kofferraum ihres Wagens war demnach voller toter Tiere.

Update vom 3. Februar, 16.05 Uhr: Im Auto der Männer, die mutmaßlich zwei Polizisten in der Westpfalz erschossen haben, sind insgesamt 22 Stück Damwild gefunden worden. Außerdem seien in der Wurstküche eines Tatverdächtigen im saarländischen Sulzbach Tierabfälle sichergestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern am Donnerstag mit.

Die beiden Tatverdächtigen sitzen wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes und der gewerbsmäßigen Jagdwilderei in Untersuchungshaft. Die 32 und 38 Jahre alten Saarländer sollen am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle eine Polizeianwärterin und einen Oberkommissar erschossen haben. Die Ermittler vermuten, dass die Männer Jagdwilderei vertuschen wollten.

Laut Staatsanwaltschaft wurden am Aufenthaltsort eines Tatverdächtigen in Spiesen-Elversberg im Saarland 20 ausgeweidete Wildtier-Kadaver sowie Tierabfälle entdeckt. Vor der Tür habe dort ein Kühlanhänger mit verkaufsfertig verpacktem Fleisch im Wert von mehreren tausend Euro gestanden. Die Ergebnisse der Durchsuchungen würden weiter ausgewertet, hieß es.

Schüsse auf Polizisten: Tatverdächtiger hatte offenbar tausende Tonnen Fleisch gelagert

Update vom 3. Februar, 12.50 Uhr: Es könnte die Wende in dem Fall der bei einer Verkehrskontrolle getöteten Polizisten sein: Einer der beiden Tatverdächtigen hat erstmals Details aus der verhängnisvollen Nacht geschildert. Hat der 32-Jährige tatsächlich nicht auf die beiden Beamten geschossen (siehe Update vom 3. Februar, 9.30 Uhr)? Aktuell sitzen beide Männer unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Ermittler gehen davon aus, dass beide Männer auf die Polizisten geschossen haben. Als Motiv ziehen Ermittler aktuell in Betracht, dass illegale Wilderei vertuscht werden sollte.

Wie der Spiegel nun berichtet, sollen Ermittler in den Räumlichkeiten des 38-jährigen Tatverdächtigen tonnenweise verkaufsfertiges Fleisch gefunden haben. Auch Unterlagen sollen entdeckt worden sein. Diese würden aufzeigen, dass der 38-Jährige in den letzten Monaten rund 40.000 Euro mit seiner Wilderei verdient habe.

Bereits in den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass der Familienvater vor wenigen Jahren mit seiner Bäckerei Insolvenz anmelden musste. Wie der Spiegel weiter berichtet, soll seitdem auch unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Versicherungsbetruges gegen den 38-Jährigen ermittelt worden sein. Hatte der Tatverdächtige Angst durch die Entdeckung der Wilderei auch seine Einkommensquelle zu verlieren? Offiziell bestätigt wurden diese Informationen bislang nicht.

Wende im Polizisten-Mord von Kusel? Verdächtiger nennt erstmals Details aus der Tatnacht

Update vom 3. Februar, 9.30 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in Kusel herrscht noch immer Fassungslosigkeit über das wahrscheinliche Motiv. Wollten die beiden Tatverdächtigen tatsächlich ihre Wilderei vertuschen und töteten deshalb zwei junge Polizisten?

Im Gespräch mit Focus Online äußerte sich nun der Strafverteidiger des jüngeren Tatverdächtigen. Strafverteidiger Christian Kessler erklärt demnach, dass die tödlichen Schüsse der 38-Jährige und nicht sein 32 Jahre alter Mandant abgegeben haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch auch weiterhin davon aus, dass die Schüsse von beiden Männern abgegeben worden seien. Der 32-jährige Florian V. hatte sich bereits kurz nach seiner Festnahme gegenüber Ermittlern über das Tatgeschehen geäußert. So habe der 32-Jährige zwar gestanden gewildert zu haben und bei den Schüssen auch vor Ort gewesen zu sein, selbst auf die Polizisten gefeuert will der junge Mann jedoch nicht haben.

Wie Focus Online weiter berichtet, will der 32-Jährige bei seiner Aussage auch erklärt haben, von dem 38-Jährigen lediglich um seine Hilfe beim Wildern gebeten worden zu sein. Andreas S. war bereits in der Vergangenheit wegen Wilderei aufgefallen. Wie der 32-Jährige demnach erklärt haben soll, habe der 38-Jährige um dessen Hilfe gebeten, beispielsweise um das schwere Wild in den Wagen zu heben. Der jüngere Tatverdächtige soll dabei auch erklärt haben, dass Andreas S. in der Tatnacht zuerst der jungen Polizistin mit einer Schrotflinte in den Kopf geschossen haben soll. Danach soll der 38-Jährige mit einem Einzellader-Gewehr vier Schüsse auf den 29 Jahre alten Polizisten gefeuert haben.

Wie Focus Online weiter berichtet, soll der 32-Jährige bei Ermittlern beteuert haben, noch nie selbst eine Waffe betätigt zu haben. Er habe an dem Tatmorgen auch nicht in das Geschehen eingreifen können. Demnach sollen bisherige Untersuchungen der Schmauchspuren an den Händen diese Aussage nicht widerlegen können. Offiziell bestätigt sind diese Informationen bislang jedoch nicht.

Update vom 3. Februar, 6.45 Uhr: Zwei junge Polizisten sind bei einer Verkehrskontrolle durch Schüsse getötet worden. Die Trauer ist groß. Das Verbrechen schockiert. Am Freitag soll es laut Polizei in Rheinland-Pfalz um 10.00 Uhr eine landesweite Schweigeminute für die getöteten Beamten geben. Auch eine interne Trauerfeier ist in der Stadtkirche Kusel geplant. Coronabedingt ist der Zugang begrenzt. Der Trauergottesdienst soll jedoch auch auf den Marktplatz übertragen werden.

Polizisten-Morde: Hauptverdächtiger durfte wegen Körperverletzung keine Waffen führen

Einer der Hauptverdächtigen soll wegen Körperverletzung angeklagt gewesen sein, das berichtet der SWR. Deswegen sei ihm die Zulassung für das Führen einer Waffe entzogen worden. Der 38-Jährige sei zudem auch wegen Wilderei angeklagt gewesen, aber mangels Beweisen nie verurteilt worden.

Bei einer Hausdurchsuchung im saarländischen Spiesen-Elversberg stellte die Polizei am Dienstag bereits ein großes Waffenarsenal sicher. Laut der Nachrichtenagentur dpa, die auf Sicherheitskreise verweist, habe die Polizei fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie einen Schalldämpfer und Munition gefunden. Die Ermittler gehen den Angaben zufolge davon aus, dass der festgenommene 38-jährige Tatverdächtige Zugang zu den Waffen hatte.

Update vom 2. Februar, 18.43 Uhr: Die tödlichen Schüsse auf zwei junge Polizisten in der Pfalz sorgen nicht nur für deutschlandweites Bestürzen, sie werfen auch ein Schlaglicht auf die Gefahren und Risiken im Polizeiberuf. Das Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes zeigt: Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt seit Jahren zu. Die Zahl der Opfer stieg zwischen 2012 und 2020 demnach um 42 Prozent. Gemessen an der Einwohnerzahl am stärksten verbreitet sind Gewalttaten gegen Polizisten im Sinne der Statistik in Berlin, Bremen und Hamburg, gefolgt von Thüringen und dem Saarland.

„Nach dem, was bisher bekannt ist, haben sich die beiden so verhalten, wie es in Einsatztrainings gelehrt wird. Mit der Taschenlampe in der Hand hat die Polizistin die Papiere kontrolliert, während ihr Kollege sichert“, sagt Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

„Das war ein völlig unvermittelter Angriff, da bleibt gar kein Handlungsspielraum“, resümiert Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er kritisiert zwar, dass Polizisten wegen Personalengpässen mancherorts nicht immer ausreichend Gelegenheit hätten, um regelmäßig das Schießen zu trainieren. Im Fall der beiden erschossenen Beamten dürfte das aber keine Rolle gespielt haben.

Polizisten-Mord in Kusel: Am Freitag sind eine Trauerfeier und eine Gedenkminute geplant

Update vom 2. Februar, 14.40 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen auf zwei junge Polizisten ist in Rheinland-Pfalz ein Gedenken an die Opfer geplant. „Es wird am Freitag um 10.00 Uhr landesweit eine Schweigeminute geben“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Kaiserslautern am Mittwoch. Ob es darüber hinaus zu einem anderen Zeitpunkt auch eine öffentliche Gedenkveranstaltung gebe werde, sei derzeit offen.

Ebenfalls am Freitag ist in Kusel eine interne Trauerfeier mit den Angehörigen sowie mit Kolleginnen und Kollegen der Getöteten geplant. Ab 10.00 Uhr sollen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD*) unter den rund 200 Gästen in der örtlichen Fritz-Wunderlich-Halle sein.

Unterdessen richtete die Polizeistiftung Rheinland-Pfalz für die Familien der beiden Getöteten das Spendenkonto „Kusel - Zwei von uns“ ein. Die Spenden sollen auch allen Kolleginnen und Kollegen bei der Trauerbewältigung helfen, die unmittelbar in das Geschehen eingebunden waren - oder mit der Kollegin und dem Kollegen im Alltag Dienst verrichtet haben, wie die Stiftung mitteilte.

Kusel: Nach tödlichen Schüssen - Ex-Angestellte von Tatverdächtigem äußern sich

Update vom 2. Februar, 11.40 Uhr: Haben die beiden Tatverdächtigen die beiden jungen Polizisten hingerichtet, weil sie beim Wildern erwischt wurden? Diesem unglaublichen Verdacht gehen Ermittler aktuell nach. Währenddessen kommen immer weitere Details zu den Opfern und auch zu den Tatverdächtigen ans Licht (siehe Ursprungsmeldung unten).

Der 38-Jährige, dessen Ausweispapiere am Tatort gefunden wurden, soll bereits in der Vergangenheit wegen Wilderei auffällig geworden sein. Mit der Wilderei soll der Verdächtige seinen Lebensunterhalt bestritten haben, nachdem seine Bäckerei Insolvenz angemeldet hatte. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Im Gespräch mit Bild äußern sich nun zwei ehemalige Angestellte von Johannes S., sie zeichnen ein unangenehmes Bild von dem Tatverdächtigen. So berichtet eine der Frauen, dass der 38-Jährige oft „aggressiv und unhöflich“ gewesen sein. Man habe ihm angemerkt, dass Mitarbeiter lediglich Objekte für ihn seien. Es sei ein offenes Geheimnis gewesen, dass der 38-Jährige im Büro immer eine Waffe liegen gehabt haben soll. Trotzdem habe sie ihrem ehemaligen Chef eine solche Tat nicht zugetraut.

Und auch eine weitere ehemalige Angestellte des Tatverdächtigen berichtet in dem Gespräch mit Bild: „Wenn er den Raum betreten hat, ist man zusammengezuckt. Wenn man bei der Arbeit mal einen Fehler gemacht hat, dann ist er sehr gemein geworden. Er ist kein freundlicher Mann. Und wenn wir nicht funktioniert haben, wie er wollte, dann ging es rund“. Auch wenn sie mit ihrem Chef alles andere als klarkam betont die Frau: „Als Familienvater machte er das eigentlich ganz gut. Man täuscht sich halt schnell in Menschen.“

Zwei Polizisten bei Verkehrskontrolle getötet
Kerzen stehen neben der Kreisstraße 22 im Kreis Kusel. Am Vortag wurden dort eine Polizistin und ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle erschossen. © Harald Tittel/dpa

Polizisten-Mord in Kusel: Mögliches Motiv schockiert - 29-Jähriger setzte noch dramatischen Funk ab

Ursprungsmeldung vom 2. Februar 2022: Kusel - Das Entsetzen nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten* hält weiter an, nach den Festnahmen der beiden Tatverdächtigen sickern immer weitere Details zum Geschehen durch. Am Dienstag, 1. Februar 2022, dann ein schockierender Verdacht: haben die beiden Männer lediglich wegen illegaler Wilderei auf die beiden Polizisten geschossen?

Zwei Polizisten in Kusel hingerichtet: Mögliches Motiv schockiert

Die beiden noch am Tattag festgenommenen Männer stehen nach den tödlichen Schüssen unter Mordverdacht. Ermittler untersuchen jedoch auch am Mittwoch weitere Details in dem Fall. So wollen die Behörden unter anderem klären, ob die Männer über Waffenbesitzkarten verfügten. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern. Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass bei der Festnahme der beiden Männer am Montag ein großes Waffenarsenal sichergestellt wurde. Ermittler wollen auch rund 150 Hinweisen nachgehen, die zu dem Verbrechen bislang eingegangen waren.

Seit Dienstag sitzen die 32 und 38 Jahre alten Saarländer wegen Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei in Untersuchungshaft. Sie sollen am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle im Kreis Kusel - im Südwesten Rheinland-Pfalz‘, an der Grenze zum Saarland - eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahren alten Oberkommissar erschossen haben. Das Motiv, das Ermittler bislang in Betracht ziehen, macht sprachlos. So wird vermutet, dass die Männer Wilderei vertuschen wollten. Der Kofferraum ihres Kastenwagens war demnach voller Wild.

Kusel: Zwei Polizisten bei Verkehrskontrolle getötet - Haben tatsächlich beide Tatverdächtigen geschossen?

Der Ältere habe sich bisher nicht zur Sache geäußert, der Jüngere habe die Wilderei eingeräumt sowie die Polizeikontrolle und Schüsse geschildert, hieß es. Er hat der Staatsanwaltschaft zufolge bestritten, selbst geschossen zu haben. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass mindestens zwei Waffen verwendet wurden - und diese auch von beiden Beschuldigten genutzt wurden. Bei der Routinekontrolle soll der jungen Polizisten völlig unvermittelt in den Kopf geschossen worden sein, sie war vermutlich völlig arglos.

Wie nun bekannt wird, soll ihr Kollege an dem frühen Montagmorgen um sein Leben gekämpft haben. Wie Bild berichtet, soll der 29-Jährige noch einen Funkspruch an die Kollegen abgesetzt haben. „Kommt schnell, die schießen auf uns“, habe der junge Polizist gesagt. Wie der Polizeivizepräsident Heiner Schmolzi demnach erklärt, soll der 29-Jährige sein komplettes Magazin geleert haben. Gegen die beiden Männer habe der junge Polizist jedoch keine Chance gehabt. 14 Mal habe er auf seine Mörder geschossen, beim Eintreffen der Verstärkung sei der junge Mann jedoch bereits nicht mehr ansprechbar gewesen. Die beiden mutmaßlichen Täter hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits vom Tatort entfernt.

Neue Details nach Schüssen in Kusel - Beide Männer waren bereits aufgefallen

Die Tatverdächtigen sind nicht vorbestraft. Der 38-Jährige sei der Polizei aber bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht aufgefallen, der 32-Jährige wegen Betrugsdelikten, hieß es. Der Staatsanwaltschaft zufolge droht den Männern nun lebenslange Haft. „Es gehört nicht zu unserer Vorstellung von Deutschland, dass jemand auf offener Straße mit Jagdwaffen schießt, weil er vielleicht beim Wildern erwischt wird“, sagte Oberstaatsanwalt Udo Gehring. Der Kaiserslauterner Polizeipräsident Michael Denne sagte, nach dem Tod der Kollegen herrsche „sehr große Betroffenheit“ bei der gesamten rheinland-pfälzischen Polizei. „Seit 4.22 Uhr gilt für uns eine neue Zeitrechnung. Wir sind schockiert, zutiefst entsetzt und traurig.“ Die brutale Tat ist ein schriller Alarmruf für uns alle*, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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