Nur einer der Angeklagten soll wegen Mordes verurteilt werden

München - Im Brunner-Prozess hat Staatsanwältin Verena Käbisch überraschend gefordert, nur den Angeklagten Markus S. wegen Mordes an Dominik Brunner zu verurteilen.

Bei Sebastian L. habe sie “Restzweifel“, ob er einen Tötungsvorsatz hatte beim Angriff. Käbisch forderte daher eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge für Sebastian L. Er sei aber nur “einen Zentimeter” am Tötungsvorsatz und damit einer Verurteilung wegen Mordes vorbeigeschrammt. Sie forderte auch deshalb eine Jugendstrafe von acht Jahren, obwohl Sebastian L. “echte Reue” gezeigt habe.

“Dominik Brunner wurde getötet, weil er Zivilcourage gezeigt hat”, sagte Käbisch in ihrem Plädoyer. “Dass er den ersten Schlag gesetzt hat und an Herzversagen starb, ändert daran nichts.” Markus S. habe den Tod von Brunner “billigend in Kauf genommen”. Dass S. nach Brunners erstem Schlag einen Schlüssel in die Hand genommen habe, spreche dafür, dass er “einen Kampf ohne Grenzen” führen wollte. Auch ein Tritt gegen den Kopf sei nachgewiesen. Markus S. müsse daher wegen Mordes verurteilt werden. S. solle nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, weil seine Reife verzögert sei. “Ich bin äußerst skeptisch, ob sich S. ändern wird, aber man kann es nicht ausschließen”, sagte Käbisch. Die Staatsanwältin forderte für Markus S. die Höchststrafe: zehn Jahre Haft.“Niemand hat Anspruch auf ein gesundes Opfer”, sagte Käbisch. Der Gutachter habe ausgesagt, dass die körperliche Belastung durch den Angriff das Herzversagen ausgelöst hat. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Brunner Herzprobleme gehabt hätte und auch ohne die Tat gestorben wäre.

Käbisch sagte, die Tat am Bahnhof Solln sei noch eine Stufe schlimmer, als bei den U-Bahnschlägern vom Arabellapark. Es sei diesmal um die Verhinderung einer Straftat, nicht um die Einhaltung einer Regel gegangen. Am Arabellapark hatte das Opfer auf die Einhaltung des Rauchverbots gedrängt.

pv

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