Ost-Produkte, die die DDR überlebten

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Filinchen gibt es heute auch im Westen.

München - Es gibt sie tatsächlich: Erzeugnisse, die den Sozialismus überdauert und sich am heutigen Markt etabliert haben. Sie sind preisgünstig, originell oder haben eine regionale Geschichte.

Einige Ost-Produkte gab es schon lange vor der DDR: Ihre Hersteller erlebten mit der Wende sozusagen eine Neugeburt. Schönstes Beispiel ist der Sekt mit der roten Aluminiumkappe. „Rotkäppchen“ aus der VEB Sektkellerei Freyburg war die bekannteste Sektmarke der DDR. Inzwischen steht das süffige Getränk in fast jedem Supermarkt. 90 Millionen Flaschen wurden letztes Jahr ausgeliefert. Die expandierende Sektkellerei schluckte sogar Westunternehmen – erst Mumm, später Blanchet.

Ost-Produkte, die die DDR überlebten

Ost-Produkte, die die DDR überlebten

Fest verankert im Osten sind natürlich Dresdner Christstollen und Meissner Porzellan. Letzteres war schon zu DDR-Zeiten ein geschätzter Devisen-Bringer, ebenso Nussknacker und Pyramiden aus dem Erzgebirge. Andere Ost-Produkte haben zwar noch den alten Namen, manchmal auch etwas von der alten Aufmachung, indes firmieren sie längst unter einem neuen Dach. So gehört der Bautz’ner Senf schon seit Jahren zu Develey in Unterhaching. Er wird allerdings immer noch im sächsischen Bautzen produziert.

Nach dem Ende der DDR und der Fülle westlicher Marken schien das Ende der OstProdukte nahe – bis vielen Menschen in Sachsen und Thüringen aufging, dass sie mit diesem einseitigen Kaufrausch ihre eigenen Arbeitsplätze vernichteten. Das führte zu einem gewissen Umkehrschub. Insbesondere bei Nahrungs- und Reinigungsmitteln wurde wieder Vertrautes gekauft: Also Gurken aus dem Spreewald, Würstchen aus Halberstadt und Kekse aus Wurzen. Gescheuert wurde mit Ata, gewaschen mit Spee und gespült mit fit.

Letzteres ist nach eigenen Angaben heute Marktführer bei Handspülmitteln im Osten. Die im sächsischen Hirschfelde angesiedelte Firma kaufte die westdeutschen Marken Rei in der Tube, Sanso und Kuschelweich. Sie hat heute 110 Mitarbeiter und will jetzt „Schritt für Schritt“ auch in die westdeutschen Supermärkte.

Waschmittel Spee macht Karriere

Auch das alte DDR-Waschmittel Spee hat eine erstaunliche Karriere hingelegt. Es kommt aus dem 1921 von Henkel gegründeten Werk Genthin (Sachsen-Anhalt), das 1945 enteignet und 1990 von der Treuhand zurückgekauft wurde. Seit über zehn Jahren ist Spee in ganz Deutschland auf dem Markt und durch die Werbekampagne mit dem Preisfuchs („Die schlaue Art zu waschen“) auch hinlänglich bekannt. Das gesamtdeutsche Spee hat mit dem alten DDR-Pulver allerdings nur noch den Namen gemein. Nach Angaben von Henkel liegt ihm eine „vollständig neue Rezeptur“ zugrunde.

Auch „Florena“ hat eine 90-jährige Geschichte und beträchtliche Wandlungen durchlaufen. In den 60er-Jahren sah die weiß-blaue runde Blechdose wie die kleine Schwester von Nivea aus. Inzwischen hat das Kosmetikunternehmen seine Nische im naturbelassenen Bereich gefunden. Das neue Logo – ein langgezogenes Blatt – steht für natürliche Inhaltsstoffe.

Der Spreewald war schon zu DDR-Zeiten die Gemüsekammer des Ostens. Vor allem Gurken wachsen hier ohne Ende und werden auf spezielle Weise eingelegt. Allmählich wandern auch sie gen Westen. Mehr mit Nostalgie – und Erinnerung an Urlaube in Bulgarien – hat dagegen Letscho zu tun, in Tomatensoße eingelegte Paprikaschoten.

Schokolade gehörte mangels Kakao nicht unbedingt zu den geschmacklichen Highlights der DDR. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Halloren-Kugeln gingen immer. Sie stammen, wie der Name sagt, aus Halle und sind dort seit über 200 Jahren bekannt. In der frühen DDR-Zeit als eine Art Praline für Arme kreiert, zeigten die Halloren-Kugeln nach der Wende ein neues Potenzial. Neben dem Klassiker mit schwarz-weißem Innenleben gibt es inzwischen verschiedenste Variationen.

Was alle diese Produkte verbindet, ist solide Qualität. Kürzlich hat sich die Zeitschrift „Öko-Test“ 27 Ostprodukten vorgenommen – 15 von ihnen wurden mit „sehr gut“ und sechs mit „gut“ bewertet.

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