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Omikron Unterform BA.2 überträgt sich leichter als Corona-Mutante – doch wieso?

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Von: Yannick Hanke

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Links ist ein positiver Corona-Schnelltest zu sehen. Daneben liegt eine medizinische Schutzmaske, darauf ein Schild mit der Aufschrift „Omikron Subtyp BA.2“.
Forscher haben herausgefunden, dass sich die Omikron-Unterform BA.2 schneller überträgt als die „Urform“ Omikron selbst. (kreiszeitung.de-Montage) © Felix Schlikis/Christian Ohde/imago

Erst war es nur die Corona-Variante Omikron, dann kam die Unterform BA.2. Und diese ist laut Forschern deutlich infektiöser als Omikron selbst.

Berlin – Als das Coronavirus im März 2020 auch in Deutschland das öffentliche Leben lahmlegte, hätte niemand gedacht, dass die Pandemie mehr als zwei Jahre später immer noch ein Thema ist. Seitdem wurden immer wieder neue Mutanten und Varianten entdeckt, allen voran Omikron. Die Corona-Variante verfügt wiederum über die Unterform BA.2, die für hohe Infektionszahlen sorgt. Doch woran liegt das genau? Dem Grund haben nun Forscher ermittelt.

Omikron: Unterform BA.2 überträgt sich leichter auf den Menschen als „Urform“ der Corona-Variante

Bereits bekannt war, dass sowohl Omikron BA.1 als auch die Unterform BA.2 vor allem die oberen Atemwege infizieren. Das sorgt zwar oftmals für mildere Krankheitsverläufe bei einer Omikron-Infektion*. Es hat jedoch auch zur Folge, dass die Viren letztendlich einen kürzeren Weg bis zum nächsten Wirt haben. Deshalb sind sie auch leichter übertragbar, als wenn sie sich „nur“ im tiefen Lungengewebe festsetzen.

Francois Balloux, Direktor des University College London Genetics Institute, verweist im Fachmagazin „Nature“ darauf, dass beide Linien von Omikron sehr unterschiedlich seien. Damit spielt Balloux darauf an, dass die Omikron-Unterform BA.2 weitere, spezielle Eigenschaften besitzen muss, die ihr nicht zuletzt gegenüber der „Urform“ von Omikron einen Vorteil verschaffen.

Omikron Unterform BA.2 mit erhöhter Viruslast im Nasen-Rachen-Trakt – dadurch steigt die Übertragbarkeit

Forscher vom Karolinska Institut in Schweden vermuten wiederum, dass „die bemerkenswert schnelle Verschiebung von Omikron BA.1 zu BA.2“ im Zeitraum von Januar bis März 2022 in Schweden mit Folgendem zu tun hat: einer deutlich höheren Virenlast im Nasen-Rachen-Raum. Die Studienergebnisse der Skandinavier wurden am Sonntag, 27. März 2022, auf dem preprint-Server medRxix veröffentlicht. Doch muss die wissenschaftliche Arbeit noch unabhängig begutachtet werden.

Die Forscher vom Karolinska Institut untersuchten knapp 175.000 Abstrichproben aus dem Nasen-Rachen-Bereich. Dabei stellten sie fest, dass bei einer Corona-Infektion mit der Omikron-Unterform BA.2, deren Risiko durch die jeweilige Blutgruppe erhöht wird, „fast zweifach höhere Konzentrationen viraler RNA“ vorlagen. Und nach Ansicht der Forscher könnte diese erhöhte Viruslast im Nasen-Rachen-Trakt immerhin „einen Teil der Erklärung liefern“, warum BA.2 letztendlich übertragbarer als BA.1 ist.

Omikron-Studie: Unterform BA.2 soll nicht virulenter sein als Corona-Variante selbst

Doch damit nicht genug der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Omikron-Unterform BA.2. Denn die Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency wies in einem am 23. März veröffentlichten Papier auf noch eine weitere Eigenschaft von BA.2 hin. Es heißt, dass sich die Omikron-Unterform besser an den ACE-2-Rezeptor binden könne. Dieser dient dem Virus quasi als Andockstelle auf der Zelloberfläche. Und das wiederum könnte die Übertragbarkeit verbessern.

Nur negative Nachrichten in Bezug auf die Omikron-Unterform BA.2 hat die UK Health Security Agency aber auch nicht zu verbreiten. Denn auf Basis von verschiedenen Erhebungen aus Großbritannien würde es bislang keine Evidenz darüber geben, dass BA.2 virulenter als BA.1 sei. Gemeint ist hiermit, dass die Omikron-Unterform nicht krankmachender sein soll als die „Urform“.

Zudem sei im Vereinigten Königreich kein Anstieg bei den Klinikaufenthalten wegen einer BA.2-Infektion im Vergleich zu BA.1 festzustellen. Indes haben Forscher aus München einen Zusammenhang zwischen starkem Pollenflug und dem Risiko einer Corona-Infektion im Allgemeinen hergestellt.

Boosterimpfung: Schutz von Spritze gegen Corona soll bei Omikron Unterform BA.2 nicht schneller nachlassen als bei BA.1

Die Studie der UK Health Security Agency liefert in Bezug auf beide Omikron-Linien wiederum noch weitere Erkenntnisse – vor allem mit Blick auf den Schutz der Boosterimpfung vor Krankheit und Hospitalisierung. Demnach soll der Schutz durch die Impfung gegen Corona soll bei BA.2 nicht schneller nachlassen, als es bei BA.1 der Fall ist.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen symptomatisches Covid-19 nach zweifacher Impfung soll nach 25 Wochen oder länger zwar weniger als 20 Prozent betragen. Doch soll eben jene Wirksamkeit zwei bis vier Wochen nach der Boosterimpfung, auf die noch eine vierte Impfung folgen könnte, wieder auf rund 70 Prozent ansteigen.

Boosterimpfung schützt nicht vor Omikron-Infektion – aber vor schweren Verläufen der Corona-Variante

Zudem soll der Schutz vor einer schweren Erkrankung nach einer Omikron-Infektion „mindestens sieben Monate lang“ bei 68 Prozent oder sogar mehr bleiben. Und das würde sogar für Menschen gelten, die nur zwei Impfdosen erhalten hatten. Der wichtigste Hinweis zeigt dabei aber nicht, wie gut die Boosterimpfung von der Omikron-Infektion selbst schützt.

Sondern vielmehr, dass die dritte Spritze vor schweren Erkrankungen schützt. Denn die Auffrischungsimpfung gegen Corona würde einen Schutz von mehr als 80 Prozent vor schweren Omikron-Verläufen bis hin zu Long Covid garantieren.

Corona-Impfstoffe bestehen „Herausforderung der Evolution“: Vakzine sollten nicht auf jeder Variante und Mutante angepasst sein

Das Vertrauen in die Corona-Impfstoffe wird durch den Gesundheitswissenschaftler Laith Abu-Raddad vom Weill Cornell Medical Collage New York gestärkt. Im bereits erwähnten Fachmagazin „Nature“ wird er wie folgt zitiert:

Die Impfstoffe funktionieren angesichts der Herausforderung der Evolution bemerkenswert gut.

Gesundheitswissenschaftler Laith Abu-Raddad spricht über die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe in Bezug auf die Omikron-Variante

Abu-Raddad gibt aber auch zu bedenken, dass er es wegen der hohen Mutationsfreudigkeit vom Coronavirus selbst nur wenig ratsam sei, zukünftig Impfstoffe gegen jede einzelne Variante zu entwickeln. Vielmehr sollte man sich auf universelle Vakzine konzentrieren. „Das wäre eine grundlegendere Lösung für die Zukunft“.

Einer Zukunft, in der vor allem Omikron und dessen Unterform BA.2 hoffentlich der dann abgeschlossenen Vergangenheit angehören. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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