"Die Mehrheit der Katholiken weint ihm keine Träne nach"

Augsburg - Das Bistum Augsburg hat das an den Papst gerichtete Rücktrittsgesuch von Bischof Walter Mixa bestätigt. Der Druck war zu groß. Mixa sagte alle öffentlichen Termine ab - und fährt in Urlaub.

Nach wochenlanger Kritik an seiner Person will der umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa mit seinem Rücktrittsangebot weiteren Schaden von der Kirche abwenden - die Zahl der Kirchenaustritte ist dem Augsburger Standesamt zufolge im April doppelt so hoch wie im April vergangenen Jahres. Nach einer Erklärung des Ordinariats sagte Mixa am Donnerstag, dass er mit seinem Schritt einen Neuanfang ermöglichen wolle. "Das war eine der schmerzlichsten Entscheidungen, die er je getroffen hat", erklärte sein enger Vertrauter, Generalvikar Karlheinz Knebel.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, würdigte das Rücktrittsangebot: “Dieser schwere Schritt verdient Respekt“, sagte Zollitsch am Donnerstag in Bonn. Er habe Mixa zusammen mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx zu bedenken gegeben, ob er nicht durch eine Zeit geistlicher Einkehr in der schwierigen Situation im Bistum Augsburg eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit schaffen und neue Kräfte sammeln könne. “Die jetzige Entscheidung von Bischof Mixa bedeutet einen Verlust für unsere Bischofskonferenz“, sagte Zollitsch.

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Auch der Augsburger Priesterrat reagierte mit Respekt auf Mixas Rücktrittsangebot: Es sei anzuerkennen, dass der Bischof weiteren Schaden von der Kirche abwenden wolle. Sobald der Papst dem Rücktrittsgesuch zugestimmt hat, wird das Domkapitel einen Diözesanadministrator wählen, der bis zur Neubesetzung des Bischofsamtes das Bistum leiten wird. In Kirchenkreisen gilt der Augsburger Weihbischof Anton Losinger als Kandidat für das Administratoren-Amt. Der müsse das erschütterte Vertrauen in die Kirchenoberen wieder herstellen, sagte der Vorsitzende des Diözesanrats Helmut Mangold. Denn die hohe Zahl an Kirchenaustritten zeige den Vertrauensverlust, der durch die Krise entstanden sei. "Das sind nicht nur die Watschn, die Mixa ausgeteilt hat, sondern die Missbrauchsfälle durch Priester insgesamt." Allerdings habe Mixa nicht nur Gegner: "Die Diözese ist in Fans und Gegner gespalten", erklärte Mangold. Durch Mixas Rücktritt kämen jetzt Enttäuschte dazu, die aus Mixa einen Märtyrer machen wollten.

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte den Schritt als “richtige Entscheidung“. Dies sei eine große Erleichterung für die Augsburger Diözese und auch für die Kirche insgesamt, sagte ZdK-Präsident Alois Glück der Nachrichtenagentur dpa. Trotzdem müssten die ungeklärten Sachverhalte dringend vollständig aufgeklärt werden.

Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, teilt diese Meinung: "Mixas Rücktritt darf nicht zum Anlass genommen werden, nun den Mantel des Schweigens über die Vorfälle zu werfen". Zudem könne Mixas Rücktritt zu einem umfassenden Neuanfang in der katholischen Kirche werden: "Die Zeit von selbstherrlichen und unangreifbaren Kirchenfürsten ist endgültig vorbei", erklärte Roth.

"Sein ganzer Führungsstil ist inakzeptabel"

Auch der Tübinger Theologe Bernd-Jochen Hilberath begrüßte Mixas Rücktritt: Es gehe nicht nur um die Ohrfeigen, sondern auch um die Art und Weise, wie der Bischof mit den Vorwürfen umgegangen sei, sagte der Professor für katholische Dogmatik an der Uni Tübingen im Deutschlandradio Kultur. Die überraschende Aufforderung der Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx an ihren Amtsbruder, eine Auszeit zu nehmen, habe gezeigt, wie uneinsichtig Mixa gewesen sei, meinte Hilberath. “Sein ganzer Führungsstil als Bischof ist eigentlich für mich mehr oder weniger inakzeptabel.“ Mixa sei nur für eine Minderheit in der katholischen Kirche eine Galionsfigur. “Aber die Mehrheit der Katholiken in Deutschland wird ihm keine Träne nachweinen.“

Die bayerische Staatsregierung hält sich mit Kommentaren zur Causa Mixa noch immer zurück: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte innerkirchliche Angelegenheiten nicht kommentieren. Der für die Kirchen zuständige Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte lediglich: "Die Entscheidung ist zu respektieren. Sie ist in gewisser Weise folgerichtig." Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wollte nicht Stellung beziehen, sondern kritisierte vielmehr die Wortmeldungen aus der Politik. So warf er der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth "unschönes Nachreden" vor: "Kein Politiker sollte sich hier zum Richter über die Kirche aufspielen."

Mixa sagte alle öffentlichen Termine ab. Er wird auch nicht wie geplant am Samstag beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Augsburger Diözesanrates den Festgottesdienst halten und ein Bischofswort sprechen. Wie der Generalvikar des Bistums Augsburg, Karlheinz Knebel, mitteilte, will Mixa am Donnerstag in Urlaub fahren, um so zeitlich und räumlich etwas Abstand zu gewinnen.

Mixa hatte vor kurzem eingestanden, Heimkinder in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in Oberbayern geschlagen zu haben, nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern “reinen Herzens“ bestritten hatte. Allerdings sprechen die Opfer in eidesstattlichen Versicherungen von brutalen Prügeln, während Mixa nur ein paar Ohrfeigen einräumte. Hinzu kommen Vorwürfe, Mixa habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975 bis 1996) nennenswerte Geldbeträge zum Schaden einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet. Dies wird derzeit von einem Sonderermittler und einer Münchner Anwaltskanzlei geprüft.

Der Papst wird dem Rücktritt vermutlich zustimmen

Mixa erneuerte am Donnerstag seine Entschuldigung. “Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung“, sagte der 68- Jährige nach Angaben des Ordinariats. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet. Es gilt als sicher, dass der Papst sein Rücktrittsgesuch annimmt. Im Vatikan gab es am Donnerstagmorgen noch keine Bestätigung.

dpa

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