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Notvorrat anlegen: Nach Faesers Rat – Zwei Drittel der Deutschen bleiben unvorbereitet

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Von: Mark Stoffers

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Bundesinnenministerin hatte Bürger aufgerufen, für den Ernstfall einen Notfallvorrat anzulegen. Eine Umfrage belegt, dass die Menschen nicht vorbereitet sind.

Berlin – Notvorräte anlegen? Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind laut einer neuen Studie weiterhin ungenügend für eine Notfallsituation ausgerüstet. Im Zuge des Ukraine-Kriegs, der Angst vor einer Energiekrise, dem möglichen Ölembargo gegen Russland und zunehmenden Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln befeuerte Nancy Faeser unlängst die Debatte um Notfallvorräte. Die Innenministerin riet dazu, einen Notvorrat anzulegen, was im Hinblick auf den Exportstopp Indiens bei Weizen, welchen Cem Özdemir scharf kritisierte, zunehmend nach keiner schlechten Idee klingt.

Doch scheinbar nehmen die Deutschen die Warnung der Bundesministerin des Inneren und für Heimat auch nach ihrem Interview im Handelsblatt wohl nicht allzu ernst. Denn nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov haben mehr als zwei Drittel der Deutschen bisher keine Vorbereitungen getroffen, einen Notvorrat anzulegen, um für einen Ernstfall gerüstet zu sein.

Notvorrat anlegen: Fast die Hälfte der Befragten hat bisher keine Notfallvorräte im Haus

Fast die Hälfte der mehr als 2.000 Befragten, 47 Prozent, erklärte, dass sie bisher keine speziellen Vorkehrungen getroffen haben, sich aber dennoch für Notfälle gewappnet fühlen, ohne Notfallvorräte angelegt zu haben. Weitere 22 Prozent der befragten Erwachsenen antworteten, dass sie bisher keine speziellen Vorkehrungen getroffen haben und sich auch nicht gewappnet fühlen.

Knapp 16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie etwa Notvorräte an Lebensmitteln und Medikamenten im Hause angelegt und im Hause hätten. Gleiches galt für Geräte zum Erzeugen oder Speichern von Strom. Acht Prozent der Teilnehmer der Umfrage erklärten, zwar spezielle persönliche Vorkehrungen für Notfälle getroffen zu haben, sich aber dennoch nicht ausreichend vorbereitet zu fühlen – trotz Notvorräten. Sechs Prozent der Befragten machten keine Angaben zur Thematik, ob sie Notfallvorräte angelegt hatten oder hatten keine Meinung zu dem Thema.

Notfallvorrat anlegen: Bundesministerin rät zu Notvorräten

Der Umfrage war eine entsprechende Empfehlung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser vorausgegangen, sich für mögliche Notfälle vorzubereiten, indem die Innenministerin riet, einen Notvorrat anzulegen. Etwa in Bezug auf mögliche Cyberattacken hatte sich Faeser in einem Interview mit dem Handelsblatt mit den folgenden Worten an Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gerichtet:

„Wenn tatsächlich mal länger der Strom ausfällt oder das tägliche Leben auf andere Art und Weise eingeschränkt wird, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, einen Notvorrat zu Hause zu haben.“ Die Bundesministerin Faeser verwies auf eine entsprechende Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Notfallvorrat: Was sollte bei der Auswahl beachtet werden – so kaufen sie genügend Vorräte pro Person

Was sollte man für den Ernstfall zu Hause haben, wenn man einen Notvorrat richtig angelegt hat? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat dafür Richtlinien vorgegeben, an die man sich beim Anlegen eines Notvorrates orientieren sollte.

Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs liegen auf einem Küchentisch in einem Privathaus. Als Lehre aus der Corona-Pandemie und der Flut rät Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul für den Katastrophenfall zu einem Notvorrat.
Eine Umfrage zeigt, dass sich bei Notfallvorräten ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger den Rat der Innenministerin nicht zu Herzen genommen haben. © Jens Büttner | dpa

Notvorrat anlegen: Diese Lebensmittel von der Liste der Notfallvorräte kaufen

Notvorrat anlegen? Mit diesen Lebensmitteln sollte man mindestens zehn Tage über die Runden kommen.

GetränkeWasser28 Liter (2 Liter pro Tag und Person)
Getreideprodukte\tInklusiveBrot und Kartoffeln\t4,9 Kilogramm
Brot und Kartoffeln\tBrot und Kartoffeln\t5,6 Kilogramm
Obst3,5 KilogrammKirschen im Glas und ähnliches\t
Fisch, Fleisch und EierThunfisch aus der Dose und ähnliches1,6 Kilogramm und 14 Eier
Fette, Öle\t\tSpeisöl und ähnliches0,3 Liter
Sonstiges:Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz und andere Standardgewürze. Fertiggerichte wie Dosenravioli, Fertigsuppen, Kartoffeltrockenprodukte wie Kartoffelbrei. Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen

Notvorrat anlegen: Abseits des Notfallvorrats auch an Dokumente denken

Darüber hinaus sollte man für den Katastrophenfall nicht nur einen Notvorrat anlegen, sondern auch immer die wichtigsten Dokumente in der Nähe haben. In der provisorischen Dokumentenmappe sollten sich, abseits des Notfallvorrats, die wichtigsten Papiere, Erste-Hilfe-Material, persönliche Medikamente, eine Wasserflasche, Lebensmittel für 2 Tage, eine Taschenlampe, Batterien, Powerbank, Schlafsack, Hygieneartikel und für Kinder einen Brustbeutel (mit Informationen zu Namen, Geburtstag, Adresse) befinden.

Ob – trotz der eindringlich Warnung aus der Politik – die Bürgerinnen und Bürger sich in den nächsten Tagen und Wochen einen Notfallvorrat anlegen werden, mag aufgrund der Ergebnisse der Umfrage allerdings bezweifelt werden.

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