Wetterdienst stellt Klimaatlas online

Offenbach - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zeigt mit einem neuen Onlineportal die Klimaveränderungen der vergangenen und kommenden Jahrzehnte auf.

In dem am Dienstag freigeschalteten “Deutschen Klimaatlas“ seien die Daten des DWD sowie Prognosen grafisch aufbereitet und vergleichbar, sagte der Leiter der Abteilung Klimaüberwachung, Klaus-Jürgen Schreiber, in Offenbach. Die Nutzer können Daten beispielsweise zu Temperatur, Regen und Vegetationsbeginn abrufen und mit Werten aus den vergangenen 130 Jahren abgleichen. Zudem sind in den Klimaatlas den Angaben zufolge 21 Prognosen renommierter Forschungsinstitute aus aller Welt eingeflossen, mit der wahrscheinliche Klimaveränderungen bis zum Ende des Jahrhunderts abzulesen sind.

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Schreiber sagte, das Angebot werde ständig aktualisiert und erweitert. “Wir haben noch jede Menge Papier, das noch digitalisiert werden muss“. Die Nutzer könnten allgemein auf Deutschland schauen oder auch die Entwicklung in einzelnen Regionen nachvollziehen. So sei zum Beispiel sichtbar, dass der Juli 2011 tatsächlich relativ kühl gewesen sei, aber ähnliche Werte am Anfang des vergangenen Jahrhunderts und in den 80er-Jahren häufiger gemessen worden seien.

Der DWD geht davon aus, dass unter anderem Stadtplaner oder Landwirte von dem Onlineangebot Gebrauch machen. Derzeit spielten beispielsweise Tropennächte, also Nächte mit einer Temperatur von mehr als 20 Grad, keine Rolle. Es sei aber abzusehen, dass in 50 Jahren die Zahl der Tropennächte deutlich ansteigen werde, was für einige Menschen Gesundheitsrisiken berge. “Die Stadtplaner von heute müssen sich um die nächtliche Abkühlung im Jahr 2090 bemühen“, sagte Schreiber.

Meteorologische Begriffe werden erklärt

Für Landwirte und Hobbygärtner ist nach Ansicht des DWD interessant, dass beispielsweise der Vegetationsbeginn immer früher im März einsetzen wird. Bauern können demnach Informationen zur Bodenfeuchte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten finden. Um das Onlineportal auch für Laien attraktiv zu machen, sind die teilweise komplizierten meteorologischen Begriffe und Einheiten erläutert.

Schreiber sagte, um die Daten möglichst aussagekräftig zu machen, seien jeweils Mittelwerte aus 30 Jahren gezogen worden. Wer also wissen will, ob der Frühling 2011 überdurchschnittlich warm war, erhält zum Vergleich beispielsweise den Durchschnittswert aus den Jahren 1961 bis 1990.

Klima wird wärmer

 Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sagte, das Onlineportal des DWD sei ein in Deutschland bisher einzigartiges Angebot. “Damit wird der Klimawandel ein Stück greifbarer und schafft Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Energieressourcen“, sagte der CSU-Politiker. Schreiber betonte, mit dem Portal könne nicht das Klima in 100 Jahren vorausgesagt werden. Die 21 Simulationen der Forschungseinrichtungen und Wetterinstitute wichen in einigen Fragen teilweise auch deutlich voneinander ab. Eins sei aber bei fast allen Vorhersagen identisch: “Die Temperaturen gehen langsam aber sicher nach oben“, sagte der DWD-Experte.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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