Deutschland: Hintergründe zum neuen Geburtentief

Frankfurt - 2009 erreicht die Bundesrepublik mit der niedrigsten Geburtenzahl seit dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Negativrekord. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat darauf ihre eigene Antwort.

Nach vorläufigen Ergebnissen kamen 2009 rund 651.000 Jungen und Mädchen lebend zur Welt, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Das waren so wenige wie noch nie und noch einmal rund 30.000 oder 3,6 Prozent weniger als 2008.

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2009 weniger Kinder geboren

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder machte die gesunkene Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter für den Geburtenrückgang verantwortlich. Allein in den vergangenen vier Jahren ging die Zahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren um eine halbe Million zurück, wie die CDU-Politikerin erklärte. Positiv sei aber, dass die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau weitgehend stabil geblieben sei. Die derzeitige Quote von durchschnittlich 1,38 Kindern pro Frau ist allerdings nach einer Aufstellung des Max-Instituts für demografische Forschung in Rostock im internationalen Vergleich immer noch sehr niedrig. Und vor allem haben viele Staaten, die in der Vergangenheit ähnlich lagen, inzwischen deutlich aufgeholt.

“Ausnahmen sind Österreich und Westdeutschland“, heißt es in einer Studie des Instituts. In Australien, Frankreich, Norwegen und Großbritannien bringt eine Frau sogar durchschnittlich zwei Kinder zur Welt und damit so viele wie zur Bestandserhaltung der Bevölkerungszahl notwendig ist. Ähnlich niedrig wie in Deutschland ist nach diesen Angaben allerdings auch die Quote in Japan, und das, obwohl die “japanische Regierung zwei Jahrzehnte lang verschiedenste Anreizmodelle zur Steigerung der Geburtenrate ausprobiert - bislang ohne Erfolg“, wie die Bevölkerungsexperten schreiben.

Schröder will Kleinkindbetreuung weiter ausbauen

Familienministerin Schröder bekannte sich am Montag gleichwohl zum weiteren Ausbau der Kleinkindbetreuung und betonte: “Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird kommen. Das Geld ist gut angelegt.“ Woher das Geld allerdings kommen soll, scheint fraglich. Nach Einschätzung des Deutschen Städtetags droht die Kinderbetreuung für unter Dreijährige an fehlenden Milliardenbeträgen zu scheitern. Die Finanznot der öffentlichen Haushalte und der gestiegene Betreuungsbedarf gefährdeten den ab 2013 vom Staat versprochenen Rechtsanspruch, erklärte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus. Die bislang niedrigste Geburtenzahl in Deutschland hatte es 2006 mit 672.724 gegeben. Mit der Einführung des Elterngelds 2007 hatte es mit 684.862 nur einen vorübergehend einen leichten Anstieg gegeben. Seitdem war sie wieder gesunken. Die bislang höchste Geburtenzahl seit dem Zweiten Weltkrieg wurde in ganz Deutschland 1964 mit 1.357.304 registriert.

Überschuss der Sterbefälle auf zweithöchstem Stand

Bei einer nahezu gleichgebliebenen Zahl von Sterbefällen (rund 842.000 entsprechend minus 0,2 Prozent gegenüber 2008) sank der Saldo zwischen Geborenen und Gestorbenen auf minus 190.000 und damit den zweitniedrigsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Nur 1975 starben mit einem Saldo von minus 207.339 noch mehr Menschen in Deutschland als geboren wurden. 2008 hatte das Verhältnis noch minus 161.925 betragen. Zum letzten Mal im Plus war das Verhältnis im Jahr 1971 mit einem Überschuss von damals 47.773 gewesen. Die Zahl der Hochzeiten verharrte auf sehr niedrigem Niveau. Nach vorläufigen Berechnungen gab es 376.000 Eheschließungen, im Jahr zuvor war man zunächst von 375.000 ausgegangen. Tatsächlich waren es dann 377.055 gewesen. Das waren in etwa halb so viele wie im bisherigen Hochzeitsboomjahr 1950, als 750.452 Paare sich das Jawort gegeben hatten.

DAPD

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