Neue Leitlinien gegen Missbrauch

Trier - Strengere Regeln bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche: Die Deutsche Bischofskonferenz hat nach den Skandalen der vergangenen Monate ihre Leitlinien verschärft.

Künftig müssen in praktisch jedem Fall die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden. Das gelte dann, wenn weitere mutmaßliche Opfer ein Interesse an der Verfolgung haben könnten, sagte der Beauftragte der Bischofskonferenz für die Missbrauchsfälle, Stephan Ackermann, am Dienstag in Trier. Die Pflicht zur Weiterleitung entfällt demnach nur, wenn dies das mutmaßliche Opfers ausdrücklich wünscht und der Verzicht auf eine Mitteilung rechtlich zulässig ist. Die Frage, ob bei jedem Verdachtsfall grundsätzlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss, auch wenn es das Opfer nicht wünscht, zählte zu den umstrittenen Punkten unter den Bischöfen.

Beauftragter darf nicht von Bistumsleitung kommen

Neben der Präzisierung der Anzeigenpflicht enthalten die Leitlinien auch weitgehendere Regelungen zur Auswahl der Beauftragten, die mit der Aufarbeitung betraut werden: “Um mögliche Opfer zu ermutigen, sich zu melden, soll das Angebot möglichst niedrigschwellig gehalten werden“, betonte Ackermann. Dazu gehöre, dass der Beauftragte nicht zur Leitung des Bistums gehören solle. Würden mehrere Personen beauftragt, solle mindestens einer von ihnen nicht zur Leitung des Bistums gehören. Außerdem solle zur Beratung in Fragen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch ein ständiger Beraterstab mit unterschiedlichen Experten eingerichtet werden.

Außerdem ist in den überarbeitenden Leitlinien auch das Thema Prävention enthalten. So müssten Menschen, die haupt- oder nebenberuflich in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden sollten, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sagte Ackermann. “Die schrecklichen Erkenntnisse und Erfahrungen der vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass die Leitlinien von 2002 nicht in allen Punkten präzise genug waren.“ Deshalb seien diese noch einmal einer kritischen Prüfung unterzogen und verschärft worden.

ZdK begrüßt Verschärfung

Die Bischofskonferenz hatte im Februar beschlossen, ihre Leitlinien aus dem Jahr 2002 zu überarbeiten. Die neuen Grundsätze sollen am (morgigen) Mittwoch für drei Jahre in Kraft treten. Danach sollen sie überprüft werden. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte, dass die neuen Leitlinien grundsätzlich das Bemühen erkennen ließen, aus den Schwächen der alten Grundsätze die richtigen Lehren zu zeihen. Es werde jedoch nicht ganz deutlich, wie in kirchlichen Institutionen künftig mit den Fällen umgegangen werden solle, in denen das mutmaßliche Opfer der Einschaltung der Staatsanwaltschaft ausdrücklich widerspreche.

Außerdem bleibe unklar, ob kirchliche Voruntersuchungen künftig ausgesetzt werden sollten, um staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nicht zu behindern, kritisierte sie. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, begrüßte dagegen die überarbeiteten Leitlinien. “Die verschärften Richtlinien machen deutlich, dass die Opfer an erste Stelle stehen und es keinen falsch verstandenen Schutz der Institution Kirche gibt“, sagte er. Die Bischofskonferenz setze ein klares Signal gegen “Vertuschung und Verschleierung“.

DAPD

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