Neonazi-Mordserie: Ex-NPD-Funktionär in U-Haft

Karlsruhe - Im Fall der Neonazi-Mordserie ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 36-Jährigen EX-NPD-Funktionär vor, den NSU unterstützt zu haben.

Ein weiterer mutmaßlicher Helfer der Neonazi-Terrorgruppe NSU sitzt im Gefängnis. Am Dienstag wurde in Jena der 36-jährige frühere NPD-Spitzenfunktionär Ralf W. verhaftet. Damit ergibt sich erstmals eine direkte Verbindung zwischen der rechtsextremen Partei und der Zwickauer Terrorzelle.

Am Nachmittag ordnete der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) an, den Rechtsextremisten in Untersuchungshaft zu nehmen. Die Bundesanwaltschaft hält W. für dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord der NSU-Terrorzelle geleistet zu haben.

W. ist einer der bekanntesten Neonazis in Thüringen. Er trat erstmals Mitte der 90er in Erscheinung, machte Karriere in der NPD und war zeitweise stellvertretender NPD-Landeschef in Thüringen. Zudem war der Informatiker einer der führenden Köpfe des “Thüringer Heimatschutzes“. Diesem Zusammenschluss hatten auch die 1998 abgetauchten NSU-Rechtsterroristen Beate Z., Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos angehört.

Das ist die rechte Terrorzelle

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, stand W. bereits in den 1990er Jahren “in enger Verbindung“ zu Böhnhardt, Mundlos und Z. und soll sie bei ihrer Flucht 1998 und später finanziell unterstützt haben. Zudem vermittelte er den Ermittlungen zufolge den Kontakt zwischen den Untergetauchten und dem inzwischen inhaftierten Holger G., der ihnen Geld und Ausweisdokumente überließ. Der 37-jährige Holger G. war am 13. November bei Hannover wegen Verdachts der Unterstützung der terroristischen Vereinigung festgenommen worden.

Die Bundesanwaltschaft hält W. für einen eingeweihten Mitwisser der Terrorzelle. “Aufgrund seiner anhaltenden Verbindung zu der unter falscher Identität lebenden Gruppe wusste er von ihren terroristischen Straftaten“, erklärten die Ermittler. Er sei zudem dringend verdächtig, dem NSU 2001 oder 2002 eine Schusswaffe samt Munition verschafft zu haben. Dabei nahm der Beschuldigte laut Anklagebehörde “billigend in Kauf, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte“.

DVD des Sadismus: Bilder aus dem Video der NSU

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Erst am Donnerstag war der mutmaßliche Terrorhelfer Andre E. festgenommen worden. Der 32-Jährige aus Sachsen soll das menschenverachtende Propaganda-Video hergestellt haben, in dem sich die NSU zu neun Morden an ausländischen Kleinunternehmern und den Mordanschlägen auf zwei Polizisten in Heilbronn bekennt. Außerdem soll Andre E. im Mai 2009 zwei NSU-Mitgliedern ermöglicht haben, auf ihn und seine Ehefrau ausgestellte Bahncards zu nutzen. Andre E. soll seit 2003 “in engem Kontakt“ zur NSU gestanden haben.

Nach den bisherigen Erkenntnissen bildeten die am 4. November tot aufgefundenen Böhnhardt und Mundlos gemeinsam mit der inhaftierten Z. seit 1998 den NSU.

Die Gruppierung soll bundesweit für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis 2006, den Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn vom April 2007 und zwei Bombenanschläge in Köln von 2001 und 2004 verantwortlich sein. “Zweck“ der Terrorgruppe sei es gewesen, aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten, so die Bundesanwaltschaft.

dpa/dapd

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