Nach Urteil: Michelles Eltern fordern härtere Strafe

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Das Leipziger Landgericht hatte den zur Tatzeit 18-jährigen Daniel V. am Freitag zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Leipzig - Neun Jahre und sechs Monate Gefängnis für den Mörder der kleinen Michelle. Diese Strafe ist für die Eltern des Mädchens zu wenig. Sie fordern „die volle Härte des Gesetzes“.

Nach der Verurteilung des Mörders der kleinen Michelle aus Leipzig zu neun Jahren und sechs Monaten Gefängnis haben die Eltern des Opfers eine härtere Strafe gefordert. “Wir finden, dass jemand der einem anderen Menschen auf so eine Art das Leben nimmt, mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden und lebenslänglich weggesperrt werden sollte“, werden sie von der “Bild am Sonntag“ zitiert. Das Leipziger Landgericht hatte den zur Tatzeit 18-jährigen Daniel V. am Freitag zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt und war damit ein halbes Jahr unter der Höchststrafe nach Jugendstrafrecht geblieben.

Die Strafkammer sprach von einem grausamen und fürchterlichen Verbrechen: Daniel V. hatte das achtjährige Mädchen im August 2008 vergewaltigt, brutal misshandelt und erwürgt. Der Angeklagte, ein ehemaliger Nachbar von Michelles Familie, wurde wegen Mordes, schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung verurteilt und trotz Defiziten in der körperlichen und geistigen Entwicklung als voll schuldfähig eingestuft.

Richter sichtlich bewegt

Sichtlich bewegt schilderte der Vorsitzende Richter Nobert Göbel das Ergebnis der Beweisaufnahme. Es laufe ihm “eiskalt den Rücken herunter“, wenn er sich auszumalen versuche, was V. dem arglosen Mädchen angetan habe. Der Täter habe von Anfang an vorgehabt, das Mädchen umzubringen, sagte Göbel. “Das Leben von Michelle war ihm gleichgültig.“ Daniel V. hatte gestanden, dass er das Mädchen tagelang beobachtet und dabei sexuelle Fantasien gehabt habe.

Am 18. August 2008 lockte er Michelle von der Straße unter einem Vorwand in seine Wohnung. Als er sie zu knebeln versuchte, wollte sie fliehen. Doch er wurde äußerst aggressiv und schlug brutal auf sie ein. Er flößte ihr Alkohol ein - später wurden 0,8 Promille gemessen - und verging sich an ihr. Danach erwürgte er das Kind. Drei Tage später warf er die Leiche in einen Teich. Sieben Monate später, im März, stellte er sich der Polizei, als Kripo-Beamte ihn aufsuchen und eine Speichelprobe zur DNA-Feststellung nehmen wollten. Erst bekannte er sich zur Beseitigung der Leiche, später gab er auch den Mord zu.

“Noch nie eine so massive Gewalt erlebt“

Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller hatte zehn Jahre nach Jugendstrafrecht gefordert. In seiner jahrelangen Praxis als Staatsanwalt habe er noch nie eine so massive Gewalt gegenüber einem Opfer erlebt, sagte er. Daniel V. habe seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen. Nach Ansicht Müllers hatte er nicht von Anfang an geplant, das Mädchen zu töten. Aus Wut und Rache darüber, dass er seine Pläne nicht vollständig habe umsetzen können, habe er sich dann jedoch dazu entschlossen.

Verteidiger Malte Heise beantragte achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Er verwies auf das psychiatrische Gutachten, das dem 19-Jährigen eine Entwicklungsstörung pathologischen Ausmaßes bescheinigt. Er sei ein Einzelgänger, Außenseiter und Muttersöhnchen, der zwar äußerlich stets gut versorgt, innerlich aber immer allein gelassen worden sei. Der Anwalt von Michelles Familie schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und verlangte einen Vorbehalt der nachträglichen Sicherungsverwahrung im Urteil.

Die Eltern sagten laut “BamS“, die Vorstellung, dass der Täter irgendwann entlassen wird und möglicherweise wieder zuschlägt, mache ihnen Angst: “Der Albtraum will einfach nicht enden.“

AP

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