Nach Urteil: Marco kämpft um seine Ehre

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Marco (19) aus Uelzen

Uelzen/Antalya - Marco W. ist schuldig - das hat zumindest die türkische Justiz entschieden. Der 19-Jährige aus Uelzen kämpft nun darum, sich vom Urteil „sexueller Missbrauch“ zu befreien.

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Nach dem Schuldspruch für Marco im türkischen Antalya herrscht bei dem 19-Jährigen, seiner Familie und seinen Anwälten Katerstimmung. Mit der Bewährungsstrafe von zwei Jahren und gut zwei Monaten für den sexuellen Missbrauch der damals 13-jährigen Britin Charlotte im Türkeiurlaub 2007 ist für sie am Mittwoch nur der erste Abschnitt eines bereits mehr als zwei Jahre andauernden Gerichtsmarathons zu Ende gegangen. Der längste Weg könnte noch bevorstehen: In welchem Zeitraum der türkische Kassationshof in Ankara, die zweite und letzte Instanz in türkischen Strafverfahren, über die von beiden Seiten angekündigte Revision entscheiden wird, steht in den Sternen - die türkische Justiz ist chronisch überlastet.

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Die Gerichte seien derart beansprucht, dass es im Durchschnitt zwei Jahre bis zu einem Urteil dauert, teilte das Justizministerium in Ankara mit. Ein Richter habe bis zu 1000 Verfahren zu bearbeiten. Für zusätzliche Arbeit sorge ein Gesetz von 2008, nach dem die Verfahren aller Urteile mit Strafmaßen von weniger als zwei Jahren überprüft werden müssen, erklärte die Freiburger Türkei-Rechtsexpertin Silvia Tellenbach. Betroffen seien mehrere tausend Verfahren.

Marcos Eltern wollen in Revision gehen

Trotzdem haben Marcos Eltern und seine Anwälte keine Sekunde einen Zweifel daran gelassen, in Revision gehen zu wollen. Es geht ihnen um die Ehre ihres Sohnes. Und die ließe sich nur mit einem Freispruch wiederherstellen. Schließlich hatte der damals 17-jährige Marco stets beteuert, im Einvernehmen Zärtlichkeiten mit Charlotte ausgetauscht zu haben. Zudem habe sich das Mädchen als 15-Jährige ausgegeben. Mit dem Schriftsatz des Antalya-Urteils rechnet Marcos deutscher Anwalt Jürgen Schmidt erst in zwei bis drei Wochen. Um Fristen zu wahren, werde die Berufung aber umgehend eingereicht, sagte Schmidt. “Die Begründung kommt später.“

Es wäre ein Leichtes, die türkische Entscheidung zu den Akten zu legen. Zum einen wird der Kassationshof nur nach möglichen Verfahrensfehlern suchen und sich gar nicht für die Beweisaufnahme für Schuld oder Unschuld interessieren. Zum anderen ist Marco mit dem Urteil in Deutschland weder vorbestraft, noch hat er weitere juristische Konsequenzen zu befürchten. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hatte das Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs gegen Marco bereits im Mai 2009 eingestellt.

“Es bleibt bei der Entscheidung“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Angelika Klee am Donnerstag. “Das Urteil ist für uns kein Anlass, in neue Ermittlungen einzusteigen.“ Auch mit eventuellen Bewährungsauflagen oder einem möglichen Einreiseverbot in die Türkei - die erst der Urteilsbegründung des Gerichts entnommen werden können - hätte die deutsche Justiz nichts zu tun.

Harte Probe für Deutsch-Türkisches-Verhältnis

Das Schicksal des Jugendlichen hatte die deutsch-türkischen Beziehungen auf eine harte Probe gestellt: Politiker aus allen Lagern von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bis hin zu Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) traten für Marco ein. Die Türkei reagierte verärgert über die Parteinahme. Doch nachdem Marco im Dezember 2007 nach achtmonatiger Untersuchungshaft ausreisen durfte und ein Jahr später seine Erinnerungen an den türkischen “Höllenknast“ in einem Buch veröffentlicht hatte, flaute das öffentliche Interesse an dem Fall ab.

Zu unüberschaubar waren die ewigen Vertagungen und juristischen Winkelzüge geworden. In Großbritannien lauerten die Paparazzi der Yellow-Press Charlotte ohnehin schon lange nicht mehr auf. Und auch Reporter türkischer Medien waren am Mittwoch auf dem Gerichtsflur in Antalya rar gesät.

dpa

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