Nach S-Bahn-Mord: Merkel und Steinmeier würdigen Mut des Opfers

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Mit einem ökumenischen Gottesdienst wollen die katholische und die evangelische Kirche in München -Solln am Mittwochabend an den tödlichen Angriff erinnern

München - Drei Tage nach dem Münchener S-Bahn-Mord haben Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) und SPD -Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier den Mut des Geschäftsmanns Dominik Brunner gewürdigt.

Der 50-Jährige hatte am Samstag vier von Jugendlichen bedrohten Kindern geholfen und dies mit dem Leben bezahlt. Brunner habe mit seinem beherzten Verhalten einen “Maßstab für Zivilcourage und Mut“ gesetzt, betonte Merkel am Dienstag in Leipzig . Steinmeier sagte in der ARD : “Dieser Mann ist ein wirklicher Held. Er hat Courage gezeigt, das ist vorbildhaft.“

Merkel rief in Leipzig auf ihrer eintägigen Wahlkampftour durch Deutschland alle Bürger zu Zivilcourage auf. Die Kanzlerin bezeichnete die Tat als feigen Anschlag. “Wir sind jetzt aufgefordert, einen Menschen zu ermutigen, der Zivilcourage zeigen möchte, dass er auf diesem Weg keine Angst bekommt.“ Dies könne man auch sicherstellen, indem die Präsenz der Polizei erhöht und verstärkt vom Mittel der Videoüberwachung Gebrauch gemacht werde.

Auch Steinmeier verlangte in einem Interview mit mehreren ARD - Hörfunksendern mehr Polizeipräsenz in Bahnhöfen. “Wir werden solche Vorfälle nur verhindern können, wenn wir mehr Polizei oder anderes Sicherheitspersonal in den Bahnhöfen haben, die zur Hilfe kommen können.“ Schärfere Gesetze, wie dies unter anderem die CSU verlangt, lehnte Steinmeier ab. Er sprach sich dafür aus, “das Strafmaß, das wir haben, mit der vollen Härte des Gesetzes“ anzuwenden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ( CSU ) und sein niedersächsischer Amtskollege Uwe Schünemann ( CDU ) plädierten ebenfalls für mehr Videoüberwachung. Mit bewegenden Traueranzeigen nahmen Angehörige, Freunde und Kollegen unterdessen von Brunner Abschied.

Okumenischer Gottesdienst für das Opfer

Mit einem ökumenischen Gottesdienst wollen die katholische und die evangelische Kirche in München -Solln am Mittwochabend an den tödlichen Angriff erinnern. Die Andacht soll dazu ermutigen, auch künftig mit Zivilcourage für den Schutz anderer Menschen einzustehen, teilte das Erzbischöfliche Ordinariat in München mit. Auch für die Täter, die schwere Schuld auf sich geladen hätten, solle gebetet werden. In München sollen zum Zeitpunkt der Beerdigung des 50- Jährigen, deren Termin noch nicht feststeht, Busse und Bahnen für eine Gedenkminute stillstehen.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, und der frühere Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Carl-Dieter Spranger ( CSU ), riefen Bundespräsident Horst Köhler in der “Bild“-Zeitung und auf “bild.de“ auf, Brunner posthum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. “Wenn nicht ihm, wem dann?“, sagte Wendt.

Die beiden mutmaßlichen 17 und 18 Jahre alten Haupttäter sitzen unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Sie hatten Auseinandersetzungen eingeräumt, aber keine Angaben zu der Tat selbst gemacht. Der Anwalt des 18-Jährigen, Gregor Rose, sagte am Dienstag , sein Mandant bedaure das Geschehen. “Es tut ihm wirklich leid. Er hat einen Blackout gehabt.“ Ein dritter 17-Jähriger wurde wegen versuchter räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verhaftet. Er hatte als erster Geld von den Kindern verlangt und auch zugeschlagen, war aber bei der Tötung nicht dabei. Er hat seine Taten weitgehend eingeräumt. Alle drei waren vorbestraft und hatten weder abgeschlossene Ausbildung noch Job.

Der Deutsche Richterbund (DRB) und die Stiftung Kriminalprävention bezeichneten die von der CSU angestoßene Debatte für härtere Strafen als überflüssig und unsinnig. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ( SPD ) wandte sich erneut gegen schärfere Gesetze. Ein Jugendlicher überlege doch nicht vor einer Tat, welche Höchststrafe ihm drohe, argumentierte Zypries in der “Süddeutschen Zeitung“ und im “Münchner Merkur“. Dagegen hatten Herrmann und Bayerns Justizministerin Beate Merk ( CSU ) eine Verschärfung des Jugendstrafrechts gefordert.

dpa

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