Nach Briefkastenbombe: Prozess gegen Charlyns Onkel

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Der mumaßliche Briefbomber Peter J. sitzt im Landgericht Berlin auf der Anklagebank.

Berlin (dpa) - Rund neun Monate nach dem Anschlag mit einer Briefkastenbombe auf die Berliner Schülerin Charlyn hat am Mittwoch der Prozess gegen ihren Onkel am Berliner Landgericht begonnen.

Der mutmaßliche Briefbomber sagte vor dem Berliner Landgericht, er habe seine Nichte nicht verletzen wollen. “Sie war die Einzige in der Familie, die ich mochte. Es tut mir leid.“ Vielmehr habe er mit seinem selbstgebauten Sprengsatz seinen Schwager, den Vater von Charlyn treffen wollen, sagte der 33-jährige Berliner in einer mehrstündigen Erklärung. Es sei aber nicht sein Ziel gewesen, zu töten.

Ein psychiatrischer Gutachter saß mit im Gerichtssaal. Die Anklage wirft dem arbeitslosen Mann versuchten Mord aus Rache vor. Die heute 13-jährige Charlyn war beim Öffnen des Briefkastens verletzt worden, in dem der Umschlag mit fünf Metallrohren lag. Ihr Arm konnte nur mit mehreren komplizierten Operationen gerettet werden. Sie war mehrere Monate im Krankenhaus. Ein Sprengsatz in einer Bohnendose war am selben Tag auf den Wagen von Charlyns Vater gestellt worden. Dass der Sprengsatz nicht hochging, sei nur ein glücklicher Umstand gewesen, sagte Staatsanwalt Jörg Wetzel.

Der Angeklagte habe die verhasste Familie - seine Stiefschwester und deren Mann, verstümmeln wollen. Er habe sie für einen Einbruch in seine Wohnung verantwortlich gemacht.

„Ich war in einer komischen Verfassung“

Charlyn und ihr Vater, die in dem Prozess Nebenkläger sind, kamen nicht zu der Verhandlung. Der operierte Arm des Mädchens sei nicht wieder voll bewegungs- und funktionsfähig, so die Staatsanwaltschaft.

Der mutmaßliche Bombenleger war nach zehn Tagen bundesweiter Fahndung gefasst worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Zunächst sichtlich nervös, sprach der schmächtige Angeklagte in langen Monologen, die stellenweise unklar waren. Er beschrieb sich immer wieder selbst mit Sätzen wie “Ich war in einer komischen Verfassung“ oder “Ich hab allgemein keine Minderwertigkeitskomplexe“, stützte den Kopf mit der rechten Hand, unterbrach sich wieder und fragte die Richterin: “Wo war ich gerade?“

Nach seiner Version hat ihn die Polizei nach dem Einbruch nur abgewimmelt. Er habe mit der Detonation Ermittlungen erzwingen und ein Zeichen setzen wollen. “Es hat sich so in meinem Kopf festgesetzt.“ Die Hand seines Schwagers, die bei dem Einbruch “dabei gewesen“ sei, sollte stark verletzt werden. “Eine richtige Familie waren wir ja nie“, sagte der 33-Jährige. Er habe sich auch verfolgt gefühlt und einige Zeit nur im Auto geschlafen.

Als seine Pflegemutter an Krebs starb, habe er nicht getrauert. Schon vor dem Anschlag mit der Briefbombe hatte er Sprengsätze mit Pulver von Wunderkerzen und aus Polen-Böllern gebaut und sie in brandenburgischen Wäldern ausprobiert.

dpa

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