Mutmaßliche Menschenhändler-Bande schweigt

Stuttgart - Die Mitglieder einer mutmaßlichen Menschenhändler-Bande haben beim Prozessauftakt am Freitag vor dem Stuttgarter Landgericht geschwiegen.

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Nach der gut zweistündigen Verlesung der Anklageschrift entschieden sich am Mittag die beiden 34 und 36 Jahre alten Hauptbeschuldigten, keine Angaben zu den Vorwürfen zu machen. Sie sollen seit 2004 mehr als 20 Frauen aus Rumänien nach Deutschland geschleust haben und hier zur Prostitution gezwungen haben.

Einige der Frauen, darunter mehrere Minderjährige, haben auch in den als “Flatrate“-Bordellen bekanntgewordenen “Pussy-Clubs“ gearbeitet, von denen zwei in Fellbach und in Heidelberg standen. Dort konnten Freier zu einem Festpreis mit so vielen Frauen schlafen, wie sie wollten.

Die beiden Männer gelten als Drahtzieher der rumänischen Zuhälterbande und sollen die Strukturen für den Menschenhandel geschaffen haben. Etwa von 2004 an sollen sie nicht mehr nur Frauen für eigene Bordelle eingeschleust haben, sondern sie auch an andere Clubs abgegeben haben. Die beiden haben nach Überzeugung der Ankläger zudem rund 2,7 Millionen Euro Sozialabgaben nicht bezahlt. Es sei den Tätern vor allem um maximalen und dauerhaften Profit gegangen, erklärte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung. Den Männern drohen mehrjährige Haftstrafen.

dpa

Hintergrund: Flatrate-Bordelle und Prostitutionsgesetz

Seit einer bundesweiten Bordell-Razzia im Sommer 2009 diskutiert die Politik über die “Flatrate“-Puffs, in denen Freier zu einem Festpreis mit so vielen Frauen schlafen konnten, wie sie wollten. Die “Pussy-Clubs“, die die Debatte ausgelöst haben, arbeiten inzwischen nach anderen Preismodellen, aber trotzdem will der Gesetzgeber neue Regeln für die Prostitution festlegen.

Im Bundesrat wurden Ende Februar unter anderem auch von Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) neue Regeln für Bordelle angestoßen. Sie sehen ein Verbot der Flatrate-Preise vor. Zudem soll jede Prostituierte künftig gemeldet werden und eine Erlaubnis für ihre Tätigkeit beantragen müssen. Auch eine Kondompflicht ist vorgesehen. Nur mit engerer Kontrolle könnten Menschenhandel und Zwangsprostitution verhindert werden, erklärte die Ministerin.

Prostituiertenverbände wie der Verein Dona Carmen aus Frankfurt sehen das anders. Sie fürchten, dass das neue Gesetz zu größerer Willkür der Polizei führt, ohne die Rechte der Frauen zu verbessern. Stattdessen solle Prostitution als reguläre Arbeit behandelt werden, die statt unter das Strafrecht unter das Arbeitsrecht fällt. Dadurch würde das Stigma der Prostituierten wegfallen und sie würden sich eher trauen, gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen vorzugehen, heißt.

dpa

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