Mordprozess: Messerattacke war Minutensache

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Der Angeklagte Alex W. kam vermummt in den Gerichtssaal.

Dresden - Binnen Minuten war das Leben seiner schwangeren Frau beendet und seines zerstört. Klar und gefasst schildert der Ehemann der am 1. Juni in Dresden ermordeten Ägypterin die Tat.

Der Angriff auf die im Dresdner Landgericht getötete Ägypterin Marwa El-Sherbini war nach Aussage ihres Ehemannes eine Sache von Minuten. Elwy Ali Okaz, der bei der Messerattacke am 1. Juli lebensgefährlich verletzt worden war, schilderte am Montag zu Prozessbeginn das Geschehen klar und gefasst in arabischer Sprache.

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Das Paar habe zusammen mit dem dreijährigen Sohn gerade den Gerichtssaal verlassen wollen, als es vom Angeklagten Alex W. angegriffen wurde, sagte der 32-Jährige. Zunächst sei seine schwangere Frau geschlagen und geschubst worden. Als er sie verteidigen wollte, sei auch er vom Täter geschlagen worden. Als er bemerkt habe, dass der Angreifer ein Messer hatte, habe er es ihm wegnehmen wollen. In diesem Moment seien “Leute“ in den Saal gekommen, es sei ein Schuss gefallen, kurz danach habe er das Bewusstsein verloren.

Er habe er kein gutes Gefühl mehr für eine Zukunft in der Stadt Dresden, sagte der Witwer der ermordeten Ägypterin.

Elwy Ali Okaz berichtigte in einem Punkt bisherige Angaben der Staatsanwaltschaft. Seine Frau habe Alex W. nicht angezeigt, nachdem dieser sie 2008 auf einem Spielplatz unter anderem als “Islamistin“ und “Terroristin“ bezeichnet hatte. “Sie selbst hat ihn nicht angezeigt, wir haben von unserer Seite keine Schritte unternommen“, sagte er. Offensichtlich wurde von Amts wegen ermittelt, denn die Frau hatte damals die Polizei gerufen. Elwy Ali Okaz hatte im Sommer am Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik seine Doktorarbeit geschrieben. Nach allem, was passiert sei, habe er kein gutes Gefühl mehr für eine Zukunft in der Stadt, sagte der Witwer. 

Ausländerbeauftragte Böhmer ruft zu Besonnenheit auf

Die Ausländerbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), hat dazu aufgerufen, das Verfahren um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini mit Ruhe und Besonnenheit zu verfolgen. “Die schreckliche Tat hat in Deutschland und Ägypten sowie in weiten Teilen der arabischen Welt Trauer und Entsetzen ausgelöst.

Millionen Menschen verfolgen den Prozess mit großer Aufmerksamkeit“, erklärte sie am 26. Oktober laut einer Mitteilung in Berlin. Umso wichtiger sei es jetzt, auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz zu vertrauen und diese zu respektieren. “Auch mich hat die Mordtat fassungslos gemacht. Sie hat gezeigt: Wir müssen tagtäglich mit ganzer Kraft für ein friedliches Zusammenleben und gegen Gewalt und Rassismus eintreten“, sagte Böhmer und versprach, den Witwer und die Angehörigen von Marwa El-Sherbini weiter zu begleiten. “Sie sind nicht auf sich alleine gestellt.“

Als Motiv für den Mord an der schwangere El-Sherbini wird Ausländerhass angenommen. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hatte zuvor ein klares Signal der Politik verlangt. Der Mord an El-Sherbini habe das Verhältnis der Deutschen zur arabischen und islamischen Welt sehr getrübt, sagte der Zentralratspräsident Ayyub Axel Köhler, in einem dpa-Gespräch. “Deutschlands Ruf hat sehr gelitten. Die Politik verdrängt die Islamfeindlichkeit, sie verdrängt die Folgen solcher Erscheinungen.“

dpa

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