Prozessauftakt: Doppelmord aus Rache

+
Der 25-jährige Hauptangeklagte Mehmet Y. sitzt am Montag Prozessauftakt im Gerichtssaal des Berliner Kriminalgerichts Moabit auf der Anklagebank.

Berlin - Rund acht Monate nach dem Anschlag auf seine Ex-Frau und deren Angehörige in Berlin steht der mutmaßliche Todesschütze seit Montag vor Gericht.

Acht Monate nach einem tödlichen Kugelhagel in Berlin muss sich der mutmaßliche Doppelmörder vor Gericht verantworten. Der 25-jährige Türke soll laut Anklage die Schwester und Mutter seiner Ex-Frau in einem Auto erschossen haben. Der Mann habe aus Rache und verletzter Ehre seine frühere Frau töten wollen, diese aber verfehlt, so die Staatsanwaltschaft. Der Aushilfskellner schwieg zum Prozessauftakt am Montag.

Ihm wird neben dem Doppelmord auch dreifacher versuchter Mord vorgeworfen. Er soll im August 2011 zwölf Schüsse abgefeuert haben auf den Wagen der Familie der Frau, die sich von dem Türken hatte scheiden lassen. Die 45 Jahre alte Mutter starb noch am Tatort, die 22-jährige Schwester wenig später im Krankenhaus. Der 27-jährige Bruder wurde schwer am Kopf verletzt.

25-Jähriger lehnte seinen Anwalt ab

„Aus Rache, Hass, Eifersucht und Verärgerung über den Verlust seines Aufenthaltsstatus wollte der Angeklagte sämtliche Mitglieder der Familie zerstören“, verlas Staatsanwältin Heike Hagedorn vor dem Landgericht Berlin die Anklage. Dem Türken drohte die Abschiebung.

Zunächst wurde für Mittwoch eine Aussage des Angeklagten angekündigt. Nach Angaben von Gerichtssprecher Tobias Kaehne hat der Mann Mordabsichten bisher bestritten. Er habe nur ins Lenkrad schießen wollen, habe der Mann in früheren Vernehmungen erklärt. Er habe sich mit der Familie aussprechen wollen, diese habe ihn aber ignoriert.

Vor Gericht lehnte der 25-Jährige am Montag aber seinen Anwalt ab, beantragt wurde nun ein zweiter Pflichtverteidiger. Deshalb ist noch nicht klar, ob der Angeklagte am kommenden Prozesstag aussagt.

Der mutmaßliche Doppelmörder ist bereits vorbestraft

Der Gewalttäter war nach dem Anschlag zu Fuß geflüchtet. Die Polizei fahndete nach ihm und nahm ihn knapp vier Tage später fest. Der Mann hatte sich bis zu seiner Festnahme in einem leerstehenden Berliner Krankenhaus versteckt. Die überlebende Frau stand unter Polizeischutz, bis der Mann in Untersuchungshaft kam.

Der mutmaßliche Doppelmörder ist bereits vorbestraft. Er war 2008 zu einer Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Die 24-jährige Ex-Frau kam nicht zu dem Prozess ins Gericht. Ihr Anwalt sagte, sie habe bis heute Angst. Der Ex-Mann habe vor den Schüssen gegen die Frau und ihre Familie Todesdrohungen ausgestoßen. Die Türkin hatte den 25-Jährigen angezeigt. Der Vater der Frau hatte nach der Familientragödie Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Er habe sie von den Bedrohungen unterrichtet.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Meistgelesene Artikel

Zeitumstellung 2017: Wann wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt?

Zeitumstellung 2017: Wann wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt?

Schamlos: Apotheker wegen mutmaßlichem Betrug mit Krebspräparaten vor Gericht

Schamlos: Apotheker wegen mutmaßlichem Betrug mit Krebspräparaten vor Gericht

Verurteilt: Jugendlicher versuchte aus Hass seine Eltern mit Axt zu töten

Verurteilt: Jugendlicher versuchte aus Hass seine Eltern mit Axt zu töten

Das kann jeder Zeuge für einen Menschen tun, der verbal angegriffen wird

Das kann jeder Zeuge für einen Menschen tun, der verbal angegriffen wird

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion