Mord mit Insulin: Krankenschwester verurteilt

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Mit einer Überdosis des lebenswichtigen Hormons Insulin hat eine Krankenschwester ihre Adoptivmutter getötet (Symbolbild).

Dresden - Mit einer Überdosis Insulin spritzte eine Krankenschwester ihre Adoptivmutter tot und versuchte einen ihr anvertrauten Patienten umzubringen.

Eine Krankenschwester aus Dresden ist am Freitag wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Zudem verhängte das Dresdner Landgericht ein lebenslanges Berufsausübungsverbot als Krankenschwester und Pflegerin.

Aus Mangel an Beweisen sprach das Schwurgericht die 33-Jährige allerdings von weiteren schweren Vorwürfen der Anklage teilweise frei. Die Verteidigung, die Freispruch in allen Punkten gefordert hatte, kündigte noch im Gericht Revision an. Die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand sagte, man habe es mit einem besonders schwierigen Verfahren zu tun gehabt.

Am Ende gebe es aber keinen Zweifel, dass die Angeklagte Bianca D. ihre Adoptivmutter im April 2008 getötet habe. Ein wesentliches Motiv sei Habgier gewesen. “Die Angeklagte lebte über ihre Verhältnisse und brauchte dringend Geld“, sagte Wiegand. Den Ermittlungen zufolge hätte sie insgesamt rund 100.000 Euro geerbt. Bereits vor dem Tod der Mutter hatte sie demnach den Umzug in die Schweiz geplant.

Besonders grausames Verbrechen

Das Gericht sprach von einem besonders grausamen und lange vorher geplanten Verbrechen. Die Krankenschwester gab nach Feststellungen des Gerichts ihrer Mutter in den Wochen vor der tödlichen Dosis mehrere Male Betäubungsmittel und sprühte ihr zudem WC-Reiniger in die Augen, um Symptome eines natürlichen Sterbens vorzutäuschen. Zur Verschleierung erzählte sie Bekannten, ihre Mutter sei todkrank und wolle nicht mehr leben. Wiegand sagte, ihre Adoptivmutter sei völlig arglos gewesen. Sie habe ihr vertraut und sie tief geliebt.

Mordversuch aus Überforderung und Frust?

Keinen Zweifel hatte das Gericht auch daran, dass Bianca D. wenige Wochen zuvor in einer Klinik in Dresden einen Patienten vergiften wollte. Nur durch einen Zufall sei der Mann gerettet worden. Er erlitt aber schwerste Hirnschäden und verstarb später. Es sei denkbar, dass sie sich überfordert gefühlt haben könnte und aus Frust handelte. Die Richterin verwies darauf, dass die Krankenschwester sich in der Tatnacht über eine Ärztin geärgert hatte. “Das genaue Motiv wissen wir aber nicht genau, da sie dazu nichts sagt.“ Die Angeklagte sei nicht in der Lage gewesen, mit Konflikten umzugehen, sagte die Richterin. Sie habe nur ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Im Dienst habe sie perfekt sein wollen und sei teilweise übereifrig gewesen. Die Krankenschwester hatte nach ihrer Festnahme die Vorwürfe bestritten, sich im Prozess aber in Schweigen gehüllt. Das Urteil nahm sie mit gesenktem Kopf auf, das Gesicht hinter Händen und ihren langen Haaren verborgen. 

Ungutes Gefühl nach Leichenschau

Ursprünglich war die Frau auch angeklagt, bereits 2001 ihren ersten Ehemann vergiftet zu haben. Zudem soll sie versucht haben, ihr Großmutter und einen weiteren Patienten zu töten. Ein Tötungsvorsatz habe sich in diesen Fällen aber nicht mit der nötigen Sicherheit nachweisen lassen, urteilte das Gericht im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft. Allerdings sprach das Gericht sie im Fall des zweiten Patienten der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Demnach hatte sie den Mann während ihres Nachtdienstes in einer Dresdner Klinik betäubt und legte anschließend in seinem Zimmer Feuer. Sie habe ihn danach versorgt und das Feuer gelöscht, sagte die Vorsitzende Richterin. Dabei sei es der Angeklagten offenbar darum gegangen, am Ende als “tolle Krankenschwester“ und Retterin dazustehen.

Die Ermittlungen waren im Frühjahr 2008 nach der Ermordung der Stiefmutter ins Rollen gekommen. Ein Arzt hatte damals zunächst in dem Fall einen natürlichen Tod bescheinigt, wegen eines unguten Gefühls dann aber doch noch die Polizei eingeschaltet. Dem Mediziner fiel auf, dass die Angeklagte “überhaupt keine Trauer“ zeigte. Bei den Ermittlungen stießen die Beamten dann auf weitere, bis dahin ungeklärte Tötungsdelikte im Umfeld der Angeklagten. In dem Indizienprozess, der Mitte 2009 begann, wurden mehr als 140 Zeugen vernommen, darunter zahlreiche medizinische Sachverständige.

Lars Rischke

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