Missbrauchsopfer lehnen Jesuiten-Angebot ab

Berlin - Von Jesuitenpatres missbrauchte ehemalige Schüler haben das Angebot eines Schmerzensgeldes in Höhe von 5.000 Euro zurückgewiesen.

“Wir wollen nicht nur eine symbolische, sondern eine tatsächliche angemessene Genugtuung für das, was uns vor Jahrzehnten angetan worden ist“, sagte Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, nach einem Gespräch mit Vertretern des Jesuitenordens am Samstag in Berlin.

Die Betroffenen fordern nun eine finanzielle Genugtuung von pauschal 82.373 Euro. Dies sei der Durchschnitt der in den letzten Jahren in Deutschland und Österreich durch Gerichte festgesetzten Schmerzensgelder für Schäden der Seele, sagte Katsch. Eine Staffelung nach der Schwere des Missbrauchs lehne die Gruppe ab.

Der Provinzial der deutschen Jesuiten, Stefan Kiechle, hatte vergangene Woche in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) seitens seines Ordens eine Entschädigungssumme “im vierstelligen Bereich“ in Aussicht gestellt. Katsch sagte nach dem zweitägigen Treffen: “Wir lassen uns nicht mit diesem aus unserer Sicht unannehmbaren Vorschlag abspeisen.“

Während persönlichen Unterredung, an der außer Kiechle auch der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, und der Direktor des Kollegs Sankt Blasien, Johannes Siebner, teilnahmen, sei die Atmosphäre ernst, aber nicht feindselig gewesen. Infolge von Kiechles “zynischem“ Angebot habe allerdings “ein kalter Wind“ geherrscht. Katsch sagte, das Gespräch sei ergebnislos verlaufen, weil die Jesuiten offenbar nicht imstande seien, Entschädigungen in der geforderten Höhe zu zahlen. Nun wolle sich der Eckige Tisch an die deutsche Bischofskonferenz wenden, die in der kommenden Woche in Fulda tagt.

“Wir verstehen die Jesuiten als Vertreter der katholischen Kirche“, sagte Katsch. Die Täter seien katholische Priester mit ihrer “verqueren Sexualmoral“ gewesen. “Dieser Missbrauch schmeckt katholisch“, sagte Katsch. Weitere Ausweichtaktiken wolle man den Bischöfen nicht durchgehen lassen.

Nach einem im Mai veröffentlichten Zwischenbericht der Beauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs des deutschen Jesuitenordens, Ursula Raue, gab es in den Einrichtungen des Ordens in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 200 Fälle von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Eine strafrechtliche Verfolgung ist weitgehend unmöglich, weil die meisten bekannt gewordenen Taten verjährt sind.

Ziel des von Opfern initiierten Eckigen Tisches ist es, den Austausch zwischen Täter- und Opferseite zur Aufklärung und Aufarbeitung voranzubringen. Mit den Missbrauchsskandalen befasst sich seit April ein von der Bundesregierung eingesetzter Runder Tisch aus Vertretern von Schulen, Kirchen und Opferverbänden.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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