Mirco-Prozess: Die beunruhigende Psyche des Olaf H.

+
Der Angeklagte im «Mirco-Prozess», Olaf H., betritt am Donnerstag (14.07.2011) den Gerichtssaal im Krefelder Landgericht in Krefeld.

Krefeld - Einer der spektakulärsten Kriminal-Prozesse lieferte Einblicke in die beunruhigende Psyche von Olaf H.. Der zuvor unbescholtener Manager hatte gestanden, Mirco entführt, missbraucht und ermordet zu haben.

Zum letzten Mal wird sich an diesem Donnerstag für Olaf H. die kleine Tür öffnen, die ihn in Saal 167 des Krefelder Landgerichts führt. Mit dem Urteil gegen den mutmaßlichen Mörder des kleinen Mirco aus dem niederrheinischen Grefrath findet einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre seinen vorläufigen Abschluss. Eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gilt dem 45-Jährigen als sicher. Möglicherweise kommt noch die besondere Schwere der Schuld hinzu, die ihm eine Freilassung frühestens im Rentenalter ermöglichen dürfte.

Die Ermittler wussten sofort, dass dieser Vermisstenfall kein gewöhnlicher war. Mehr als 1000 Polizisten wurden vor gut einem Jahr aufgeboten, um nach Mirco zu suchen - eine der größten Suchaktionen der Republik. Sein Rad wurde gefunden, seine Kleidung, sein Handy. Als klar scheint, dass der Zehnjährige nicht mehr lebt, fahndet die Soko “Mirco“ weiter - schon mit dem Ansporn, ein weiteres Opfer zu verhindern. Denn was die Profiler ihnen über den Täter sagen können, ist beunruhigend.

Fünf Monate später schellen Kripo-Beamte im Morgengrauen in Schwalmtal - eine halbe Autostunde von Grefrath entfernt - an der Haustür eines 45-jährigen Telekom-Managers. Die Suche ist beendet. Olaf H. gesteht, Mirco auf dessen Nachhauseweg mit seinem Dienstwagen entführt, in einem viele Kilometer entfernten Wald sexuell missbraucht und mit einer Plastikschnur erdrosselt zu haben. Er führt die Ermittler zur Leiche. Dass er den Körper des Kindes, bevor er ihn im dunklen Wald zurücklässt, auch noch mit einem Messer traktiert hat, widerruft er im Gerichtssaal. Aber an Mircos Polohemd klebt sein eigenes Blut.

So suchte die Polizei nach Mirco (10) aus Grefrath

Bilder von den Ermittlungen im Fall Mirco (10) aus Grefrath

Mirco (10) aus Grefrath (Kreis Viersen in Nordrhein-Westfalen) verschwand am 3. September 2010 auf dem Heimweg. © dpa
In der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Grefrath brennen Kerzen im Eingangsbereich. © dpa
In der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Grefrath fand ein Gedenkgottesdient für den vermissten zehnjährigen Jungen Mirco statt. © dpa
Polizisten besprechen in Grefrath die weitere Suche im Fall des vermissten Mirco. © dpa
Ein Suchplakat im Fall Mirco hängt in Grefrath in einer Eisdiele. © dpa
Ein Polizist trägt eine Karte der Umgebung unter dem Arm. © dpa
Polizisten stehen in Grefrath auf einer Kuhweide. © dpa
Polizisten stehen in Grefrath auf einer Kuhweide. © dpa
Polizisten schauen in einen Mülleimer. © dpa
Polizisten sprechen mit Anwohnern. © dpa
Ein Polizeihubschrauber überfliegt ein Suchgebiet. © dpa
Polizisten suchen nach weiteren Spuren im Fall Mirco. © dpa
Polizisten suchen nach weiteren Spuren im Fall Mirco. © dpa
Polizisten suchen nach weiteren Spuren im Fall Mirco. © dpa
Polizisten suchen nach weiteren Spuren im Fall Mirco. © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Die Polizei sucht in Grefrath nach dem verschwundenem Mirco (10). © dpa
Der verschwundene Mirco (10). © dpa

Mit seinen zahlreichen Versionen des Mordes versucht der Angeklagte, systematisch und zunächst mit Erfolg, sein Motiv zu verbergen und sein Tun zu verharmlosen. Stress im Beruf, Ärger mit dem Chef, der zufällig daher radelnde Mirco, seine tiefe Trauer nach der Tat. Doch ein Lügengebäude nach dem anderen bricht zusammen. Olaf H. habe gelogen, getäuscht und manipuliert, räumt auch sein Verteidiger Gerd Meister ein.

Scheibchenweise werden für die Ermittler und das Gericht die Umrisse einer Tat sichtbar, die der psychiatrische Gutachter mit einiger Wahrscheinlichkeit als das Werk eines perversen Sadisten einstuft. Ein seltener Tätertyp, noch gefährlicher als ein Pädophiler. Dazu noch mit einem Intelligenzquotienten von 138 hochbegabt.

Und: Nichts in der bislang bekannten Biografie von Olaf H. deutet auf seine Perversionen und so eine Tat hin, nicht das kleinste Alarmsignal. Er kommt aus intakten Verhältnissen, lebt ein unauffälliges, fast mustergültiges Leben.

Um möglichst viel Machtgefühl auszukosten, um sich an der Angst und dem Leid seines Opfers zu weiden, soll Olaf H. “wie ein Jäger“ 200 Kilometer umhergefahren sein auf der Suche nach einem möglichst wehrlosen Opfer. “Und wer ist wehrloser als ein Kind?“, fragt der Psychiater. Der totalen Demütigung wegen habe Olaf H. Mirco auch noch sexuell missbraucht, nicht etwa, weil er eine verhängnisvolle sexuelle Neigung zu Kindern verspüre.

Der Psychiater bietet ein tiefenpsychologisches Erklärungsmodell: Durch ein frühkindliches Trauma habe sich die Aggressivität von H.s Persönlichkeit abgespalten und abgekapselt. Das könnte erklären, warum sein privates Umfeld ihn als ausgesprochen freundlich, ausgeglichen und liebevoll beschreibt. An seinen irgendwann aufflammenden perversen Fantasien lässt er niemanden teilhaben.

Erst als er seine Balance verliert, weil er beruflich in Ungnade fällt, bricht sich ein dunkler Impuls Bahn - die böse Seite des Olaf H.. Einen letzten Beleg dafür hat der Psychiater nicht, weil sich H. der Psycho-Diagnostik verweigerte und Spuren, die ein solches Verhalten belegen könnten, nach fünf Monaten Liegezeit der Leiche im Wald vernichtet sind.

Vergeblich hoffte sein Verteidiger, dass H. dem Drängen des Vorsitzenden Richters Herbert Luczak nachgibt, Einblick in seine seelischen Abgründe gewährt und sich einer Therapie öffnet. Dass er weint, wertet der Rechtsanwalt als Anfang und gutes Zeichen. Und dass er sich ein Bild von Mirco in seiner Zelle aufgehängt hat.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Aus Liebeskummer? Astronautin soll Loch in ISS gebohrt haben

Aus Liebeskummer? Astronautin soll Loch in ISS gebohrt haben

Aus Liebeskummer? Astronautin soll Loch in ISS gebohrt haben
Schreckliches Verbrechen: Vater tötet seine Familie, dann sich

Schreckliches Verbrechen: Vater tötet seine Familie, dann sich

Schreckliches Verbrechen: Vater tötet seine Familie, dann sich
Neue Regeln für Internet- und Handyverträge: Das gilt ab Dezember

Neue Regeln für Internet- und Handyverträge: Das gilt ab Dezember

Neue Regeln für Internet- und Handyverträge: Das gilt ab Dezember
Gaspreise und Strompreise steigen in astronomische Höhen

Gaspreise und Strompreise steigen in astronomische Höhen

Gaspreise und Strompreise steigen in astronomische Höhen

Kommentare