Wohnungslosenhilfe zählt Fälle

2016 mindestens 17 Obdachlose getötet

Berlin - 17 Obdachlose sind im Jahr 2016 in Deutschland getötet worden. 128 Menschen wurden Opfer von Gewalt. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein.

Bei gewalttätigen Angriffen sind im vergangenen Jahr mindestens 17 wohnungslose Menschen in Deutschland getötet worden. Das teilte die  Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf eine eigene Zusammenstellung mit. In acht Fällen seien die Täter selbst nicht wohnungslos gewesen. 

Außerdem zählte die Wohnungslosenhilfe im Jahr 2016 mindestens 128 Fälle von Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfällen und bewaffneten Drohungen gegen Wohnungslose. In einem Fall versuchten sieben Jugendliche, einen Obdachlosen anzuzünden. Laut Zusammenstellung waren die Täter 2016 in 76 Fällen selbst wohnungslos.

Mindestens 502 Todesfälle seit 1989

In den vergangenen Jahren seien die Zahlen der nicht-tödlichen Gewaltfälle in etwa konstant geblieben. Die Dunkelziffer könnte aber noch höher sein, es handele sich laut Wohnungslosenhilfe nur um durch systematische Pressebeobachtung erhobene Mindestwerte, erklärte die Bundesarbeitsgemeinschaft. Seit 1989 habe es in Deutschland mindestens 502 Todesfälle durch Gewalt gegen wohnungslose Menschen gegeben.

Menschenverachtende Motive

Sind die Täter nicht selbst wohnungslos, spielen nach Erkenntnissen des Verbands "menschenverachtende und rechtsextreme Motive häufig eine zentrale Rolle". Dabei handele es sich nicht immer um organisierte Rechtsextreme. "Vorurteile und Abwertungen gegenüber wohnungslosen Menschen kommen in breiten Schichten der Bevölkerung vor", erklärte die Bundesarbeitsgemeinschaft.

Bei den Gewalttaten wohnungsloser Menschen untereinander spielen demnach häufig Alkohol- und Drogenkonsum, Streit um knappe Güter des alltäglichen Lebens und beengte Verhältnisse in den Obdachlosenunterkünften eine wichtige Rolle.

Der Verband forderte, Gewalt gegen Obdachlose konsequent zu verfolgen und zudem präventiv tätig zu werden, vor allem durch das Bereitstellen von Wohnungen.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © Symbolbild: AFP

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