Migranten-Kinder gehen seltener in Kitas

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Das statistische Bundesamt teilt mit: Migranten-Kinder gehen seltener in Kindertagesstätten.

Wiesbaden - Kinder aus Familien ausländischer Herkunft sind in deutschen Kindertageseinrichtungen immer noch selten. Und gut die Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund spricht zu Hause nicht Deutsch.

“Die Kinder, die in einem Höchstmaß auf vorschulische Bildung angewiesen sind, nehmen sie seltener in Anspruch“, bedauert der Entwicklungspsychologe Wassilios Fthenakis. Die Folgen seien Sprach- und Integrationsprobleme. Mehr Plätze, eine bessere Sprachförderung und eine aufgeschlossenere Grundhaltung gegenüber den Kulturen der Herkunftsländer könnten dies nach Ansicht von Experten ändern.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hatte am Mittwoch erstmals Zahlen zu Vorschulkindern mit und ohne ausländische Herkunft in Kitas, Krippen, Krabbelstuben und bei Tageseltern veröffentlicht. Danach werden diese seltener in solchen Einrichtungen betreut (knapp 47 Prozent) als Gleichaltrige aus deutschstämmigen Familien (61 Prozent). “Ein Siebtel aller Zuwandererkinder wird ohne vorherigen Kindergartenbesuch eingeschult, bei Kindern ohne Migrationshintergrund fast keins“, bemängelt die Geschäftsführerin des Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) Gunilla Fincke.

“Vor allem die Familien, die nicht informiert sind und nicht kommunizieren können, entwickeln besonders Angst, ihre Kinder einer solchen Institution auszuliefern“, beobachtet Fthenakis, der an der Universität Bozen lehrt. Er fordert, die Mehrsprachigkeit und die Wertschätzung der kulturellen Vielfalt zu einem Qualitätsmerkmal moderner Bildung zu machen. Zudem müsse die Qualität der Sprachförderung besser werden und im Alltag ansetzen, wo Kinder Kompetenzen haben.

Herausforderung für Sprachförderung

“Auswertungen der Kinder- und Jugendhilfestatistik zeigen, dass gut die Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund zu Hause nicht Deutsch spricht“, sagt Hans Rudolf Leu, Abteilungsleiter beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München. “Ein Drittel von diesen Kindern treffen in der Kita zu über 50 Prozent auf Kinder, die zu Hause auch nicht Deutsch sprechen und bleiben so vor allem unter sich. Für die Sprachförderung ist das eine besondere Herausforderung.“ Diese “hochanspruchsvolle Aufgabe“ sei mit standardisierten Kursen nicht zu erfüllen.

“Besonders Kinder aus zugewanderten Familien sollten früh an den Kindergarten herangeführt werden“, fordert Fincke vom SVR in Berlin. Das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld setze aber genau den gegenteiligen Anreiz. Der damit einhergehende Geldmangel erschwere zudem die integrationspolitisch viel wichtigere Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren. “Aber Erzieher müssen auch besser für die Sprachvermittlung ausgebildet werden, denn in vielen Kindergärten mit 90 Prozent Zuwandereranteil tauchen Kinder schon längst nicht mehr von alleine in ein deutsches Sprachbad ein.“

Von Ira Schaible

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