Guttenberg bittet Angehörige um Verzeihung

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Rund 1.000 Menschen versammelten sich am Samstagmittag zu der Trauerfeier für die vier am 15. April in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten im Münster von Ingolstadt.

Ingolstadt - Mit einem bewegenden Trauergottesdienst haben Familien, Freunde und Politiker Abschied von den vier Bundeswehr-Soldaten genommen, die vor rund einer Woche in Afghanistan getötet wurden.

Weinend folgte die Frau von Major Jörn Radloff dem fahnenbedeckten Sarg ihres Mannes. Er war genau einen Tag jünger als Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, als er in Afghanistan fiel. Nichts auf der Welt könne den Frauen, Kindern, Geschwistern und Eltern ihren Schmerz nehmen, sagte Guttenberg am Samstag bei der Trauerfeier für Radloff und seine drei Kameraden in Ingolstadt. Als Minister habe er “Sie, verehrte Angehörige, um Verzeihung zu bitten“, sagte Guttenberg.

Und bereitete die deutsche Bevölkerung zugleich auf viele weitere Opfer vor. Seit dem Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind 43 Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan gefallen - davon sieben allein in diesem Monat. Zum zweiten Mal in ihrer Amtszeit kam Bundeskanzlerin Angela Merkel an die aufgebahrten Särge, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Drastisch sei klar geworden, “was wir vielleicht zu lange nicht wahrhaben wollten: Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden“, sagte Guttenberg. “Und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein.“

Letzte Ehre für gefallene Soldaten

Letzte Ehre für gefallene Soldaten

Die vier Männer starben am 15. April in Baghlan bei einem gemeinsamen Einsatz mit der afghanischen Armee. “Partnering“ heißt die neue Strategie der ISAF-Friedenstruppen in dem Land: Die afghanischen Soldaten sollen unter Anleitung der Deutschen und der anderen Verbündeten lernen, allein gegen die Taliban zu kämpfen. So soll ein Abzug vom Hindukusch in absehbarer Zukunft möglich werden. Ende März begann im Norden, wo die Bundeswehr die Verantwortung hat, die Operation “Taohid“, das heißt “Gemeinsam“. Fallschirmjäger-Major Radloff war Ausbilder an der Heeresschule in Weiden. Er starb mit den Gebirgspionieren Josef Kronawitter und Marius Dubnicki, 24 und 32 Jahre alt, durch eine Sprengfalle der Taliban. Fünf weitere Soldaten wurden zum Teil lebensgefährlich verwundet. Der 33-jährige Oberstabsarzt Thomas Broer war auf dem Weg zu helfen, als sein Sanitätsfahrzeug mit einer Granate beschossen wurde.

Die Bundeswehr in Afghanistan

Unsere Soldaten in Afghanistan

Bevor die 1.000 Trauergäste in die Kirche strömten, hatten die Familien allein ungestört an den aufgebahrten Särgen Abschied nehmen dürfen. In einem Nebengebäude kamen Merkel, Guttenberg und Außenminister Guido Westerwelle zu einem Gespräch mit ihnen zusammen. Ein fürsorglicher und hilfsbereiter Kamerad sei Radloff gewesen, Rettungsschwimmer und Vater zweier Söhne im Alter von eineinhalb und sieben Jahren, sagte Guttenberg. Dubnickis Frau steht jetzt mit einer vierjährgen Tochter allein da. Und Kronawitters Braut erwartet ein Baby. Wirklichen Trost gebe es nicht, sagte Guttenberg. Aber die Soldaten “starben für die Gewissheit, ihre und unsere Freiheit, das Leben unserer geborenen wie ungeborenen Kinder zu schützen. Auch und gerade in Afghanistan.“ Zu zögerlich beginne die deutsche Gesellschaft wahrzunehmen, dass sie diesen Schutz brauche. “Dienst“ und “Tapferkeit“ seien altmodische Begriffe geworden, kritisierte der Freiherr, der selbst als Gebirgsjäger Wehrdienst geleistet hatte. “Was muss das für ein Gefühl sein, unter Lebensgefahr einem Land zu dienen und dienen zu wollen, das diesen Dienst allenfalls freundlich distanziert zur Kenntnis nimmt?“ Tod und Verwundung dürften niemals Routine werden. Aber es werde weitere Gefallene geben.

Erst im März hatte der Bundestag das Afghanistan-Mandat verlängert, für 5.300 Soldaten. Derzeit sind 4.200 im Einsatz. Mehrere tausend Menschen hatten sich auf dem Münsterplatz versammelt, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Darunter waren viele Soldaten aus der nahen Pionierkaserne. Als die Särge aus der Kirche getragen wurden, folgten die verzweifelten Familien zuerst. Schluchzend und gestützt von einem weinenden Offizier, ging Radloffs Frau zum Ausgang. Eine andere Ehefrau musste von zwei Begleiterinnen gestützt werden, andere gingen mit gesenkten Köpfen eng umklammert nach draußen. Draußen warteten vier Leichenwagen. Unter Trommelwirbel wurden die Särge hineingeschoben. Zum Abschied spielte ein Trompeter “Ich hatt' einen Kameraden“.

apn

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