Jubel und Gedenken: Berlin feiert “Fest der Freiheit“

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Die Mauer aus Dominosteinen fällt um.

Berlin - Deutschland und die Welt haben den 20. Jahrestag des Mauerfalls als Zeitenwende der Weltpolitik und Verpflichtung für die Zukunft gefeiert. Zehntausende kamen zum „Fest der Freiheit“ am Brandenburger Tor.

Jubel brandet auf, als der frühere polnische Solidarnosc-Führer Lech Walesa kurz nach 20.30 Uhr den ersten Dominostein anstößt und die Kettenreaktion auslöst. Langsam, fast wie in Zeitlupe, fallen die 1.000 überdimensionalen, bunt bemalten Klötze um, vom Reichstag bis zum Brandenburger Tor. Vor 20 Jahren stand hier noch die Mauer, die Berlin teilte - und auf der am Abend des 9. Novembers 1989 die Öffnung geeiert wurde.

Mauerfall: So feiert Berlin den 20. Jahrestag

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Am Montagabend feiern hier zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wieder Zehntausende, trotz strömenden Regens und Kälte. Der symbolische Mauerfall ist Höhepunkt des emotionalen “Fests der Freiheit“. Gekommen sind auch zahlreiche Ehrengäste, mehr als 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, mehrere Friedensnobelpreisträger und zahlreiche ehemalige Bürgerrechtler. Vor dem bunt illuminierten Brandenburger Tor dankt Kanzlerin Angela Merkel Amerikanern, Franzosen, Briten und den ehemaligen sowjetischen und polnischen Präsidenten Michail Gorbatschow und Walesa für ihre Hilfe. “Für mich war es einer der glücklichsten Momente meines Lebens“, sagt Merkel, die einsam an einem Rednerpult steht, weit durch die Dominosteine abgeschirmt von ihrem Volk, und vom Zelt, in dem die anderen Staatsgäste sitzen.

Symbolisch für den Mauerfall wurden 1000 Dominosteine umgeworfen.

Der 9. November markiere “eine wahrhaft glückliche Stunde der deutschen der europäischen Geschichte“, an dem sich das Tor zur Freiheit geöffnet habe. Sie erinnert aber auch an den 9. November 1938, die Reichpogromnacht. Damals sei das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden, erklärt sie. Auch die Staats- und Regierungschef Frankreichs, Großbritanniens und Russlands sowie US-Außenministerin Hillary Clinton ergreifen das Wort - und loben die Berliner für ihre Leistung, die Mauer zum Einsturz gebracht zu haben. Beifall brandet auf, als US-Präsident Barack Obama per Videobotschaft eingeblendet wird. “Es konnte keine deutlichere Zurückweisung der Tyrannei und keine stärkeres Zeichen für Freiheit geben“, erklärt er.

“Das ist die Berliner Luft“

Vor den Ansprachen eröffnet Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin das Fest mit einem Konzert, auf der Ostseite des Brandenburger Tors. Für Stimmung sorgt seine Überraschung, die selbst die Staatsgäste zum Klatschen animiert: Placido Domingo singt vom Orchester begleitet Linckes Schlager “Das ist die Berliner Luft“. Bundespräsident Horst Köhler freut sich, auch Kanzlerin Merkel, eingerahmt von ihrem Mann Joachim Sauer und Sarkozy, lacht und wirkt glücklich, bevor sie mit ihren Gästen auf die Westseite des Brandenburger Tors schreitet.

20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos

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Umjubelt wird Jon Bon Jovi. Er präsentiert sein selbst komponiertes Revolutionslied mit dem Titel “We weren't born to follow“ (“Wir waren nicht zu Untertanen geboren“). Moderiert wird das Fest von Thomas Gottschalk, der unter anderem Gorbatschow und dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher Worte zu deren Erleben des Mauerfalls entlockt.

Video: Rückblick auf den Mauerfall

Angetan vom Fest sind viele Besucher, auch wenn sie das Geschehen nur auf den großen Videoleinwänden neben dem Brandenburger Tor verfolgen können. Gerd Stark, der schon vor 20 Jahren bei den Feiern dabei war, sagt: “Vor 20 Jahren war es überwältigend. Wir lagen uns alle in den Armen. Ganz so ist es zwar heute nicht, aber die meisten Leute sehen glücklich aus.“

Feuerwerk zum Abschluss

Absoluter Höhepunkt des Abends ist jedoch der Fall der Dominosteine. Rund 15.000 Jugendliche hatten die jeweils 2,50 Meter hohen, einen Meter breiten und 40 Zentimeter tiefen Styropor-Steine künstlerisch gestaltet. Kurz nach 21 Uhr stoßen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek eine weitere Reihe von Dominosteinen an, die vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor führt.

Die wird dann von einem symbolischen Betonstein aufgehalten, als Mahnmal für Mauern, die noch einzureißen sind. Am Ende fallen aber auch noch die letzten Steine vor dem Brandenburger Tor, über das dann ein glitzerndes Feuerwerk steigt

AP

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