Kunden reagieren empört

Maskenpflicht im Supermarkt: Aldi setzt Rentner rigoros vor die Tür

Zu sehen sind das Logo von Aldi Süd, eine OP-Maske sowie eine FFP2-Maske.
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In Baden-Württemberg kommt es zu einem Rentner-Rauswurf in einer Filiale von Aldi Süd. Der Senior soll eine OP-Maske getragen haben. Richtig wäre aber eine FFP2-Maske gewesen, meint der Discounter. (kreiszeitung.de-Montage)

Ein Rentner in Baden-Württemberg trägt beim Einkauf im Aldi OP- statt FFP2-Maske. Deswegen fliegt der Mann aus dem Supermarkt. Reaktionen folgen direkt.

Kornwestheim – FFP2-Maske auf oder es geht raus – für einen Rentner in Baden-Württemberg ist dies zur bitteren Realität geworden. Der 78-Jährige wollte nur seine Einkäufe bei Aldi tätigen. Doch hatte der Mann nicht die Rechnung mit dem Personal vom Discounter gemacht. Anstatt weiter ausgelassen einzukaufen, fand die Shopping-Tour des Rentners aufgrund der Maskenpflicht im Supermarkt ein abruptes Ende – und der Senior sich vor der Filiale wieder.

Unternehmen:Aldi
Hauptsitz:Essen
Umsatz:106,3 Milliarden USD (2019)
Gründung:1961, Essen
Gründer:Karl Albrecht, Theo Albrecht
Dachorganisation:ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Maskenpflicht im Supermarkt: Aldi Süd setzt Rentner vor die Tür eines Discounters in Baden-Württemberg geworfen – wegen angeblich falscher Maske gegen Corona

Konkret ist in diesem Fall, der sich um die Maskenpflicht im Supermarkt dreht, die Rede von einer Filiale von Aldi Süd in Baden-Württemberg. Auf der Facebook-Seite der Discount-Einzelhandelskette wird über das Geschehene diskutiert. „Ich muss jetzt so dämlich fragen“, beginnt ein Nutzer des Social-Media-Dienstes namens Mehmet Karakolcu seinen Post mitsamt Bild.

Ironisch ist dieser Einstieg nicht zu verstehen. Denn „so dämlich“, wie es Karakolcu formuliert, ist seine Frage nämlich nicht. „Darf man mit diesen Masken auch nicht mehr einkaufen gehen?“, fragt er in die digitale Runde. Dem beigefügt ist ein Bild, das einen Stapel an blauen OP-Masken zum Schutz gegen das Coronavirus zeigt.

„Weil man damit nicht rein dürfte“: Facebook-Post vom Sohn des Rentners schildert Corona-Vorfall bei Aldi Süd

Im Folgenden offenbart sich, worauf Karakolcu überhaupt hinaus will. Sein 78 Jahre alter Vater sei bei Aldi Süd im baden-württembergischen Kornwestheim nahe Ludwigsburg einkaufen gewesen. Doch habe man den Rentner aus der Filiale geworfen, da er besagte OP-Maske getragen habe.

Die Begründung des Aldi-Personals, wie sie Karakolcu wiedergibt: „Weil man damit nicht rein dürfte“. Dabei sei sein Vater „sogar geimpft“. Dies wirft zwangsläufig die Frage auf, welche Schutzmaske gegen Corona Karakolcu senior hätte tragen müssen. Zum Glück gibt es eine entsprechende Corona-Verordnung für Baden-Württemberg, die Licht ins Masken-Dunkel und somit die Maskenpflicht im Supermarkt bringt..

Corona-Verordnung in Baden-Württemberg klärt über Rentner-Rauswurf bei Aldi Süd auf – wer liegt im Recht?

In dieser wird auf Beschlüsse vom Bund-Länder-Treffen am Freitag, 7. Januar 2022, reagiert. Demnach gelte die verschärfte FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen in Baden-Württemberg, wozu auch der Einzelhandel und als Grundversorger auch die Supermärkte zählen. Jedoch erst ab Mittwoch, 12. Januar. Und damit erst nach dem Discountert-Vorfall von Karakolcu senior, der sich laut seinem Sohn am Abend des 7. Januars ereignet hätte.

In der Corona-Verordnung von Baden-Württemberg wird darauf hingewiesen, dass Menschen ab 18 Jahren in Innenräumen eine FFP2-Maske oder einen vergleichbar zertifizierten Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Wer Bus oder Bahn nutzt, dem reicht eine OP-Maske, wie sie von Karakolcu bei Aldi Süd getragen wurde. Übrigens: In Niedersachsen greift die FFP2-Maskenpflicht im Einzelhandel bereits seit Ende 2021.

Maskenpflicht im Supermarkt: Wütende Facebook-Reaktionen auf Maskenstreit bei Aldi Süd – „Das, was die abziehen, blickt echt keiner mehr“

Aus der Empfehlung zur FFP2-Maske wird also eine Maskenpflicht im Supermarkt. Nicht jedoch schon zu dem Zeitpunkt, als der Vater von Mehmet Karakolcu dessen Schilderungen zufolge aus der Aldi-Süd-Filiale in Kornwestheim geworfen worden sei. „Da blickt doch niemand mehr durch“, schließt Karakolcu junior seinen Facebook-Post ab – und spricht damit vielen Menschen aus der Seele:

  • „Ja übel... Und mit den FFP Dingern bekomme ich noch schlechter Luft... Das, was die abziehen, blickt echt keiner mehr“
  • „Bei mir war‘s Lidl?! Er selber die normale Blaue, aber Kunden FFP2, typisch Lidl“
  • „Niedersachsen seit 2 Wochen mit FFP 2. Ich finde die einheitlichen Regeln auch ganz toll. –Ironie off–“

Nur drei Beispiele von anderen Facebook-Nutzern, die auf den Post von Karakolcu junior und damit auch auf den Rauswurf seines Vaters bei Aldi Süd reagieren. Oftmals ist der Grundtenor der Menschen, die sich auf die Seite der Familie Karakolcu schlagen, derselbe: Mehr Transparenz, mehr Einheitlichkeit hinsichtlich der Corona-Regeln, weniger offene Fragen und fragende Gesichter.

Aldi Süd schweigt zum Rentner-Rauswurf – und kann grundsätzlich auf „sein eigenes Hausrecht“ pochen

Doch gibt es auch eine Schar an Facebook-Nutzern, die Partei bei der Maskenpflicht im Supermarkt für Aldi Süd ergreift und dies auch argumentativ zu begründen weiß. Der Rauswurf von Karakolcu senior beim Discounter-Riesen Aldi Süd wird dabei keinesfalls als Lappalie oder Bagatelle abgetan. Doch wird explizit darauf hingewiesen, dass de facto jeder Betreiber einer Filiale autonom darüber verfügen kann, wen er wie in seinen Laden lässt:

Jeder Laden hat sein eigenes Hausrecht. Selbst, wenn keine Pflicht besteht, kann der Betreiber eigene strengere Regeln machen und diese umsetzen.

Eine Facebook-Nutzerin namens Melanie äußert sich zu dem Rauswurf eines Rentners aus einer Filiale von Aldi Süd

Süffisant und leicht überspitzt fügt die Facebook-Userin Folgendes bei der Debatte um die Maskenpflicht im Supermarkt an: „Sprich: DuKommstHierNetRein ohne FFP2 DAS GLEICHE GILT FÜR 1G...oder nur frisch geduscht, oder nur vollständig angezogen, oder kein Zutritt im Jogginganzug oder was auch immer“. Bis dato hat sich das Social-Media-Team von Aldi Süd übrigens noch nicht zu dem Vorfall geäußert.

Rassismus bei Kaufland: Inder fliegen aus Supermarkt – „Ihr seid in unserem Land“

Ähnliches hatte sich bereits in einer Filiale der Supermarktkette Kaufland in Magdeburg zugetragen. Zwei indischstämmige Menschen seien aus der Kaufland-Filiale hinausgeworfen worden und obendrein auch noch rassistisch beleidigt worden. Eines der „Opfer“ hatte ebenfalls via Facebook über diesen Vorfall berichtet.

Mit Corona-Regeln, ob nun bereits geltend oder noch in der Übergangsphase steckend, hatte dies aber nichts zu tun. Grundsätzlich wird aber bereits seit geraumer Zeit über eine Anpassung der Pandemie-Maßnahmen in Discountern und Supermärkten diskutiert. Hierbei geht es darum, ob 2G bei den sogenannten Grundversorgern wie Supermärkten eingeführt werden sollte.

2G im Discounter und Supermarkt: Kommt die Corona-Regel? Betreiber fürchten hohe Umsatzeinbußen

2G im Supermarkt* hätte zur Folge, dass nur noch Geimpfte und Genesene dort einkaufen dürften. Ungeimpfte blieben auf der Strecke, ihnen würde in diesem Szenario der Zutritt zu großen Ketten wie Aldi, Edeka oder Lidl verwehrt werden. Praktikabel oder nicht? Die Betreiber der großen Supermarkt- und Discounterketten in Deutschland hatten sich hierzu bereits klar positioniert.

Unisono wird argumentiert, dass Menschen unabhängig vom jeweiligen Impfstatus nicht der Zugang zu Gütern des alltäglichen Lebens verwehrt werden könne. Hierbei spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Denn die Furcht vor damit verbundenen Umsatzeinbußen der Supermarktketten bei 2G* sei letztendlich zu hoch.

Demgegenüber steht wiederum die Meinung eines Experten, der sich um die Krebskranken in der Bundesrepublik sorgt. Sie sehen sich durch den Einkauf im Supermarkt, wo auch Ungeimpfte Zutritt haben, einer enormen Gefahr ausgesetzt. Dementsprechend plädiert er für 2G im Supermarkt*. Eines steht bereits fest: Transparenz hinsichtlich geltender Corona-Regeln ist wichtiger denn je. Damit Fälle wie der von Karakolcu senior nicht mehr vorkommen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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