Marx wird Kardinal und Papst-Berater 

Am Wochenende wird Marx in Rom von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt.

München - Endlich wieder ein Grund zur Freude in der von Missbrauchsskandalen gebeutelten katholischen Kirche: Am Wochenende steigt der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zum Kardinal auf.

Es ist endlich wieder ein Anlass zum Feiern in der katholischen Kirche: Nach einem Jahr, das von Missbrauchsskandalen und Negativ-Schlagzeilen bestimmt war, macht der Münchner Erzbischof Reinhard Marx (57) einen weiteren Schritt auf der kirchlichen Karriereleiter. Am Wochenende wird er in Rom von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt.

Marx will diese päpstliche Personalentscheidung als Aufbruchsignal werten. Kurz nach Bekanntwerden der Ernennung sagte er: “Die Erschütterungen der letzten Monate müssen Ausgangspunkt einer geistlichen Vertiefung sein und für einen neuen Mut, den Glauben in einer unübersichtlicheren Welt zu bezeugen.“

Die purpurnen Soutanen sind also geschneidert, das Festprogramm ist längst entworfen: Rund 1500 Pilger aus seinem Erzbistum München- Freising, aus seinem Heimatbistum Paderborn und aus seiner früheren Diözese Trier sind in Rom dabei, wenn Marx und 23 andere Neu- Kardinäle von Papst Benedikt zunächst am Samstag das Kardinalsbirett und das Ernennungsdekret erhalten.

Am Sonntag dann überreicht der Pontifex den Geistlichen in einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom ihre Kardinalsringe, die die Treue zur Kirche symbolisieren sollen. Dabei ist dann auch Walter Brandmüller, gebürtig aus Ansbach (Bayern). Der Kirchenhistoriker und frühere Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften wird ebenfalls zum Kardinal ernannt - mit 81 Jahren darf er allerdings an einer Papstwahl nicht mehr teilnehmen.

Die Kardinalswürde ist im Falle Brandmüllers eher der Dank für jahrelange Arbeit als Chefhistoriker im Vatikan. Für Marx dagegen wirkt die Aufnahme in den engsten Beraterkreis des Papstes wie ein Wink, dass bald die wichtigste Position im deutschen Episkopat auf ihn wartet: Der Vatikan-treue und trotz aller Volksnähe konservative Experte für die katholische Soziallehre könnte bald an die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) rücken. Der derzeitige Amtsinhaber, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, gilt vielen Beobachtern nur als Übergangslösung, aus Altersgründen kann er bei der nächsten Wahl 2014 nicht mehr antreten.

Kurz vor seiner Abreise nach Rom zur Vollversammlung der Kardinäle klang bereits an, dass Marx sich nun in einer noch verantwortungsvolleren Rolle in der Kirche sieht: “Das Kardinalsrot ist kein bloßes Ornament, es steht für eine tiefe Verbundenheit mit dem Heiligen Vater und der Weltkirche. Es ruft mich in eine neue, größere Verantwortung“, sagte er.

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