Marwa-Mord: Täter und Opfer trennten Welten

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Das Hochzeitsfoto der getöteten Marwa El-Sherbini und ihrem Mann Elwy Ali Okaz, der lebensgefährlich verletzt wurde.

Dresden - Nach den ersten vier Tagen im Mord-Prozess am Dresdner Landgericht werden die Gegensätze zwischen Täter und Opfer deutlich.

Die Lebenswelten der Ägypterin Marwa El-Sherbini, die am 1. Juli während einer Berufungsverhandlung am Dresdner Landgericht erstochen wurde, und des mutmaßlichen Täters klafften weit auseinander. Hier eine gebildete attraktive junge Frau mit Familie, dort der Hartz-IV-Empfänger ohne Hobbys und mit nur wenigen Freunden. Obwohl beide im Ausland aufwuchsen und in Dresden im gleichen Stadtviertel lebten, verband sie nichts.

Marwa El-Sherbini stammte aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie in Alexandria, ihr Vater ist Doktor der Chemie. Sie studierte Pharmazie in ihrer Heimat, folgte 2005 ihrem Mann nach Deutschland. Der Molekularbiologe war 2004 für ein Masterstudium nach Europa gekommen. Gemeinsam zogen sie nach Dresden, wo der Nachwuchsforscher ein Stipendium für seine Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik bekam. 2006 wurde ihr erstes Kind geboren. Seit Dezember 2008 arbeitete Marwa El-Sherbini in einer Apotheke.

Alex W. wurde in Perm am Ural geboren, kam 2003 mit Mutter und Schwester nach Deutschland. Seitdem lebte er von Sozialleistungen, hielt sich mit Weiterbildungsmaßnahmen und Gelegenheitsjobs über Wasser, wohnte allein im Plattenbau. Bei einem Hilfsarbeiterkurs 2006 fiel er durch verbale ausländerfeindliche Ausfälle und ständige Diskussionen um Regeln auf, die er nicht akzeptierte. Er galt als Einzelgänger, der sich isolierte, keinen Anschluss suchte und jegliche Kontaktbemühungen abblockte. Einen festen Job hatte er nie, bekam laut Gerichtsakten monatlich 351 Euro und Wohngeld.

Die Strafe wegen der Beleidigung gegenüber Marwa El-Sherbini akzeptierte er ebensowenig wie die Ablehnung seines Antrags auf einen Verteidiger. Alex W. habe Schwierigkeiten, sich seinem sozialen Umfeld anzupassen. Es mangele ihm an Einfühlungsvermögen, beschreiben ihn Zeugen. Er sei rechthaberisch, patzig und exzentrisch. Selbst vor Gericht verhehlte er seinen Rassismus nicht, sprach Moslems Bürgerrechte ab und verkündete klar seine Sympathie für die NPD.

Marwa El-Sherbini dagegen wird als sehr sympathische und kultivierte Frau beschrieben, die sich nie provozieren ließ. Dem Mann, der sie am 21. August 2008 auf einem Dresdner Spielplatz als “Islamistin“ und “Terroristin“ beschimpft hatte, suchte sie noch im Gerichtssaal ihre religiöse Haltung zum Islam zu erklären. Es war ihr letzter Versuch einer Vermittlung, wenige Minuten später war sie tot.

Dabei hatten sie und ihr Mann künftig in Europa oder Deutschland arbeiten wollen - als Wissenschaftler und Apothekerin. Das zweite Kind war unterwegs, Marwa El-Sherbini im dritten Monat schwanger. Diese Pläne hat der in Russland aufgewachsene kinderlose Deutsche zerstört: Der von den Ärzten gerettete Witwer wird trotz allem seinen Doktor noch machen, während der kleine Sohn Mustafa bei Verwandten in Ägypten auf ihn wartet.

Offen ist, ob sein Vater wieder völlig gesund wird. Für den traumatisierten 32-Jährigen steht fest, dass er der Elbestadt so schnell wie möglich den Rücken kehren will.

dpa

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