Schwere Vorwürfe gegen Loveparade-Macher

+
Trauer um Tote bei der Loveparade.

Duisburg - NRW-Innenminister und Polizei erheben schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter der Loveparade: An kritischen Punkten seien zu wenig Ordner gewesen. Anweisungen der Beamten seien nicht umgesetzt worden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger hat nach der

Lesen Sie auch:

Weiteres Loveparade-Opfer gestorben - 21 Tote

Morddrohung: Trauerfeier ohne Duisburger OB

Loveparade: Verantwortliche schieben Schuld hin und her

Katastrophe bei der Loveparade mit inzwischen 21 Toten schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Die Organisatoren hätten ihr Sicherheitskonzept im Eingangsbereich nicht umgesetzt, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Düsseldorf bei der Präsentation eines vorläufigen Polizeiberichts zur Duisburger Massenpanik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Trauerfeier an diesem Samstag in ganz Deutschland Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um 11.00 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Wegen des erwarteten Andrangs werden vor der Kirche Lautsprecher aufgestellt.

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Die Trauer manifestiert sich auf vielerlei Art: Am Unglückort, dem etwa 100 Meter langen Tunnel, hat jemand ein Kreuz und einen Grabstein aus Eis aufgestellt. © dpa
Um das Kunstwerk herum wächst ein Meer aus Kerzen und Blumen. © dpa
Noch in der Nacht nach der Massenpanik kamen die ersten Trauernden, um Kerzen aufzustellen. © dpa
Inmitten der Lichter findet man immer wieder persönliche Botschaften. © dpa
Inmitten der Lichter findet man immer wieder persönliche Botschaften. © dpa
Inmitten der Lichter findet man immer wieder persönliche Botschaften. © dpa
Auch die Wut und der Zorn der Trauernden findet Platz auf Plakaten zwischen Blumen und Kerzen. © dpa
Für viele ist der Tunnel Ort für persönliche Trauer und kurzes Innehalten. © dpa
Auf einem Plakat können Trauernde unterschreiben und kurze Botschaften hinterlassen. © dpa
Ein Mädchen nutzt diese Möglichkeit. © dpa
Die Trauernden suchen Halt untereinander. © dpa
Manche verweilen im Gebet. © dpa
Andere lassen ihren Tränen freien lauf. © dpa
Auch im Regen harren sie noch vor den Blumen und Kerzen aus. © dpa
Die Stadt Duisburg hat ein Kondolenzbuch zur Verfügung gestellt. © dpa
Loveparade
Warum? © dpa
Loveparade
Das ist die meistgestellte Frage auf den handgeschriebenen Zetteln. © dpa
Loveparade
Vor dem Tunnel, der zur Todesfalle wurde: Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Ein junger Mann nimmt Plakate ab, die für Veranstaltungen der Loveparade werben. © dpa
Loveparade
Anwohner haben am Sonntagmorgen vor der Einfahrt zum Gelände der Loveparade Kerzen in die Fenster gestellt. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa
Loveparade
Trauer um die Toten der Loveparade. © dpa

In der Nacht zum Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht. Eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus. Insgesamt sind somit bei der Katastrophe bislang 13 Frauen und 8 Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren ums Leben gekommen. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Am Mittwoch lagen noch 25 Menschen in Krankenhäusern, wie ein Sprecher der Kölner Polizei sagte. Zur Schwere ihrer Verletzungen konnte er keine Angaben machen. “Was ich als (...) unerträglich empfinde, ist die Tatsache, dass die Verantwortung auf Seiten der Veranstalter und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird“, sagte Jäger. Die Loveparade wurde von der Lopavent GmbH organisiert. An ihrer Spitze steht Fitness-Unternehmer Rainer Schaller. Sowohl er als auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sind in der Kritik.

Schaller reagierte zurückhaltend auf die Vorwürfe. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er kündigte einen Hilfsfonds für die Angehörigen der Opfer an. Innenminister Jäger kritisierte auch die Stadt Duisburg. Er sagte, er stelle sich eine gute Zusammenarbeit der Stadt mit ihrer Polizei anders vor. So hätten die Beamten die städtische Genehmigung für die Loveparade trotz Nachfragen erst am Veranstaltungstag selbst ausgehändigt bekommen. Darin sei eine maximale Besucherzahl von 250 000 festgeschrieben gewesen. Die Polizei habe schon vor der Loveparade Bedenken zum Tunnel als einzigem Zugang geäußert, sagte der nordrhein-westfälische Polizeiinspekteur Dieter Wehe. Wehe betonte, der Veranstalter habe das Gelände später als geplant geöffnet - erst nach 12.00 Uhr. Dadurch hätten sich dort zeitweise bis zu 20 000 Angereiste aufgestaut und seien teilweise unruhig und aggressiv geworden.

Der Tunnel als Nadelöhr zum Gelände hat eine Kapazität von 30 000 Menschen pro Stunde. Dies habe aber nicht gewährleistet werden können - unter anderem, weil die Menschen stehenblieben, um die am Tunnelausgang vorbeifahrende Wagenparade zu sehen. Hier hätten die Ordner versagt. Um 15.30 Uhr erhielt die Polizei den Hilferuf der Veranstalter. Eine viertel Stunde später habe dieser die Ordner angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Lücken seien dann Menschen eingeströmt. Die vorhandenen Ordner hätten nicht ausgereicht, sagte Wehe. Es sei auch noch unklar, ob der Veranstalter - wie zugesagt - 150 private Kräfte im Unglücksbereich gestellt habe. Sie hätten die Besucher zum Weitergehen auffordern sollen. Dies habe aber nicht funktioniert. Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Viele Besucher der Loveparade können noch gar nicht fassen, was gerade passiert ist. © ap
Loveparade
In diesem Tunnel... © ap
Loveparade
...trafen die Besucher, die das Gelände verließen, auf die,... © dpa
Loveparade
...die gerade angekommen waren, um mitzufeiern. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade kümmern sich um einen kollabierten Mann. © ap
Loveparade
Eine verletzte Frau wird auf einer Bahre abtransportiert. © dpa
Loveparade
Ein Krankenwagen vor einem Sanitätszelt am Rande des Festgeländes. © dpa
Loveparade
Am Rand des Geländes stehen Krankenwagen und Sanitätszelte. © dpa
Loveparade
Rettungshubschrauber landeten auf der Autobahnbrücke. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade kümmern sich um Verletzte. © ap
Loveparade
Menschen stehen unter Schock, brechen weinend zusammen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Die Toten wurden mit Laken abgedeckt. © dpa

Um 17.02 Uhr seien der Polizei erste Opfer gemeldet worden. “Die Zaunelemente wurden zur Stolperfalle.“ In diesem Bereich seien 14 Menschen unmittelbar gestorben, sagte Wehe unter Tränen. Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland will nicht an der geplanten Trauerfeier am Samstag teilnehmen. Er wolle “die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der “Rheinischen Post“ (Mittwoch). Das Blatt zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zur Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden.

Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Angekündigt haben sich auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Inzwischen gab es erste private Trauerfeiern. In Münster nahmen Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen. Politisch werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Das Bundesinnenministerium begrüßte den Vorschlag, Kommunen bei der Organisation von Großveranstaltungen zu helfen. Minister Jäger will die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern mit dem Thema beschäftigen.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Meistgelesene Artikel

Öko-Heuchelei? Bei SUVs liegen Grünen-Wähler vorne

Öko-Heuchelei? Bei SUVs liegen Grünen-Wähler vorne

Öko-Heuchelei? Bei SUVs liegen Grünen-Wähler vorne
Hamburg: Nach Bade-Drama – jugendliche Leiche aus der Elbe geborgen

Hamburg: Nach Bade-Drama – jugendliche Leiche aus der Elbe geborgen

Hamburg: Nach Bade-Drama – jugendliche Leiche aus der Elbe geborgen
Polizei nimmt Rocker von "Bandidos" fest - skurrile Masche fliegt auf

Polizei nimmt Rocker von "Bandidos" fest - skurrile Masche fliegt auf

Polizei nimmt Rocker von "Bandidos" fest - skurrile Masche fliegt auf
Polizei weckt Mann in VW Touran - Beamte ahnen da noch nicht, wie er reagieren wird

Polizei weckt Mann in VW Touran - Beamte ahnen da noch nicht, wie er reagieren wird

Polizei weckt Mann in VW Touran - Beamte ahnen da noch nicht, wie er reagieren wird

Kommentare