65 Nebenkläger

Loveparade-Katastrophe: So zäh verlief der Prozessauftakt

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Ein Angeklagter (M) sitzt am 08.12.2017 in Düsseldorf zwischen Anwälten im Prozesssaal beim Auftakt des Loveparade-Strafprozesses

Lange wurde der Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe erwartet. Doch der Auftakt gestaltet sich schwierig. Erst nach stundenlangen zähen Diskussionen kann die Anklage verlesen werden.

Düsseldorf - Mit einer Flut von Anträgen hat der von Verjährung bedrohte Strafprozess um die Loveparade-Katastrophe begonnen. Sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg und vier Mitarbeitern des Veranstalters Lopavent wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff warf den Angeklagten schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung der Loveparade geführt hätten. „Die Veranstaltung hätte in der Form nicht genehmigt werden dürfen“, betonte Mühlhoff.

Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt, die Einhaltung nicht kontrolliert worden. Mehrere Angeklagte hätten auch erkannt, dass die Auflagen nicht umgesetzt worden seien.

Die Durchflusskapazität des Zugangs von 82 Menschen pro Meter und Sekunde sei für die erwarteten Menschenmassen nicht ausreichend gewesen. Der Faktor entgegenkommender Menschen sei nicht beachtet worden.

Mängel hätten viel früher erkannt werden müssen

Diese Mängel hätten rechtzeitig erkannt werden können und müssen. „Die Gefahr lebensgefährlicher Drucksituationen war ihnen bewusst. Es musste zwangsläufig dazu kommen“, sagte der Ankläger. Stattdessen hätten die Verantwortlichen sogar eine zusätzliche Verengung des Zugangs durch illegal errichtete Zäune hingenommen.

Ein Brandschutz- und Sicherheitskonzept habe bis kurz vor der Loveparade nicht vorgelegen. Der Baudezernent Jürgen Dressler habe sich dennoch nicht eingeschaltet. Am Veranstaltungstag sei keine Kontrolle der Auflagen vorgesehen gewesen. „Ich kann den Sinn unserer Anwesenheit nicht erkennen“, heiße es in einem Schreiben.

Deswegen sei es am Unglückstag „zu einer Menschenverdichtung auf der Rampe von mehreren 10 000 Menschen gekommen“. 21 Menschen starben durch den ungeheuren Druck. Pro Quadratmeter seien dort mindestens sieben Menschen zusammengepresst worden.

Zuvor hatten die Verteidiger die Anwesenheit potenzieller Zeugen im Saal moniert. Das Gericht unterbrach daraufhin die Verhandlung. Zwei Zuschauer verließen den Gerichtssaal, darunter die Sprecherin von Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller.

Daraufhin stellten Verteidiger Befangenheitsanträge gegen zwei Ergänzungsschöffen. So habe die Stieftochter eines Schöffen die Loveparade besucht - auch wenn sie dabei nicht Zeuge des tödlichen Gedränges geworden sei, reiche dies für eine Befangenheit aus.

Verhandlung mehrfach unterbrochen

Weitere Verteidiger kündigten eine umfangreiche Besetzungsrüge gegen das Gericht an. Schließlich stellte die Verteidigung den Antrag auf Nichtverlesung der Anklage. Rund 20 Nebenkläger tauchten in der Anklage gar nicht als Opfer des Unglücks auf. Mehrfach unterbrach der Vorsitzende Richter Mario Plein die Verhandlung.

Mehr als zwei Jahre lang prüfte dann eine Kammer des Landgerichts Duisburg die Anklage, ließ sie am Ende aber nicht zur Hauptverhandlung zu. Erst eine erfolgreiche Beschwerde der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht ebnete den Weg für den Prozess.

„Die Veranstaltung hätte nie genehmigt werden dürfen. Wären noch 100 000 Besucher mehr gekommen, wäre die Katastrophe noch größer ausgefallen“, sagte der Opferanwalt und ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum.

dpa

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