Zugunglück von Hordorf

Lokführer entschuldigt sich bei Opfern

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Der angeklagte Zugführer verbirgt sein Gesicht.

Hordorf - Weil ein Lokführer zwei Haltesignale überfahren haben soll, starben zehn Menschen. Wie es dazu kam, kann er nicht erklären - geht aber vor Gericht auf die Opfer zu.

Er kämpft mit den Tränen und bekommt die Worte nicht über die Lippen. Der 41 Jahre alte Lokführer, der für ein Zugunglück mit zehn Toten im Januar 2011 in der Magdeburger Börde verantwortlich sein soll, ließ am Montag vor dem Landgericht Magdeburg seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Er könne sich einfach nicht erklären, wie er zwei Haltesignale bei Hordorf in Sachsen-Anhalt übersehen konnte. Lag es an den Nebelschwaden oder an etwas anderem? Er könne es sich beim besten Willen nicht erklären. Nur noch bruchstück- und schemenhaft sei die Erinnerung. Die Lichter des entgegenkommenden Personenzuges sah er noch kommen, dann krachte es.

Prozess zum Zugunglück von Hordorf

Prozess zum Zugunglück von Hordorf

Kilometerweit war der ungebremste Aufprall der beiden Züge damals zu hören. Den Helfern bot sich ein Bild des Grauens: Der Güterzug hatte den Harz-Elbe-Express komplett von den Schienen gefegt. Die zertrümmerte Regionalbahn lag auf schneebedecktem Feld, der Güterzug stand wie unbeschadet auf dem Gleis. Es ist bitterkalt und neblig, als die ersten Retter am Unglücksort eintreffen. Fieberhaft suchen Herbeigeeilte nach Überlebenden in den Trümmern. Der Nebel ist so dicht, dass keine Rettungshubschrauber fliegen können. Es dauert viele Stunden bis klar ist, dass 10 Menschen tot sind und 23 verletzt. Der Lokführer des HEX und eine Zugbegleiterin waren unter den Toten.

Noch am Unglücksort zog der ebenfalls verletzte Angeklagte den Rückschluss, dass er die Signale nicht gesehen hat, lässt der Lokführer seinen Verteidiger vor Gericht sagen. Aufklärung, wie das Unglück geschehen konnte, erhofft sich nun nicht nur das Gericht, sondern auch die Angehörigen der Toten und die Verletzten. 11 Anwälte vertreten 18 Nebenkläger, das sind Hinterbliebene der Toten oder Menschen, die selbst verletzt worden sind. Rechtsanwältin Christel Schellin vertritt den Ehemann und die drei Kinder der gestorbenen Zugbegleiterin. Vor allem der jüngste Sohn, der damals 12 Jahre alt gewesen sei, trage schwer an dem Unglück. Die Traurigkeit bestimme noch immer das Leben der Familie.

Umso wertvoller ist für Schellin die Erklärung des angeklagten Zugführers. Als Strafverteidigerin wisse sie: „Es ist nicht so einfach für den Angeklagten, auf die Opfer zuzugehen.“ Viel schwerer für ihn sei aus ihrer Sicht aber, dass die Bilder des entgegenkommenden Zuges den 41-Jährigen nie wieder loslassen und das Wissen, ein so schweres Unglück verursacht zu haben. „Er ist kein Kaltblütiger“, sagt Schellin.

In seiner Erklärung wird der Angeklagte, der in dunklem Anzug und Krawatte vor Gericht erschienen ist, sehr persönlich: „Ich bin begeisterter Eisenbahner“, hieß es. Vor 18 Jahren habe er diesen Beruf ergriffen und habe sich nie vorstellen können, dass ihm so etwas passieren könne. Aus Rücksicht auf die Opfer und deren Angehörige will der angeklagte Lokführer nun nichts mehr zu dem Unglück sagen. Er bitte dafür um Verständnis, ließ er seinen Verteidiger sagen. Er fürchte, dass jedes weitere Wort falsch ankomme.

dpa

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