Mutter ermordet ihr Baby - lebenslange Haft

Kassel - Zu lebenslanger Haft wegen Mordes an ihrem Baby hat das Landgericht Kassel am Freitag eine 33 Jahre alte Frau aus dem nordhessischen Haina verurteilt.

Es war der zweite Prozess gegen die Angeklagte Stefanie L. Im ersten Verfahren waren nur acht Monate Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung verhängt worden. Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof auf die Revision der Staatsanwaltschaft hin aufgehoben. Die Mutter hat eine absichtliche Tötung bestritten und erklärt, sie habe das Baby nur geschüttelt und an sich gedrückt. Dennoch kamen die Kasseler Richter jetzt zum Ergebnis, dass sie ihren neugeborenen Sohn am 14. Oktober 2007 aus niedrigen Beweggründen ermordete. Sie habe sich lieber weiter ihrem Jagdhobby und ihrer Hundezucht widmen wollen, als sich um ihr Kind zu kümmern, so die 6. Strafkammer, die mit ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte. Kurz nach Verkündung des Strafmaßes brach die 33-Jährige weinend und mit einem Kreislaufkollaps zusammen. “Sie können mich doch nicht verurteilen, was ich nicht gemacht habe“, brachte sie hervor.

Wegen möglicher Herzrhythmusstörungen wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert. “An den Einlassungen der Angeklagten gibt es fast nichts, was man glauben kann“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Dreyer. Sicher sei, dass Stefanie L. ihrem Mann und anderen die Schwangerschaft verheimlicht hatte. Am 13. Oktober 2007 brachte sie unter falschen Namen ihr Kind im Krankenhaus in Fritzlar zur Welt. Einen Tag später verließ sie heimlich mit dem Baby die Klinik. Die Polizei fahndete nach ihr und traf sie schließlich bei ihren Eltern an. Dort sagte sie den Beamten: “Ich habe es getan. Sie können mich verhaften.“ Die Polizisten fanden danach das tote, in einem Plastiksack eingewickelte Kind in einer Kiste in ihrem Auto.

Richter glauben der Angeklagten nicht

Wie der kleine Karl sterben musste, ist nicht ganz geklärt. Stefanie L. hatte ausgesagt, dass sie das schreiende Kind beruhigen wollte und es an sich gedrückt hatte. Das Gericht hielt dies für unglaubwürdig. Um einen Erstickungstod hervorzurufen, müsste man mehrere Minuten ein Kind ganz fest an sich pressen. Vor der Polizei hatte sie angegeben, keine Reanimationsmaßnahmen durchgeführt zu haben. Vor Gericht machte sie dagegen umfangreiche Angaben dazu, wie sie versucht habe, das Kind wiederzubeleben. Dies glaubten ihr die Richter auch nicht. Ein unbeabsichtigte Tötung sei unwahrscheinlich, so das Gericht.

So habe Stefanie L. während der Schwangerschaft alles unternommen, damit niemand diese bemerkt. So sollte kein Hausarzt sie wegen Unterleibsschmerzen untersuchen, auch habe sie eine falsche Identität im Krankenhaus angeführt. Die junge Frau habe außerdem vor Zeugen gesagt, dass ein Kind in ihrem Leben wegen ihrer Hobbys keinen Platz habe. Nennenswerte Geburtsvorbereitungen hatte die Angeklagte ebenfalls nicht getroffen. Der Umgang mit dem Leichnam, den sie in eine Mülltüte steckte, sei “nicht gerade als fürsorglich zu bezeichnen“, sagte Dreyer. Alles deute darauf hin, dass Stefanie L. die Tötung des Kindes während der Schwangerschaft geplant hatte. Der Verteidiger von Stefanie L. kündigte an, dass er Revision gegen das Urteil einlegen wird.
DAPD

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