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Long Covid Symptome: Bei diesen Anzeichen sollte man einen Arzt aufsuchen

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Von: Yannick Hanke

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Corona-Infektionen wie mit Omikron BA.5 können zu Long Covid führen. Verschiedene Symptome deuten darauf hin. Wann gehe ich besser zum Arzt?

Berlin – Werden die Gefahr und vor allem die Auswirkungen von Long Covid unterschätzt? Immerhin haben sich mehr als 29 Millionen Menschen allein in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Darauf weist das Robert Koch-Institut (RKI) hin. Die Tendenz ist steigend, schließlich ist die dominierende Omikron-Subvariante BA.5 noch einmal ansteckender als vorherige Varianten vom Coronavirus, was auch die Chancen auf Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Infektion erhöhen kann. Oftmals ist eine Infektion vergleichsweise schnell wieder auskuriert. Doch können Symptome auch noch mehrere Wochen nach der Ansteckung anhalten.

In diesem Fall spricht man von der „Volkskrankheit“ Long Covid. Doch was bedeutet die Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Infektion eigentlich? Welche Symptome deuten auf Long Covid hin und wann ist der Gang zum Arzt mehr als ratsam?

Long Covid Symptome: Müdigkeit oder Gliederschmerzen noch vier Wochen nach Corona-Infektion

Entwickelt sich aus einer Corona-Infektion, beispielsweise mit Omikron BA.5, Long Covid, ist dies durch anhaltende Symptome gekennzeichnet. Hierzu können Gedächtnisprobleme, latente und anhaltende Müdigkeit, aber auch immer wieder auftretende Gliederschmerzen zählen.

Im kleinen Bild notiert sich ein Arzt etwas auf einem Tablet. Im großen Bild macht ein Long-Covid-Patient ein Atemtraining in einem Gymnastikraum einer Reha-Klinik für Post-Covid-Erkrankte.
Viele Menschen leiden nach einer Corona-Infektion unter Long Covid oder Post Covid. Doch welche Symptome deuten darauf hin? © Friso Gentsch/dpa/imago

Long Covid meint dabei einen Zeitraum von mindestens vier Wochen nach der Covid-19-Infektion, beispielsweise mit der zu Reinfektionen „einladenden“ Omikron-Variante BA.5. Damit grenzt sich Long Covid von Post Covid ab, womit ein Zeitraum bezeichnet wird, in dem die Symptome mindestens zwölf Wochen nach der Infektion anhalten. Ein Grund zur Panik müsse dieser Zustand aber nicht sein. Schließlich seien Langzeitfolgen bei Viruserkrankungen der Regelfall, heißt es vom Allgemeinmediziner Christoph Specht bei RTL.

Was können Long Covid Symptome nach einer überstandenen Covid-19-Infektion sein?

„Fast jede Viruserkrankung kann auch Langzeitverläufe zeigen. Sehr bekannt ist das von der Grippe [...] So wäre es verwunderlich, wenn ausgerechnet Corona keine Langzeitverläufe hervorbringen könnte“, verrät Specht weiter. Generell können Gliederschmerzen, anhaltende Müdigkeit, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeitsdefizite, Luftnot oder auch der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns auf Long Covid hindeuten. Im vollen Umfang weist das RKI auf folgende Long-Covid-Symptome hin:

Aber: Die genannten Symptome müssen nicht nur auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen sein. Schließlich würden viele Menschen auch dazu neigen, „über Long-Covid-Symptome zu berichten, dabei ist nicht bewiesen, dass die Corona-Infektion tatsächlich der Auslöser der Beschwerden ist“, sagt Christoph Specht. Bedeutet was konkret?

Symptome bei Long Covid nicht mit dem Fatigue-Syndrom verwechseln

In der gegenwärtigen Corona-Lage, in der eine Infektion mit Omikron BA.5 sehr „heftig“ ausfallen kann, würde es vielen Menschen schwerfallen, Symptome richtig einzuordnen. Zudem würden auch die individuellen Empfindlichkeiten hierbei eine tragende Rolle spielen. Betroffene könnten beispielsweise Müdigkeit und Erschöpfung nach einer Covid-Infektion Long Covid zuordnen. Dabei kann auch das Fatigue-Syndrom der Auslöser für anhaltende Antriebslosigkeit sein.

Was ist mit dem Fatigue-Syndrom gemeint?

Der Begriff „Fatigue“ („Müdigkeit“, „Erschöpfung“) wurde 2000 von Gregory Court als „signifikante Müdigkeit, erschöpfte Kraftreserven oder erhöhtes Ruhebedürfnis, disproportional zu allen kürzlich vorangegangenen Anstrengungen“, definiert. In Deutschland wird der Begriff oftmals als Bezeichnung für ein krebsbedingtes Symptom verwendet. Ärzte sprechen aber auch vom „Fatigue-Syndrom“, wenn Erschöpfungssymptome diagnostiziert werden. Und auch bei manchen Virusinfektionen tritt Fatigue als Langzeitfolge auf. (Quelle: „Impact of cancer-related fatigue on the lives of patients: new findings from the Fatigue Coalition“ von Gregory Court u.a.)

Der Allgemeinmediziner Christoph Specht stellt per se aber nicht infrage, ob es überhaupt Long Covid gibt. Er wolle Menschen auch nicht die skizzierten Symptome ausreden. Doch warnt Specht vor zu schneller Panikmache: „Ja, es gibt die verlängerten Verläufe, es wäre ein Wunder, wenn es die nicht gäbe. Aber der Nocebo-Effekt spielt ganz sicher auch eine Rolle“. Damit ist gemeint, dass allein der Glaube an etwas Negativem sich körperlich spürbar äußert. Wie bei möglichen Symptomen von Long Covid.

Alltag trotz Long Covid möglich? Experte rät, „das Leben nicht zu vergessen“

Wenn aber die Symptome, die während einer akuten Corona-Infektion aufgetreten sind, länger als vier Wochen anhalten – und man nicht mehr von Long Covid, sondern von Post Covid spricht – „sollte man mal zu einem Arzt gehen“, empfiehlt Christoph Specht. Das Vorbeugen, geschweige denn das Entgegenwirken von Long Covid schon während der Infektionszeit, sei aber nicht möglich. Der Rat vom Allgemeinmediziner: „Das Leben nicht zu vergessen“.

Bedeutet in der Praxis, seinen Alltag als Betroffener von Long Covid oder auch Post Covid schnellst- und bestmöglich fortzuführen. Auf die Symptome sollte man sich nicht zu sehr fixieren. Grundsätzlich könne man auch zuversichtlich sein, dass sich viele Symptome wieder legen. Beispielhaft nennt Christoph Specht den Geschmacksverlust beziehungsweise die Geschmacksstörung. Diese würde bei der Omikron-Variante und ihren Subvarianten, wie zum Beispiel den sehr ansteckenden BA.4 und BA.5, auch „nur noch sehr selten beeinflusst werden“.

Long Covid: Noch keine Behandlungsmethoden, doch viele ratsame Tipps

Eine allgemein wirksame und offiziell anerkannte Therapie gegen Long Covid gibt es bis dato noch nicht. Der Physiotherapeut Jesko Streeck würde je nach Symptomen aber auf Konditions- oder Aufbautraining setzen. Rund 40 Prozent seiner Patienten leiden an Long- und Post-Covid-Symptomen. Was Streeck raten kann: beim Sport regelmäßig den Blutdruck und Sauerstoffgehalt zu überprüfen.

Was ist mit Long Covid gemeint?

Das RKI verweist auf „zahlreiche mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen“, die aus einer vorangegangenen Infektion mit dem Coronavirus resultieren können. Diese Beeinträchtigungen treten entweder schon in der akuten Erkrankungsphase auf oder aber erst im Verlauf von Wochen nach der Infektion. Ähnlich ist es in der Leitlinienempfehlung vom britischen „National Institute for Health and Care Excellence“ (NICE) formuliert. Hier wird Long Covid „als gesundheitliche Beschwerden, die jenseits der akuten Krankheitsphase einer SARS-CoV-2-Infektion von 4 Wochen fortbestehen oder neu auftreten“, definiert.

„In den Aktivitäten, die Sie machen, lassen Sie das Gerät an und so können Sie sehen, wie weit Sie abfallen. Fallen Sie ab, wäre als Folge im Prinzip eine Atemtherapie, hätten Sie Schwierigkeiten mit der Herzgeschichte – in den meisten Fällen bei Bluthochdruck – Ausdauertraining“, empfiehlt der Physiotherapeut einen Fitnesstracker. Zusätzlich helfen kann bei der Heilung vom Körper auch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, die Ärzte empfehlen. Selbiges gilt für B-Vitamine, Zink und Folsäure. Das muss zuvor jedoch mit dem Hausarzt besprochen werden.

Long Covid: Risiko steigt laut Studie durch Corona-Reinfektionen um das Doppelte

Vorsicht ist aber auch geboten, da durch die bereits erwähnten Corona-Reinfektionen das Risiko von Long Covid steigt. Darauf verweist eine allerdings noch nicht überprüfte Preprint-Studie rund um das Forscherteam Ziyad Al-Aly von der University of Washington. Hierfür werteten die Wissenschaftler die Krankenkassen-Daten von 257.427 ehemals infizierten Veteranen der US-Armee aus.

Menschen, die sich reinfiziert hatten, hätten gegenüber Erstinfizierten während der akuten Phase und auch im Zeitraum von sechs Monaten nach der Diagnose ein doppelt so hohes Sterberisiko. Ebenso wiesen ein dreifach höheres Risiko bei einer Krankenhauseinweisung auf, sowie ein doppelt so hohes Risiko für eine Folgeerkrankung an Atemorganen und dem Herzkreislaufsystem.

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