Infrastruktur

E-Autos: In Deutschland sind tausende Ladesäulen in Betrieb – viele davon illegal

 TESLA-Ladesäule für E-Autos an einer Tankstelle an der Autobahnausfahrt der A96 im Allgäu.
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Autobauer wie Volkswagen, Daimler und Porsche wollen bald ihre Flotte komplett auf Elektromobilität umstellen. Doch können E-Ladestationen da mithalten? Viele sind noch nicht geeicht.

E-Ladesäulen sind in Deutschland nicht nur Mangelware, sondern häufig auch noch illegal. Denn viele halten das Eichrecht nicht ein. Für Kunden ist das keine gute Nachricht.

München - Tausende öffentliche Schnelladesäulen sind illegal. Das berichtet das Handelsblatt und beruft sich dabei auf Herstellerangaben sowie auf Erhebungen der Fachgruppe Recht des Förderprojekts „IKT für Elektromobilität“ für das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Sie halten das Eichrecht nicht ein*, sodass Verbraucher nicht sicher sein können, ob die Messung stimmt und sie die korrekte Energiemenge erhalten. Betroffen sind große Anbieter wie EnBW, Allego, aber auch Tesla*. Auch Normalladesäulen und Wallboxen sind nicht unbedingt korrekt geeicht.

Ein Drittel aller Ladestationen in Bayern illegal: Politik und Behörden drücken ein Auge zu

Autobauer wie Volkswagen*, Daimler und Porsche* wollen bald ihre Flotte komplett auf Elektromobilität umstellen*. Die Nachfrage nach E-Tankstellen wird also künftig steigen, noch sind sie in Deutschland allerdings Mangelware. Aktuell gibt es rund 40.000 Normalladepunkte in Deutschland und etwa 7.000 Schnellladestationen. Die Bundesregierung will das Netz bis 2030 auf eine Millionen Ladepunkte erweitern – das scheint fast unerreichbar.

Um den schnelleren Ausbau des Ladenetzes zu fördern, drücken Behörden und Politik derzeit beim Eichrecht ein Auge zu. Eigentlich soll diese Regelung dafür sorgen, dass die abgegebene Menge an Energie auch der bezahlten entspricht. Gerade bei Schnellladestationen sind wegen der hohen Stromstärken Verluste möglich. Als eichrechtskonform gilt eine Fehlergrenze von einem Prozent. Davon sind die E-Ladestationen aktuell weit entfernt. Momentan gibt es deshalb kaum Kontrollen und keine Bußgelder.

„Mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium wurde abgestimmt, die Elektromobilität und den Ladesäulenaufbau nicht zu behindern“, sagt Thomas Schade vom Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht gegenüber dem Handelsblatt. Die Bundesländer können in diesem Punkt nach eigenem Ermessen agieren. Eine Ladestation vom Netz zu nehmen wäre dabei die härteste Maßnahme, wenn Vorgaben nicht eingehalten werden. „Würden wir das durchsetzen, würde die Ladeinfrastruktur in Deutschland zusammenbrechen“, sagt Schade. Rund ein Drittel der Ladestationen in Bayern und ein Viertel in Niedersachsen sind gesetzeswidrig.

E-Ladesäulen ohne Eichung: Verbraucherzentrale fordert Preisnachlass von 20 Prozent

Der Kunde selbst kann nicht nachprüfen, ob die erhaltene Strommenge korrekt ist, weshalb er sich eigentlich auf die Eichung verlassen muss – so wie auch bei herkömmlichen Zapfsäulen an der Tankstelle. Zwar hat die Allgemeinheit ein Interesse an einer guten Infrastruktur mit E-Ladestationen. Doch der Schutz der Verbraucher leidet darunter. Eine Lösung sieht der Verbraucherzentrale Bundesverband in einem Preisnachlass von 20 Prozent an den E-Ladestationen.

Diesen Rabatt sollen Kunden solange erhalten, bis alle Ladestationen die Vorgaben einhalten. Betreiber könnten Strom alternativ auch verschenken. Das ist teilweise bei Supermärkten wie Aldi* und Lidl*, sowie bei manchen Baumärkten oder Schnellrestaurants der Fall.

Behörden zeigen sich optimistisch: Umbau bis 2022 möglich

Die Behörden haben die Betreiber von Ladesäulen gebeten, einen Plan zu erstellen, bis wann sie das Eichrecht einhalten werden. Auch den aktuellen Bestand sollen die Anbieter angeben. Die Betreiber stehen vor technischen Herausforderungen: Lange fehlten entsprechende Messgeräte, insbesondere für Schnellladesäulen. Diese waren schlicht noch nicht entwickelt, Experten rechnen mit einer Entwicklungszeit von insgesamt rund drei Jahren. „Eine nicht eichrechtskonforme Ladesäule umzurüsten kann teilweise aufwendiger sein, als eine neue Ladesäule aufzubauen“, ergänzt Checrallah Kachouh, Co-Chef des Ladesäulen-Betreibers Compleo.

Der schwarze Peter liegt bei den Behörden, allerdings nicht allein dort: Einerseits gestalteten sich die Zulassungsprozesse recht langwierig. Andererseits schienen die Betreiber von Ladesäulen zunächst abwarten zu wollen, statt mit der Umrüstung zu beginnen. „Lange war aber nicht der Druck bei den Herstellern da, sie haben abgewartet und vielleicht darauf spekuliert, dass die härteren Regeln doch nicht eingefordert oder abgeschwächt würden“, sagte Juristin Katharina Boesche gegenüber dem Handelsblatt. Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Einige Ladestationen von Compleo, Porsche, ABB und Alpitronic halten die Anforderungen des Eichrechts bereits ein. Und die Behörden zeigen sich optimistisch: Sie hoffen, dass bis Mitte 2022 alle Schnellladesäulen eichrechtskonform sind.

Derweil hat Elon Musk Ernst gemacht - und mit Tesla dem legendären Silicon Valley den Rücken gekehrt. Für Regionen wie den Großraum München könnte das ein Warnsignal* sein. *Merkur.de ist ein Angebot IPPEN.MEDIA

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