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Krebs-Studie: Eiweißarme Ernährung könnte Darmkrebszellen „verhungern“ lassen

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Von: Carolin Gehrmann

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Eine neue Studie legt nahe: Proteinarme Ernährung könnte Auswirkungen auf Darmkrebszellen haben. Im Experiment zeigte sich, dass die Krebszellen „aushungerten“. Eignet sich der Ansatz als Therapie?

Michigan/Bremen – Keine Frage: Krebsforschung gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Experten warnten erst kürzlich vor einer Krebsepidemie durch Corona, die uns in den nächsten Jahren bevorstehe, wenn nicht durch zielgerichtete und finanzstarke Forschung gegengesteuert würde. Einem Forschungsteam von der Universität Michigan ist es gelungen, neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Therapie von Darmkrebs zu gewinnen. Und die haben mit der Ernährung zu tun.

In ihrem Experiment scheint sich nämlich ein interessanter Zusammenhang zwischen einer eiweißarmen Ernährung und dem Absterben von Darmkrebszellen in Dickdarmtumoren zu zeigen.

Forscher stoßen auf Zusammenhang zwischen eiweißarmer Ernährung und Absterben von Daermkrebszellen

Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört auch proteinreiche Kost: Eier, Milchprodukte und Fleisch enthalten Eiweiß, aber es gibt auch jede Menge pflanzliche Proteinquellen wie Soja, Nüsse oder Linsen. Doch bei Darmkrebs könnte sich die Zufuhr von Eiweiß möglicherweise ungünstig auswirken. Oder umgekehrt: Das Weglassen von Eiweiß könnte Darmkrebszellen „verhungern“ lassen. Zu diesem Schluss kommen Forschende des Rogel Cancer Center der University of Michigan, die sich in ihrem Experiment speziell mit Darmkrebszellen beschäftigt haben.

Auch wenn die Heilungsrate bei Krebs in den letzten Jahrzehnten immer weiter steigt, ist die Bedrohung durch Darmkrebs nach wie vor groß. In Deutschland stellt sie noch immer die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache dar. Zu den möglichen Ursachen und Therapiemöglichkeiten wird daher entsprechend viel geforscht. Generell gehen Fachleute davon aus, dass eine unausgewogene, ballaststoffarme Ernährung mit viel rotem Fleisch die Entstehung von Darmkrebs begünstigen kann. Auch sollen bestimmte Fertiggerichte das Darmkrebs-Risiko erhöhen.

Experiment zeigt: Ohne Eiweiß geraten die Darmkrebszellen in eine „Krise“ – und sterben ab

Professor Dr. Yatrik M. Shah von der University of Michigan hat sich gründlich mit dem Themenkomplex Darmkrebs und Ernährung beschäftigt. Sein spezielles Augenmerk galt dabei einem bestimmten Molekül namens mTORC1, das in allen Zellen vorhanden ist und zu einem erheblichen Grad an der Zellbildung beteiligt ist. Es erkennt nämlich bestimmte Nährstoffe, die von den Zellen benötigt werden, um zu wachsen – auch von Krebszellen. In Darmkrebszellen ist dieses Molekül hyperaktiv, wie frühere Forschungsarbeiten nahelegen.

Darmkrebsforschung: Molekül, das für Zellwachstum sorgt, wird bei Eiweißmangel blockiert

Illustration einer Darmkrebs-Zelle, denen E.coli injiziert wurde
Forscher entdecken möglichen Zusammenhang zischen proteinarmer Ernährung und dem Absterben von Darmkrebs-Zellen. (Symbolbild) © epa Handout/dpa

Ausgehend von der Überlegung, dass Dickdarmkrebszellen die besondere Eigenschaft von mTORC1, Nährstoffe zu erkennen, ausnutzen, um schneller zu wachsen, bauten die Forschenden ihr Experiment auf: Im Versuch mit Mäusen mit Darmkrebs zeigte sich dann, dass durch eine eiweißarme Ernährung die Nährstoff-Erkennung des Moleküls mTORC1 blockiert wird. Ohne die Nährstoffe, welche die Krebszellen für ihr Wachstum benötigen, gerieten sie in eine Art „Krise“, wie Studienerstautor Professor Dr. Yatrik M. Shah erklärt. Sie wüssten einfach nicht mehr, was sie tun sollten. Letztlich führe diese Krise zum Zelltod. Die Tumorzellen würden nach Ansicht der Forscher durch den Mangel an Protein also regelrecht „ausgehungert“.

Forschung zu Darmkrebs: Andere Mittel, die das Molekül blockieren, müssen weiter erforscht werden

Laut den Studienautoren ist aus der standardmäßigen Darmkrebs-Therapie bereits bekannt, dass das Molekül mTORC1 dazu neigt, Mutationen auszubilden, die dafür sorgen, dass Krebszellen resistenter gegen eine Behandlung werden. Daher wurde bereits zuvor versucht, das Molekül über andere Wirkstoffe zu blockieren. Die Erkenntnisse im Hinblick auf die Reduktion der Eiweißzufuhr könnten eine Marschrichtung für weitere Forschung in diesem Bereich vorgeben.

Eiweißarme Ernährung eignet sich nicht als Therapie gegen Krebs

Nur auf die Ernährung bei der Therapie von Krebs zu setzen, halten auch die Studienautoren für falsch, auch wenn der Ansatz vielversprechend ist. Eine Krebsbehandlung kann eine Ernährungsumstellung nämlich nicht ersetzen. „Eine eiweißarme Diät ist keine alleinige Behandlung“, hebt der beteiligte Wissenschaftler Dr. Sumeet Solanki daher auch hervor. Eine Diät müsse immer auch mit anderen Maßnahmen kombiniert werden. Auf Eiweiß zu verzichten, ist nämlich nicht risikofrei, da Krebs-Betroffene und auch Ältere ohnehin oft unter Muskelschwäche und Gewichtsverlust leiden.

Durch eine reduzierte Eiweißaufnahme könnten sich diese Probleme verschlimmern, da die Muskelmasse dadurch noch stärker abnimmt. Krebspatienten langfristig auf eine eiweißarme Diät zu setzen, sei daher nicht ideal, bestätigt auch Shah. Der Frage, ob es sinnvoll ist, eine Ernährungsumstellung unterstützend über einen kurzen Zeitraum während der Krebstherapie einzusetzen, muss als Bestandteil der Krebsforschung erst noch weiter nachgegangen werden. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler aus Michigan, die in der Fachzeitschrift Gastroenterology veröffentlicht wurden, könnten hierfür eine gute Basis bieten.

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