"Klatsch, klatsch, klatsch" - Donaldisten tagen

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Die Fahne von Entenhausen weht  vor dem "Duckup" Denkmal. Aus dem Denkmal der Sagengestalt Huckup wird aufgrund des 34. Kongresses der D.O.N.A.L.D mit Hilfe einer Donald Maske ein "Duckup" Denkmal.

Hildesheim - Vor allem Kinder lesen die Comcis. Erwachsene befassen sich auf einem Kongress mit der Entenfamilie von Donald Duck. Welche Fragen dabei von Interesse sind, lässt manch' Unbedarften staunen.

Neurobiologie? Nanoteilchen? Neue Energiequellen? Pah! Die einzig wahre Wissenschaft ist die Erforschung der Disney-Ducks aus Entenhausen - jedenfalls wenn es nach den Mitgliedern der "Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.)" geht. Mehr als 100 Jünger der Entenhausen-Forschung haben sich am Samstag in Hildesheim getroffen, um die neuesten Ergebnisse der Entenforschung zusammenzutragen.

Dass die Donaldisten-Tagung in diesem Jahr in Hildesheim stattfand, kommt nicht von ungefähr. Schließlich läuft im hiesigen Roemer- und Pelizaeus-Museum gerade die "Duckomenta"-Sonderausstellung, bei der mit Entenschnäbeln verfremdete Nachbildungen von bekannten Werke der Kunstgeschichte ausgestellt sind. Natürlich kam auch Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens (parteilos) zur Eröffnung des Donaldisten-Kongresses.

"Es geht um den Speicher. Deshalb treibe ich mich in Ihrer Nähe herum", gesteht Machens, bevor er das mit einer Donald-Mütze zum "Duckup" umgestaltete Huckup-Denkmal in der Hildesheimer Innenstadt enthüllt. Den Kommunalpolitiker lockt also der berühmte Geldspeicher von Dagobert Duck, dessen Inhalt er wohl zur Aufbesserung der chronisch klammen städtischen Haushaltskasse gut gebrauchen könnte. Doch einen Zugang zu Dagoberts Geldspeicher haben auch die Donaldisten noch nicht gefunden - auch wenn sie im Rahmen ihrer Forschungen schon einen exakten Stadtplan von Entenhausen gezeichnet haben.

Keine Frage scheint den Entenhausen-Experten in ihrem pseudowissenschaftlichen Eifer zu abwegig. So referiert Donald-Forscher Wilfried Trost beim Jahreskongress wortreich "neue Antworten auf eine alte Frage": die exakte Größe von Donald Duck, der er sich mit zahlreichen Messungen in Comic-Zeichnungen angenähert hat. Susanne Luber beschäftigt sich in ihrem Vortrag mit donaldistischer Geschlechterforschung: "Zuckerpüppchen oder Zimtzicke - Daisy Duck im Genderlook" lautet der Titel ihres Referats.

Die Donaldisten rühmen sich, in der Vergangenheit immer wieder die Feuilletons auch seriöser Tageszeitungen mit Entenhausen-Vokabular unterwandert zu haben. Einer dieser subversiven Kräfte ist Patrick Bahners. Der Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) beschäftigt sich in der Regel mit ernsten Themen. Zuletzt hat er mit seinem Buch "Die Panikmacher" eine Art Anti-These zu Islamkritikern wie Thilo Sarrazin geliefert.

Auch beim Donaldisten-Kongress packt Barners, Ehrenmitglied der Donaldistischen Akademie der Wissenschaft, dieses heiße Eisen an und beschäftigt sich mit den "Grenzen der Toleranz" in Entenhausen. Da müssen dann der "Maharadscha von Zasterabatt" und der Herrscher von "Majoran" für die Illustration von Barners' Thesen herhalten. Dass er auch auf diese Weise keinen Beifall aus dem Sarrazin-Lager erhalten wird, weiß Barner selbst. "Islamkritiker haben mich schon als donaldistischen Taliban bezeichnet", räumt der FAZ-Ressortleiter mit einem Augenzwinkern ein.

Von den Gepflogenheiten internationaler wissenschaftlicher Fachkongresse halten die Donaldisten übrigens wenig. Statt Applaus werden die Ausführungen der Referenten von Comic-typischen Lautmalereien wie "Klatsch, klatsch, klatsch" oder "Hört, hört" unterbrochen. Und an mehr oder weniger passenden Stellen erheben sich die Entenhausen-Erforscher, um ihre Donaldisten-Hymne zu singen. Für die Anhänger liefert das Duck-Universum die Vorlage für Phänomene in der realen Welt. So macht Luder eine "postfeministische Gesellschaft" in Entenhausen aus. "Auch da ist uns Entenhausen Vorbild und Mahnung." 

Von Sebastian Knoppik, dpa

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