Kirche will stärker auf Missbrauchsopfer eingehen

Würzburg - Die katholische Kirche will Missbrauchsfällen künftig wirksam vorbeugen und den Blickwinkel der Opfer verstärkt beachten. Die deutsche Bischofskonferenz berät über neue Richtlinien.

Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Würzburg mit. Dort hatte der Ständige Rat, in dem alle 27 Diözesen vertreten sind, über eine Neufassung der bisherigen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Geistliche beraten. “Wir spüren, dass die Kirche Vertrauen bei den Menschen verloren hat. Wie Vertrauen wiedergewonnen werden kann, wird die deutschen Bischöfe in den nächsten Wochen besonders beschäftigen“, hieß es in der Erklärung nach der eintägigen Klausur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In einer ersten Lesung berieten die Bischöfe eine revidierte Fassung der Leitlinien von 2002. Unter anderem präzisiere der Entwurf das Verhältnis der kirchlichen Einrichtungen zu den staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Er mache deutlich, dass die Kirche keinen Rechtsraum losgelöst vom staatlichen Recht beanspruche. Die überarbeiteten Leitlinien sollen mit Unterstützung auch externer Experten weiterentwickelt und im Sommer verabschiedet werden. Die kirchliche Jugend-, Schul- und Elternarbeit hat laut Bischofskonferenz erste Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention ergriffen, über die sich die Bischöfe informierten.

Der Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, informierte über Maßnahmen zur Verbesserung der Aufklärung von gegenwärtigen und zurückliegenden Fällen. Zudem präsentierte er die bisherigen Erfahrungen mit der oft überlasteten Telefon-Hotline. Bereits nach drei Wochen waren mehr als 17.000 Telefonanrufe registriert worden. 1200 Anrufer wurden erstmals beraten. Der Ständige Rat dankte allen, “die in den letzten Wochen zu einer Klärung der Taten beigetragen haben, die vielen Kindern und Jugendlichen vor teils schon sehr langer Zeit großes Leid zugefügt haben“. Engagiert arbeite die Kirche am Berliner Runden Tisch mit: “Er gibt die Gelegenheit, die gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems zu diskutieren und zu Absprachen und gemeinsamen Selbstverpflichtungen der Teilnehmer zu gelangen.“

dpa

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