Kinderschänder-Fall: Polizei sieht Mitschuld bei Eltern

Berlin - Im Fall des Kinderschänders von Berlin sieht die Polizei eine Mitschuld bei den Eltern der missbrauchten Mädchen. Sie sollen Warnungen der Beamten nicht ernst genommen haben.

Nach der erneuten Verhaftung eines verurteilten Kinderschänders in Berlin drei Jahre nach seiner Haftentlassung sehen Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mitschuld der Eltern der missbrauchten Mädchen.

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Obwohl Familien in der Nachbarschaft des verurteilten Sexualstraftäters mehrfach von der Polizei gewarnt worden seien, hätten sie den Kontakt zu dem Mann nicht abgebrochen, kritisierten die Ermittlungsbehörden die Betroffenen.

Die Missbrauchs-Fälle hätten sich in einem sehr schwierigen sozialen Milieu abgespielt. LKA-Chef Peter-Michael Haeberer verteidigte gleichzeitig die Überwachung durch die Polizei.

Eine dauerhafte Observation des Mannes sei “schlicht illegal“, sagte Haeberer, der das Landeskriminalamt (LKA) leitet, der “Berliner Morgenpost“ (Freitag).

Manche ignorierten Warnungen der Polizei

An diesem Montag will sich der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Fall befassen. Staatsanwalts-Sprecher Martin Steltner sagte, die Eltern der Mädchen in der Hochhaussiedlung, wo auch der Mann wohnte, seien von der Polizei angesprochen worden.

“Aber manche haben das auch ignoriert.“ Zudem habe der Mann, der elf Jahre wegen sexuellen Missbrauchs im Gefängnis saß, sehr geschickt die Weisungen der Polizei umgangen.

Erst über Umwege sei ein Missbrauchs-Fall von 2008 später bekanntgeworden, weil ein damals elfjährige Mädchen einer Nachbarin davon erzählte.

Ziel der laufenden Ermittlungen sei es, so viel belastendes Material zu sammeln, dass der Mann nicht wieder freikomme. “Jetzt gibt es die Möglichkeit der Sicherungsverwahrung.“

Sicherheitslücke bringt Kinderschänder auf freien Fuß

Der Mann hatte elf Jahre in der Stadt Brandenburg im Gefängnis gesessen, weil er zwischen 1992 und 1995 neun Mädchen vergewaltigt hatte.

2007 wurde er wegen einer Gesetzeslücke zur Sicherungsverwahrung entlassen, obwohl er als gefährlich eingestuft wurde. Der Bundestag schloss im März 2007 die Gesetzeslücke.

Auswirkungen auf den Fall aus Brandenburg hatte das aber damals nicht, weil der Mann vor Inkrafttreten des Gesetzes bereits aus der Haft entlassen war.

dpa

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