Kinderpornos: Priester beurlaubt

Arnsberg - Ein Priester aus dem Sauerland soll in mehr als 100 Fällen Kinderpornos gesammelt und verbreitet haben.

Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg ermittelt wegen “Besitzes, Beschaffung und Verbreitung kinderpornografischer Schriften“ gegen den 31 Jahre alten katholischen Geistlichen, der zuletzt als Vikar in Brilon tätig war. “Wir wurden Mitte Juli von Kollegen in Süddeutschland über den Verdacht informiert“, sagte Oberstaatsanwalt Josef Hempelmann am Donnerstag. Bei Durchsuchungen in der Wohnung und im Pfarrbüro wurden zwei private Computer mit Beweismaterial sichergestellt. Der 31- Jährige habe die Vorwürfe eingeräumt.

Das Erzbistum Paderborn habe sofort reagiert und den Vikar beurlaubt, sagte Bistums-Sprecher Ägidius Engel. Zunächst führte die Spur aus Süddeutschland ins Briloner Pfarrhaus. “Dort wird der Telefonanschluss verteilt“, sagte Engel. Auf den Kirchen-Computern seien aber keine Kinderpornos gefunden worden. Ein Computer und ein Laptop des 31-Jährigen werden derzeit ausgewertet. “Das ist bei uns der erste gravierendere Fall im Kinderporno- Bereich seit längerer Zeit“, sagte Hempelmann.

Der Geistliche sei Mitglied eines Kinderporno-Tauschringes gewesen. Zudem habe der 31- Jährige zumindest mit einem anderen Mann auf anderem Wege seine Bilder getauscht. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, sei unklar. “Grundsätzlich hat er alles eingeräumt“, sagte Hempelmann. Erst nach Abschluss der Ermittlungen werde dann entschieden, ob Anklage erhoben wird oder das Verfahren mit einem Strafbefehl endet.

Das Erzbistum reagierte bestürzt auf den neuerlichen Fall von Kinderpornografie bei Priestern. “Das war ein beliebter Vikar“, sagte Engel. Im vergangenen Jahr waren zwei Geistliche aus Hamm und Bielefeld wegen Besitzes von Kinderpornos zu Geldstrafen verurteilt worden. Genau wie in diesen Fällen will das Erzbistum auch in dem neuen Fall erst die strafrechtliche Aufarbeitung abwarten. “Danach werden wir überlegen, ob und wie er weiter eingesetzt wird“, sagte Engel. Derzeit werde der beurlaubte Geistliche sowohl seelsorgerisch wie auch psychologisch betreut. Bereits im Vorfeld der Ermittlungen war der Vikar nach vier Jahren in Brilon ins hessische Korbach versetzt worden. Dort sollte er ursprünglich am 22. August eingeführt werden, sagte Engel.

dpa

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