„Kein Täter werden“: Charité-Projekt gegen Kindesmissbrauch

Berlin - Die Berliner Charité weitet ihr Engagement gegen Kindesmissbrauch aus. Sie will von dieser Woche an Menschen Hilfe anbieten, die sich von Kinderpornografie angezogen fühlen.

Die Charité-Experten des Instituts für Sexualwissenschaft wollen dann zum Beispiel Männern helfen, die illegalen Kinderpornografie-Angeboten im Internet schwer widerstehen können - aber etwas dagegen tun möchten. An diesem Donnerstag will die Charité ausführlich über ihr neues Projekt berichten, teilte die Klinik am Mittwoch mit.

An der Charité läuft bereits seit mehreren Jahren ein Forschungs- und Präventionsprojekt gegen Kindesmissbrauch. Mit dem Satz “Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?“ machte das Institut auf das Angebot aufmerksam. Dabei wird Männern geholfen, die beim Anblick von Kindern sexuelle Fantasien entwickeln - und keine Übergriffe begehen wollen. Voraussetzung für eine Therapie ist, dass die Männer nicht straffällig geworden sind. Es geht ausschließlich um Vorbeugung. Die Internetseite heißt wie das Motto des Hilfsangebots: www.kein-taeter-werden.de.

Mit dem neuen Medium Internet ist der Missbrauch von Kindern für Pornodarstellungen zu einem großen Problem geworden. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden jedes Jahr weltweit 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen zum Sex gezwungen - viele auch für die Produktion von Kinderpornos. Nach Einschätzung von Experten hat die Nutzung von Kinderpornografie im Internet ein erschreckendes Ausmaß angenommen. 15 Millionen Abbildungen kursieren nach Angaben von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits im Netz - mehr als doppelt so viele wie 2007. Täglich kämen 200 neue Kinderporno-Bilder dazu.

Nach einem Beschluss des Bundestags in der vergangenen Woche dürfen in Deutschland erstmals Internet-Seiten gezielt gesperrt werden. Zur Bekämpfung von Kinderpornografie werden die deutschen Netzanbieter verpflichtet, den Zugang zu solchen Seiten zu erschweren.

dpa

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