Nach der Geiselnahme

"Hansa Stavanger": Jetzt spricht der Kapitän

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Krzysztof Kotiuk, Kapitän des Schiffes "Hansa Stavanger", mit seiner Frau Bozena.

München - Eine Woche nach seiner Freilassung aus der Geiselhaft somalischer Piraten zeigt sich der Kapitän des deutschen Frachters "Hansa Stavanger" erleichtert und erschöpft zugleich.

Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass Krzysztof Kotiuk als Geisel somalischer Piraten monatelang auf der "Hansa Stavanger" um sein Leben bangen musste. Mit lässig aufgeknöpftem Hemd sitzt der Kapitän auf einer Parkbank vor seinem Zuhause in München, umarmt seine Frau Bozena, spielt mit seinem Labrador Ivo. Doch sobald der 60-Jährige über die vergangenen vier Monate spricht, spürt man, wie aufgewühlt er innerlich ist. "Ich bin sehr müde, ich brauche einfach Ruhe", sagt er und wirkt dabei einfach nur erschöpft.

Einen Tag nach seiner Rückkehr nach München, wo Kotiuk seit mehr als 20 Jahren wohnt, hat der Seefahrer am Mittwoch bereitwillig ein paar Fotos von sich machen lassen und mit Journalisten gesprochen. Der Termin durfte nur ganz kurz sein, das war seine Bedingung. Selbst das Bundeskriminalamt (BKA) habe ihm zugesichert, ihn wenigstens eine Woche lang mit Fragen zu verschonen, erzählt Kotiuk.

Doch danach wird der Seefahrer den Ermittlern Auskunft über seine Erlebnisse geben müssen. Piraten hatten das deutsche Containerschiff "Hansa Stavanger" am 4. April rund 400 Seemeilen vor der Küste Somalias gekapert. Erst am 3. August kamen Kotiuk und die übrigen 23 Besatzungsmitglieder gegen ein Millionenlösegeld frei.

Viele Details aus seiner Geiselhaft nennt Kotiuk nicht, während er um das Mehrfamilienhaus im Münchner Stadtteil Untergiesing spaziert, wo er wohnt. Nur so viel: "Ich habe gedacht, ich komme nicht zurück." Er als Kapitän habe unter einem doppeltem Druck gelitten. Wie alle Besatzungsmitglieder habe natürlich auch er den Terror der Piraten aushalten müssen. Kotiuk habe aber gegenüber seiner Crew nicht zu große Schwächen zeigen dürfen. Er habe versucht, seinen Leuten Mut zu machen, ihnen gesagt, dass alles gut werde. "Dieser Stress war schwierig für mich."

Seit mehr als 30 Jahren fährt Kotiuk zur See. Sein Leben sah zuletzt ungefähr so aus: Vier Monate kreuzte er über die Weltmeere, dann war er für zwei Monate in München, bevor es wieder auf Große Fahrt ging. Ob er jemals zu diesem Rhythmus zurückkehren wird, ist ungewiss. Erst müsse er wieder zu alter Form finden, sagt Kotiuk. "Jetzt würde ich jedes Fischerboot als Piratenboot sehen und falsche Befehle geben oder etwas Falsches machen." Aber fürs Erste sehnt sich Kotiuk ohnehin nur nach Ruhe. "Jetzt freue ich mich, dass ich mit meiner Familie sein kann."

Ehefrau Bozena hatte bei ihrem Mann gewiss auch eine äußerliche Veränderung festgestellt, als sie ihn am Dienstag am Münchner Flughafen endlich wieder in die Arme schließen konnte. Denn Kotiuk nahm während seines Martyriums 15 Kilogramm ab.

Von Michael Kieffer

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