Jeremie: Keine Hinweise auf Entführung

Hamburg - Ist der vermisste Junge Jeremie doch allein mit dem Auto geflüchtet? Die Polizei hat bislang keine Anhaltspunkte für eine Entführung.

„Es gibt keine Hinweise auf eine zweite Person“, stellte ein Sprecher der federführenden Polizeiinspektion Ludwigslust am Dienstag klar. Nach Angaben des Neukirchener Erziehungsvereins, der das Kind vor zwei Jahren in einer Zirkusfamilie im westmecklenburgischen Lübtheen untergebracht hatte, stellte der Amtsvormund Jeremies in Hamburg Strafanzeige wegen Kindesentführung.

Jeremie war vor einer Woche aus Lübtheen mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern verschwunden. Das Auto wurde einen Tag später im hundert Kilometer entfernten Hamburg gefunden, wo Jeremie zuvor bei seinen Großeltern lebte. Von dem Jungen fehlt jede Spur.

Bei der Fahndung nach dem Kind hatte die Polizei am Montag alle Kontaktadressen aufgesucht, an denen der Junge sein könnte. Es soll etwa 50 Orte im Großraum Hamburg geben, an denen Angehörige von Jeremies Familie wohnen. „Es gibt nichts Neues. Wir versuchen ihn weiter zu finden“, sagte eine Polizeisprecherin in Hamburg.

Fahndung auf Hamburg begrenzt

Die Polizei in Ludwigslust schließt es trotz vielfach geäußerter Zweifel weiterhin nicht aus, dass der Junge das Fahrzeug selbst gesteuert hat. „Ob er in der Lage ist, das Auto selbst zu fahren, wissen wir erst, wenn er wieder da ist“, sagte der Sprecher. Seine Pflegemutter habe bei der Vermisstenanzeige vermutet, dass er selbst gefahren ist, zumal er ein paar Tage vorher geäußert haben soll, dass er verschwinden möchte. Später meinte sie jedoch, dass er den alten, schweren Kleintransporter nicht selbst fahren könne. Ein Handy hat Jeremie nach ihren Aussagen nicht dabei. Von wo aus er seinen Großvater in Hamburg angerufen haben soll, ist nicht bekannt. Die Fahndung nach dem Kind ist laut Polizei noch auf Hamburg begrenzt.

Der Fall wird nach Medienberichten am 5. Dezember vor einem Hamburger Familiengericht verhandelt. Die Eltern und die Großeltern des Elfjährigen wollen ein erweitertes Besuchs- und Kontaktrecht erstreiten, berichtete das „Hamburger Abendblatt“ (Dienstag). Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn wollte den Termin auf Anfrage nicht bestätigen: „Familienverfahren sind zum Schutze der Verfahrensbeteiligten grundsätzlich nicht öffentlich“, sagte er. Der Termin sei bereits vor dem Verschwinden des Jungen anberaumt worden.

dpa

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