Zielt er bald auch auf Menschen?

Tierquäler mit Armbrust hält Polizei in Atem

Jena - Er schießt geräuschlos und im Schutz der Dunkelheit auf Kühe und Pferde. Seit Monaten treibt ein Tierquäler im Raum Jena mit einer Armbrust sein Unwesen. Irgendwann könnte er auch auf Menschen zielen.

Ein mit Armbrust bewaffneter Tierquäler versetzt die Dörfer rings um Jena in Schrecken. Seit Monaten attackiert der Unbekannte nachts friedlich grasende Kühe und Pferde. Zuletzt verendete deswegen ein Pferd auf einer Weide in Großbockedra. Und der Armbrust-Schütze kann jederzeit wieder zuschlagen. Die Polizei fahndet inzwischen mit einer sechsköpfigen Sonderkommission „Weide“ nach dem Unbekannten - und will mit Experten des Landeskriminalamtes ein Täterprofil erstellen. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Gesuchte mit seinen geräuschlosen Geschossen irgendwann auch auf Menschen zielt. Treibt hier ein fieser Sadist sein Unwesen?

Brutale Übergriffe auf Tiere, die verstümmelt und getötet werden, gibt es in Deutschland immer wieder. Berüchtigt ist der Pferderipper aus Norddeutschland, der mehr als 100 Pferde tötete und nie gefasst wurde. Auf einer Viehweide im hessischen Gemünden wurde im Januar eine trächtige Kuh zu Tode gequält. In Baden-Württemberg sorgte vor einiger Zeit ein Mann für Aufsehen, der gemeinsam mit einem Bekannten ein Schaf an sein Auto band und es bei Tempo 60 fast zu Tode schleifte. Als sich der Strick löste, fuhren die Männer über den Kopf des Tieres und schmiss es anschließend in einem Wald. Ihr Treiben filmten sie mit einer Handykamera.

Armbrust-Schütze passt bisher in kein klares Schema

Der Ostthüringer Armbrust-Schütze passt bisher in kein klares Schema. Laut Kriminologe Stefan Giebel werden in solchen Fällen zwei Typen unterschieden. Bei dem einen handelt es sich um Menschen, die schlechte Erfahrungen etwa mit Pferden gemacht haben und sich nun rächen. „Sie sind von der Person her oft unscheinbar, beschränken sich auf eine Tierart und handeln aus Distanz heraus etwa mit Schusswaffen“, erläutert Giebel. Bei der anderen Gruppe spielten sadistische Fantasien eine Rolle. „Sie wollen Nähe zum Opfer und dass das Tier möglichst lange leidet.“ Sie beschränken sich laut Giebel nicht auf eine Tierart und können auch für Menschen gefährlich werden. Oftmals fänden sich solche Quälereien in den Biografien von Serienmördern - wie dem berüchtigten Kindermörder Jürgen Bartsch.

Nach seinen Informationen tendiere er bei dem Armbrust-Schützen eher zum ersten Typ, sagt Giebel, der den kriminologischen Dienst des Thüringer Strafvollzugs leitet. „Es könnte jemand sein, der ein Trauma mit großen Tieren hat, aber nicht unbedingt sadistischen Neigungen nachgeht.“ Aber auch Jugendliche, die zum Spaß auf die Tiere schießen, kämen infrage.

"Wer so etwas tut, der ist krank im Kopf"

Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Mehr als zwei Dutzend Hinweise würden geprüft, erläutert Sven Opitz von der Soko „Weide“. Ob immer die selbe Armbrust benutzt wird, konnte er nicht sagen; die verschossenen Bolzen seien aber verschieden. Solche Armbrüste würden als Sportgeräte verwendet. Wer sie erwirbt, müsse mindestens 18 Jahre alt sein. Einen Waffenschein braucht man dazu nicht. Trotz ähnlicher Tierquälereien, die es schon früher im Raum Weimar gab, geht die Sonderkommission zunächst nur fünf Fällen seit Juni 2012 nach, die auf das Konto des Unbekannten gehen sollen.

Die Tierhalter in der Region sind verunsichert. „Wer so etwas tut, der ist krank im Kopf“, sagt Siegfried Stenzel vom Kreisbauernverband Eisenberg/Jena/Stadtroda. Möglichkeiten sich zu schützen, sieht er kaum. Und die reguläre Weidesaison steht erst bevor. Denn noch seien die meisten Tiere im Stall, aber im Frühjahr wollen die Tierhalter ihre Rinder, Schafe und Pferde wieder auf die Weide treiben und dort auch nachts lassen, sagt Stenzel. Doch dort lauert nach wie vor ein Unbekannter, der geräuschlos Pfeile auf die Tiere schießt. Bisher traf er 14 Rinder und zwei Pferde.

Die Polizei fährt nun verstärkt Streife und bittet jeden, der verdächtige Autos oder Personen beobachtet, sich sofort zu melden. Die Aussicht, den Tierquäler auf frischer Tat zu erwischen, ist dennoch gering. Denn er schlägt unregelmäßig und im Schutz der Dunkelheit zu; die Tatorte liegen außerhalb der Ortschaften und die Koppeln sind frei zugänglich. Vielleicht hilft ein finanzieller Anreiz: Tierfreunde haben eine Belohnung von insgesamt 14.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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