Spitzentrainer gesteht hundertfachen Kindesmissbrauch

München - Fassungslos hören die Zuschauer der Staatsanwältin zu. Die Vorwürfe, die dem ehemaligen Hürdenlauf-Bundestrainer Ewald K. zur Last gelegt werden, sind erschütternd: hundertfacher sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Ewald K. ist geständig.

Der Medienrummel ist groß vor dem Saal im Landgericht München II. Als Ewald K. von Beamten in den Gerichtssaal geführt wird, klicken die Fotoapparate. Der 49-Jährige aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) hält sich schützend einen leeren Aktenordner vors Gesicht. Verteidiger Florian Schneider stellt sich wachsam zu ihm. Dann ist das Blitzgewitter vorbei, Ewald K. lässt den Ordner sinken, legt die Hände in den Schoß und sitzt einfach nur da. Der Prozess wird eröffnet.

215 Fälle von Kindesmissbrauch zur Last gelegt

Die Verlesung der Anklage ist nichts für schwache Nerven. Die Vorwürfe, die Staatsanwältin Nina Libera laut und klar vorträgt, wiegen schwer: Insgesamt sind 215 Fälle des sexuellen Misbrauchs an Kindern, 82 weitere an Personen unter 18 Jahren. Dazu kommen einige Fälle von Körperverletzung.

K. hält sich die Hand vor den Mund. Es sieht so aus, als wäre er über sich selbst entsetzt. Darüber, was er acht jungen Menschen angetan hat, weil er sich zwischen 1990 und 2008 an ihnen vergangen hat. Acht Jahre alt war sein jüngstes Opfer. Sechs Jahre lang ertrug das Kind die Übergriffe.

Eine ehemalige Kollegin aus K.s Zeit als Oberkellner in einem renommierten Münchner Hotel beobachtet den Prozess. Sie ist geschockt. „Er war ein wahnsinnig netter Kerl“, sagt die 49-Jährige. Sie selbst habe damals versucht, ihre Kinder bei Ewald K. ins Leichathletik-Training zu geben. Heute ist die Mutter heilfroh, dass dieses Vorhaben gescheitert ist.

Ewald K. nutzte seinen Beruf für Übergriffe

Ewald K. war als Trainer erfolgreich, trainierte unter anderem den Jugendmeister von 1999. Er gab dafür sein Privatleben auf. Beziehungen zu Frauen hätten nie länger als wenige Monate gedauert. Er liebte seinen Beruf – und nutze ihn immer wieder für seine Übergriffe aus: auf Autofahrten zum Training, während des Trainings im Arztzimmer, in der Umkleidekabine, auf der Toilette im Olympiastützpunkt in München, in Trainingslagern.

„Das enstpricht der Wahrheit“, gesteht Ewald K. nach einem Rechtsgespräch unter den Prozessbeteiligten. Eine Erklärung? „Ich kann es heute nicht mehr nachvollziehen, das warum und weshalb.“ Doch er bereut alles, das sagt er immer wieder.

Dabei hätten seine Taten schon viel früher ans Licht kommen können. Eines der Opfer hatte sich im Jahr 2000 seinen Eltern anvertraut. Daraufhin konfrontierte der Vater Ewald K. mit den Vorwürfen. K. stritt damals alles ab, dann wartete er auf eine Anzeige. Doch nichts passierte – bis er schließlich im November 2008 während eines Trainings in der Münchner Werner-von-Linde-Halle verhaftet wurde.

Für sein Geständnis sicherte ihm das Gericht eine Haftstrafe nicht über acht Jahren zu. Über die Sicherungsverwahrung wird am Ende des Prozesses entschieden. Ein Urteil könnte heute fallen.

Von Claudia Bauer

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