Bad Homburger wissen wie's geht

Sensationell: Schüler gewinnen aus Schrott reines Gold

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Schüler schürfen Gold aus alten PCs

Schüler des Kaiser-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg gewinnen reines Gold aus Schrott.

Bad Homburg - Vielen ist es vielleicht nicht bewusst: In den großen Mengen Elektroschrott, die vermutlich in so einigen heimischen Kellern lagern, befinden sich viele wertvolle Stoffe, deren Rückgewinnung sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verknappung wichtiger Rohstoffe lohnt. 

Schüler in Bad Homburg schürfen Gold

Der Chemie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe Q 4 des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums (KFG) hat das getan. Kürzlich hat er nämlich zusammen mit seinem Tutor Thomas Bühl im Rahmen des Unterrichts das Edelmetall Gold aus etwa 6,5 Kilogramm ausgedienten RAM-Modulen - das sind Computer-Arbeitsspeicher - zurückgewonnen.

Die Sache war natürlich, das kann man sich vorstellen, doch recht aufwendig: Zunächst mussten die mit Gold plattierten Kontaktleisten vom Rest der Module getrennt werden. Die Schüler hatten hiermit ihre liebe Mühe - Platinen schneiden sich leider nicht so einfach wie Papier - und zeigten sich bezüglich der Schneidewerkzeuge äußerst kreativ.

"Die Schüler bearbeiteten die Speichermodule mit Gartenscheren, Blechscheren und Papierhebelschneidemaschinen oder spannten sie in einen Schraubstock und brachen die Pin-Leisten mit einer Zange", erklärt Lehrer Bühl.

Bad Homburg: Aus Schrott werde Gold

Die etwa 600 Gramm Kontaktleisten, die nun abgetrennt waren, wurden daraufhin in eine Mischung aus konzentrierter Salzsäure und Wasserstoffperoxidlösung eingebracht, um möglichst alle Metalle - nicht jedoch das Gold - zu lösen.

Es brauchte Geduld: Nach etwa zwei Wochen zeigte sich eine tiefgrüne Schwermetall-Lösung, und am Boden der Gefäße befand sich bereits eine beträchtliche Menge feiner Goldblättchen. Die noch an den Kontaktleisten haftenden Goldreste wurden mit wenig Wasser abgespült. 

Schließlich musste das so erhaltene Rohgold, das noch mit Platinenresten und anderen Stoffen verunreinigt war, zur Aufreinigung in "Königswasser", eine Mischung von etwa drei Volumenteilen konzentrierter Salzsäure und einem Volumenteil konzentrierter Salpetersäure, eingebracht werden, da Gold unter diesen chemischen Bedingungen unter Oxidation und Komplexbildung in Lösung geht.

Jetzt wird's wirklich sehr professionell: Das entstandene Tetrachloridoaurat(III)-Anion, das eine intensiv gelb-gefärbte Lösung hervorruft, wurde selektiv mit Natriumdisulfit reduziert und elementares Gold gefällt, welches filtriert und mit Wasser gewaschen wurde.

Gold und Gewinnungsverfahren werden im Kaiser-Friedrich-Gymnasium ausgestellt

Bühl: "Interessanterweise ist Goldpulver je nach Zerteilungsgrad ein dunkelbrauner bis ockerfarbener Feststoff, der auf den ersten Blick eher nach Erde als nach Gold aussieht." Erst nach Zusammenschmelzen des gefällten Goldpulvers zeigten sich die typischen Eigenschaften wie die goldgelbe Farbe und der metallische Glanz.

Am Schluss erzielte der Chemie-Leistungskurs eine Ausbeute von knapp drei Gramm reinen Golds. Das entspricht aktuell einem Gegenwert von etwa 110 Euro. Das Gold möchten Bühl und die Schüler allerdings nicht verkaufen, sondern in der Schule zusammen mit Anleitungen über das Gewinnungs-verfahren ausstellen. Bühl ist nämlich nicht nur der Gold- sondern vor allem der Erkenntnisgewinn wichtig, denn: "Trotz des aufwendigen Verfahrens bleibt nämlich die Erkenntnis, dass die Rückgewinnung elementarer Rohstoffe aus ausgedienten Gebrauchsgegenständen ein elementarer Bestandteil einer nachhaltig und verantwortlich lebenden Gesellschaft ist und vor dem Hintergrund der Endlichkeit der Ressourcen auf unserem Planeten unbedingt vorangetrieben werden sollte."

Von Sabine Münstermann

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