Staatsanwaltschaft ermittelt

Herzzentrum am Bodensee im Visier der Polizei

Kreuzlingen - Ein privates Herzzentrum am Bodensee ist ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geraten. Ermittelt wird wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz, doch der Fall könnte weitaus größere Dimensionen annehmen.

Gegen einen 53-jährigen Chefarzt der Herzchirurgie wird unter anderem wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Konstanz und die Landespolizeidirektion Freiburg am Dienstag mitteilten. Dem Mediziner wird vorgeworfen, zwischen März 2008 und Februar 2011 Patienten in 47 Operationen Herzklappen eingesetzt zu haben, die in Deutschland nicht zugelassen waren.

Es handelte sich demnach um gespendete menschliche Klappen aus einer Herzklappenbank eines Universitätskrankenhauses in Prag. Eine entsprechende Erlaubnis des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), der zuständigen Bundesbehörde, habe nicht vorgelegen. Die betroffenen Patienten stammten demnach aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Laut Staatsanwaltschaft werden sie derzeit über den Fall informiert.

Millionenschwere Insidergeschäfte?

Nach Recherchen der "Stuttgarter Zeitung" und des SWR hat der Fall aber noch eine weitaus größere Dimension. Wie die Zeitung am Dienstag berichtete, soll es an dem Herzzentrum, zu dem Kliniken in Konstanz und in Kreuzlingen auf der Schweizer Seite des Bodensees gehören, seit Jahren millionenschwere Insidergeschäfte zu Lasten der Krankenkassen gegeben haben.

Innerhalb des Klinikverbundes sollen demnach über eine Tochterfirma im Schweizer Kanton Zug überteuerte Medizinprodukte wie Stents, Herzklappen und Herzkatheter an die beiden Herzkliniken geliefert worden sein. Diese seien teilweise bis zum Vierfachen des handelsüblichen Marktpreises angeboten worden. Die Handelsfirma gehört dem Bericht zufolge ebenso wie die Kliniken zu einer Holding in Kreuzlingen.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt bereits seit vergangenem Juni wegen mehrerer Verdachtsfälle gegen die Verantwortlichen der Klinik, wie "Stuttgarter Zeitung" und SWR weiter berichten. Dabei gehe es auch um die Veruntreuung von Sozialversicherungsbeiträgen. Mitarbeiter, die Anstellungsverträge in der Schweiz haben, sollen in Deutschland beschäftigt worden sein, ohne dass die erforderlichen Abgaben entrichtet wurden.

AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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