BGH hat entschieden

Baby vergewaltigt und getötet - Neues Verfahren

Herford/Bielefeld - Der Fall des vergewaltigten und getöteten Babys Amy aus dem westfälischen Herford wird neu aufgerollt.

Vor fast einem Jahr war der 25-jährige damalige Freund der Mutter wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Totschlags zu einer Haftstrafe von 14 Jahren verurteilt worden. Nun muss das Landgericht Bielefeld prüfen, ob es sich bei der Gewalttat um Mord handelte. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe der Revision der Staatsanwaltschaft stattgegeben, teilte das Landgericht am Dienstag mit (Az.: 4 StR 62/12). Der 25-Jährige hatte das vier Monate alte Mädchen vergewaltigt, geschlagen und geschüttelt.

Das Landgericht habe in seinem Urteil vom 7. Oktober 2011 die Möglichkeit einer Tötung aus niedrigen Beweggründen „nicht erkennbar geprüft“, heißt es in der BGH-Entscheidung. Niedrige Beweggründe sind ein Merkmal für Mord, dann wäre eine lebenslange Freiheitsstrafe zwingend.

Der Angeklagte habe Amy misshandelt und damit das Schreien und Weinen des Kindes selbst verursacht, betont der BGH. Daraufhin habe der 25-Jährige das Kind, das sich nicht beruhigen ließ, so heftig geschüttelt, dass sein Kopf mindestens fünfmal zur Seite flog. Zudem habe er ihm mehrere Ohrfeigen versetzt und so stark gegen den Bauchraum geschlagen, dass Milz und Leber einrissen.

Das Schreien des Kindes sei der Auslöser für die Tötung gewesen, schreiben die BGH-Richter. Selbst wenn der Angeklagte das Kind allein deshalb getötet haben sollte, weil es nicht aufhörte zu schreien, könne dies vor dem Hintergrund des vorangegangenen sexuellen Missbrauchs „auf einen nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehenden und deshalb besonders verachtenswerten Handlungsantrieb hindeuten“.

dpa

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