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Heizperiode kommt: Wie günstig sind Wärmepumpe, Pelletheizung und Fernwärme?

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Von: Johannes Nuß

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Die Energiekosten explodieren, da rückt das Thema Heizen 2022 in den Mittelpunkt. Doch, womit heize ich am günstigsten? Mit Gas, Wärmepumpe, Holz oder Fernwärme?

Berlin – Die Energiekosten in Deutschland explodieren seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Viele Fragen sich: Ab wann soll ich meine Wohnung 2022 heizen? War über den Sommer das Thema noch nicht so präsent in den Köpfen der Menschen, rückt der Herbst das Thema Heizen 2022 schon näher an die Menschen in Deutschland heran. Die Heizsaison 2022 geht los. Die meisten fragen sich aktuell, wie sie im Winter ihre eigenen vier Wände warm bekommen – zu einem annehmbaren Preis. Doch, was ist die günstigste Variante, um mitten in der Klimawende, Energiekrise, Inflationskrise und Ukraine-Krieg seine Wohnung oder Haus zu beheizen? Gas, Wärmepumpe, Holz oder Fernwärme? Ein Vergleich!

Heizperiode 2022: Wie günstig sind Wärmepumpe, Pelletheizung und Fernwärme im Vergleich?

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt einen Vergleich gemacht und ausgerechnet, mit welcher Variante von Heizen man 2022 seine eigenen vier Wände am günstigsten und effektivsten warm bekommt. Als Grundlage der Berechnung hält immer der durchschnittliche Vier-Personen-Haushalt von Familie Mustermann her, die in einem frei stehenden Einfamilienhaus aus dem Jahr 1985 auf rund 150 Quadratmetern lebt und im Schnitt 20.000 kWh für Heizung samt warmen Wasser jährlich verbraucht.

Eine Euromünze steckt in einem Heizungsthermostat, der auf einer Heizkostenabrechnung und Euro-Geldscheinen liegt.
Was ist günstiger? Wärmepumpe, Pelletheizung oder Fernwärme? (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Da die Heizung der Mustermanns den Wirkungsgrad 0,8 hat, wird mit der herkömmlichen alten Gasheizung rund 25.000 kWh Gas verfeuert. Bei einem Preis von 0,18 Euro je kWh ergibt sich so eine jährliche Gasrechnung von 4500 Euro.

Heizsaison: So viel kostet das Heizen 2022 mit einer klassischen Gasheizung

Die Mustermanns wollen allerdings ihre Gasrechnung senken, da in Zukunft die Preise für Energie in Deutschland wohl noch mehr in die Höhe schießen werden. Doch, der Verbrauch einer Heizung hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Zum einen muss berücksichtigt werden, wie sich die Kosten von Gas- und Strom entwickeln, dann muss die Heizung auch regelmäßig gewartet werden, hinzu kommt schließlich auch noch die Nutzungsdauer der Heizungsanlage hinzu. Im Schnitt sagt man heute etwa, dass ein Einfamilienhaus aus den 1970er- oder 1980er-Jahren rund alle 20 bis 25 Jahre eine neue Heizung benötigt.

Es muss also eine neue Heizung bei Familie Mustermann her, da die alte droht bald kaputtzugehen. Am einfachsten ist sicherlich, die alte Gasheizung durch eine neue zu ersetzen. Besitzt die einen Wirkungsgrad von 0,9, reduziert sich der Gasverbrauch von Familie Mustermann auf 22.222 kWh Gas im Jahr. Das würde einer Ersparnis von 500 Euro entsprechen, da die Gasrechnung nur noch 4000 Euro hoch wäre. Hinzu kommt der Preis für die Anschaffung der Heizung, der sich auf rund 12.000 Euro in der Berechnung des Handelsblatt beläuft. Auf 20 Jahre gestreckt ergibt sich so ein Betrag von 92.000 Euro.

Im Vergleich mit einer Gasheizung kann durch eine Wärmepumpe beim Heizen 2022 gespart werden

Für Herrn Mustermann ist allerdings auch eine Luftwärmepumpe attraktiv, da diese bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen auch noch durch den Staat gefördert wird. Mit einem Wirkungsgrad von 3,2 macht sie aus 6250 kWh Strom 20.000 Kilowattstunde Wärme. Rechnet man alles zusammen, ergibt sich bei einem Strompreis von 40 Cent je kWh eine jährliche Rechnung von 2500 Euro. Rechnet man alle Kosten zusammen und zieht die Förderung ab, bleibt auf 20 Jahre gerechnet ein Restbetrag von 66.250 Euro. Immerhin schonmal knapp 25.000 Euro weniger als mit der neuen Gasheizung.

Was ist eine Wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe ist eine Maschine, die unter Aufwendung technischer Arbeit thermische Energie aus einem Reservoir mit niedrigerer Temperatur (in der Regel ist das die Umgebung) aufnimmt und – zusammen mit der Antriebsenergie – als Nutzwärme auf ein zu beheizendes System mit höherer Temperatur überträgt.

Der verwendete Prozess ist im Prinzip die Umkehrung eines Wärme-Kraft-Prozesses, bei dem Wärmeenergie mit hoher Temperatur aufgenommen, teilweise in mechanische Nutzarbeit umgewandelt und die Restenergie bei niedrigerer Temperatur als Abwärme abgeführt wird, meist an die Umgebung.

Eine wichtige Anwendung sind Wärmepumpenheizungen zur Gebäudeheizung. Das Prinzip der Wärmepumpe verwendet man auch zum Kühlen (so beim Kühlschrank), während der Begriff „Wärmepumpe“ nur für das Heizaggregat verwendet wird. Beim Kühlprozess ist die Nutzenergie die aus dem zu kühlenden Raum aufgenommene Wärme, die zusammen mit der Antriebsenergie als Abwärme an die Umgebung abgeführt wird. (Quelle: Wikipedia)

Etwas teurer, aber auch besser durch den Staat gefördert, ist hingegen eine Erdwärmepumpe. Im Vergleich zur Luftwärmepumpe benötigt diese wesentlich weniger Energie, um das Haus zu beheizen und würde im Betrieb 2286 Euro jährlich kosten. Hinzu kommt noch die staatliche Förderung auf den Anschaffungspreis, sodass die Erdwärmepumpe in der Anschaffung etwa 20.000 Euro kosten würde. Die Gesamtkosten auf 20 Jahre gerechnet belaufen sich so auf 66.250 Euro. Sollte es sich noch um einen Altbau handeln, kommen noch die Kosten für eine Dämmung obendrauf, denn ohne eine vernünftige Dämmung des Hauses ergibt eine Wärmepumpe – egal welche von beiden genutzt wird – keinen Sinn, da der Energieaufwand zur Erwärmung zu hoch wäre.

Eine weitere Möglichkeit wäre, anstatt die Luftwärmepumpe über das Stromnetz zu betreiben, dies eine Photovoltaikanlage übernehmen zu lassen. Mit einer Anlage, die 6 Kilowattpeak leistet, würde etwa 20 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Die Luftwärmepumpe und die Solaranlage kosten zusammen etwa 26.250 Euro – einschließlich der Förderung durch den Staat. Zieht man 20 Prozent vom Stromverbrauch ab, bleiben noch etwa 5000 kWh, die mit 2000 Euro zu Buche schlagen würden. Bleiben noch rund 4750 kWh übrig, die die Solaranlage außerhalb der Heizperiode produziert. Wird diese Strommenge ins Netz eingespeist, verdient Familie Mustermann noch einmal 8 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom, der nicht eingespeist wird, wird einfach im Haus verwendet. Alles zusammengerechnet ergibt sich so eine Summe von 55.130 Euro für die Luftwärmepumpe, eine Ersparnis von mehr als 11.000 Euro auf 20 Jahre gerechnet. Im Vergleich zur herkömmlichen Gasheizung würde sich sogar eine Ersparnis von rund 37.000 Euro ergeben.

Heizperiode: Alternativ wäre das Heizen 2022 auch mit einer Pelletheizung möglich

Alternativ wäre das Heizen 2022 des Hauses von Familie Mustermann mit einer Pelletheizung möglich. Die Anschaffung einer Pellet-Heizung schlägt mit rund 20.000 Euro zu Buche – inklusive staatlicher Förderung. Hinzu kommen jährliche Kosten für Pellets von etwa 11 Cent je kWh. Bei einem Bedarf von rund 22.222 kWh im Jahr entstehen so Kosten von 2444 Euro. Hochgerechnet auf 20 Jahre ergibt sich so laut Handelsblatt eine Summe von 68.889 Euro. Hinzu kämen noch Wartungskosten und Geld für den Schornsteinfeger, die allerdings in der Berechnung außen vorgelassen wurden.

Wie funktioniert eine Pelletheizung?

Eine Pelletheizung (oder auch Pelletsheizung) ist eine Heizung, in deren Heizkessel zumeist Holzpellets (kleine Presslinge aus Holzspänen und Sägemehl) vergast werden. Weitere pelletierte Brennstoffe wie Strohpellets, Halmpellets, Torfpellets, Pellets aus Olivenkernen und Olivenpresstrestern, Kokosnussschalen oder anderen biologischen Reststoffen kommen auch zum Einsatz.

Zentralheizungen mit Holzpellets als erneuerbare Energiequelle sind mit Öl- und Gasheizungen vergleichbar und erreichen einen feuerungstechnischen Wirkungsgrad von über 90 % (heizwertbezogen). Pelletkessel mit Brennwerttechnik erreichen Wirkungsgrade von über 100 % (heizwertbezogen). Der Ausstoß von Feinstaub ist rohstoff- und prinzipbedingt höher als bei Öl- und Gasheizungen. (Quelle: Wikipedia)

Heizsaison: Fernwärme als Alternative zur klassischen Gasheizung oder Wärmepumpe

Eine weitere Möglichkeit ist es, Fernwärme zum Heizen 2022 zu nutzen. Ist dieser Anschluss gegeben, kommt auch diese Heizmöglichkeit infrage. Wie es in dem Bericht des Handelsblatts heißt, schwanken allerdings die Kosten dafür enorm. Bei Kosten von 20 Cent pro Kilowattstunde würde sich so ein jährlicher Bedarf von 4000 Euro ergeben. Hinzu kommen noch einmal 1500 Euro für den Anschluss. Hochgerechnet auf 20 Jahre kämen so 81.500 Euro zusammen. Da bei Fernwärme keine Wartungskosten entstehen, kämen hier keine gesonderten Kosten obendrauf. Im Vergleich zu herkömmlichen Gasheizung immer noch eine Ersparnis von 10.500 Euro.

Was versteht man unter Fernwärme?

Als Fernwärme oder Fernheizung wird eine Wärmelieferung zur Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser bezeichnet. Der Transport der thermischen Energie erfolgt in einem wärmegedämmten Rohrsystem, einem sogenannten Wärmenetz, das üblicherweise erdverlegt ist; teilweise werden jedoch auch Freileitungen verwendet.

Fernwärme versorgt vor allem Wohngebäude neben Raumwärme auch mit Warmwasser, indem die Wärme vom Erzeuger oder der Sammelstelle zu den Verbrauchern geleitet wird. Bei der örtlichen Erschließung einzelner Gebäude, Gebäudeteile oder kleiner Wohnsiedlungen mit eigener Wärmeerzeugung spricht man auch von Nahwärme. (Quelle: Wikipedia)

Alles in allem ist also für Familie Mustermann die Luftwärmepumpe am günstigsten, wenn sie mit einer Solaranlage betrieben wird. Verteilt auf einen Zeitraum von 20 Jahren ist diese Variante die günstigste. Am Teuersten ist in jedem Falle eine Gasheizung. Da aber in der Berechnung viele Faktoren außen vor gelassen wurden, sollte eine Kaufentscheidung nicht ohne einen Experten getroffen werden.

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